Wir haben unseren Job gegen Dortmund gründlich erledigt. Super! Ja, wir haben im Spiel der zweiten DFB-Pokalrunde sogar mehr getan, als von uns erwartet wurde. Erstens haben wir dem BVB mit dem 3:0-Sieg ein lang ersehntes Erfolgserlebnis im nicht internationalen Fußballgeschäft beschert. Und zweitens (quasi als Nachschlag) dafür gesorgt, dass die Dortmunder nicht überheblich werden. Hätten wir, die St. Paulianer, nämlich der ängstlich weggegebenen ersten Halbzeit eine mutlose zweite folgen lassen: Der Pokaltriumph wäre den Gästen aus dem Pott nicht gut bekommen. Nach einem hohen Sieg wären sie gefährlich sorglos nach Hause gefahren.

Stattdessen aber haben unsere Jungs, indem sie eine gute zweite Halbzeit hinlegten, das Spiel fast noch einmal heiß gemacht. Und damit Dortmund gewarnt. Im Sinne von: Wenn ihr nicht aufpasst, bringt euch sogar ein Zweitligist in Bedrängnis.

Insofern hat der FC St. Pauli den Losern aus der ersten Liga das perfekte Gesamtpaket geliefert. 1A-Betreuung, erstklassiges Aufbauset! Der BVB, der in der Champions League drei von drei Spielen gewonnen hat, in der Bundesliga aber momentan auf Platz 15 steht, wird langfristig davon profitieren. Was das Motivationscoaching betrifft, ist unsere Mannschaft ein echter Aufsteiger.  

Einer hat mich trotzdem enttäuscht. Trainer Thomas Meggle, ausgerechnet er – der Pokalheld, der Weltpokalsiegerbesieger, sonst immer die Emotionsgranate am Spielfeldrand. Seinetwegen bin ich nach dem Spiel stinkesauer aus dem Stadion getrottet. So stinkesauer, dass ich Trost brauchte. Mein Freund Klaus begleitete mich freundlicherweise zu ein paar Kaltgetränken in den Galopper. Klaus leistete, ganz sanktpaulianisch, erstklassige Wiederaufbauarbeit: Mein Kater heute ist stark genug, um die Wutwolken ein wenig aufzulösen.

Aber ganz verraucht ist der Zorn nicht. Noch immer frage ich mich, was Meggie sich beim Einwechseln gedacht hat. Da waren wir so nah am Anschlusstreffer (der noch einmal Stimmung in die Bude gebracht hätte) – doch dann wechselt er für den verletzten Stürmer John Verhoek in der 55. Minute mit Sebastian Meier einen Mittelfeldspieler ein. Statt den Druck weiter zu erhöhen, lässt er Dampf ab. So schien es mir. Mehr als eine halbe Stunde lang spielten wir ohne echten Stürmer.  

Die Mutlosigkeit, die das Team in der ersten Halbzeit blockierte, sie hat in der zweiten Halbzeit den Übungsleiter ergriffen. Kann mir irgendjemand erklären, warum Meggie den schnellen Stürmer Ante Budimir auf der Bank verschmoren ließ? Weiß jemand, warum er, als die Dortmunder zu wanken begannen, die stärkste Offensivwaffe nicht zündete?  

Wenn ich zurückdenke, dann seh ich ihn. Zwischen verrauchenden Wutwolken und sich auflösendem Restkater, umgeben von gelbschwarzem Getümmel: Budimir. Er bekommt die Kugel. BVB-Verteidiger Hummels schläft. Subotić stolpert. Torwart Langerak greift ins Leere. Kloppo tobt. Und dann: Song 2 von Blur, unsere Torhymne.

Exakt so hätte es sein können. Nach dem 1:2 in der schätzungsweise 76. Minute wäre der BVB durch die Hölle gegangen.