Das HSV-Spiel gegen Dortmund angucken oder doch lieber die Konferenzschaltung? Eigentlich wollte ich diese Diskussion in dieser Saison nicht mehr führen. Eigentlich sollte der HSV in diesem Jahr ein neuer sein, einer, dessen Spiele man sich auch als neutraler Fußball-Fan gerne anguckt, als HSV-Fan sowieso. So weit ist die Mannschaft aber noch nicht.

Am Ende setzte sich die HSV-Dortmund-Fraktion (meine Mutter, meine beiden Geschwister und ich) dennoch gegen die Befürworter der Konferenz (mein Vater) durch – und der HSV setzte sich doch tatsächlich gegen Dortmund durch: souverän mit eins zu null, HSV-Style eben.

Der Sieg gegen Dortmund liefert viele Gründe zum Feiern – zum Beispiel, dass der HSV nach dem siebten Spieltag der Alles-wird-besser-nie-wieder-Abstiegskampf-Saison nicht mehr Tabellenletzter ist. Vorletzter ist auch nicht viel besser, könnte man jetzt einwenden. In der Regel würde ich diesem Satz auch zustimmen. Aber wenn der Letzte Werder Bremen heißt, neige ich eher zu der Aussage, dass Welten zwischen Platz 17 und 18 liegen.

Ein weiterer Grund zur Freude war für mich persönlich, dass Pierre-Michel Lasogga das Siegtor geschossen hat. Zuletzt habe ich an dieser Stelle noch versucht, den bis dahin glück- und torlosen Stürmer aufzubauen. Er mache sich selbst zu viel Druck, habe ich geschrieben. Meine Empfehlung: Kopf aus, Ball rein. Scheint funktioniert zu haben.

Wobei man auch beim Tor gegen Dortmund sehen konnte, wie die vergangenen Wochen Lasogga verunsichert haben: Nach dem Querpass von Nicloai Müller nahm er den Ball zunächst an, bevor er ihn aus kurzer Distanz ins leere Tor schob. Der Lasogga aus der vergangenen Saison hätte den Ball in den Winkel geknallt. Aber mit den Toren wird auch das Selbstbewusstsein wieder wachsen.

Bei aller Euphorie nach dem Sieg gegen Dortmund darf der HSV jetzt aber nicht abheben. Freuen und feiern ja, das haben Fans und Spieler sich verdient. Aber auch realistisch bleiben. Denn rein fußballerisch war auch die Leistung gegen Dortmund nicht besonders ansprechend. Hier und da gab es schöne Spielzüge, – an dieser Stelle ein Extra-Lob an die Neuzugänge Lewis Holtby und Nicolai Müller – die ich während des Spiels auch gefeiert habe. Das liegt aber nur daran, dass die meisten HSV-Fans (Autor inklusive) inzwischen gar keinen schönen Fußball mehr erwarten und sich mit 1:0-Dusel-Siegen zufrieden geben. Wahrscheinlich war das auch der Grund, warum Jaroslav Drobný ab der 46. Minute konsequent bei jedem Abstoß auf Zeit gespielt hat. Gestern ist das gut gegangen. Zukunft hat dieses "Spielsystem" sicherlich nicht.

In den vergangen Wochen und Monaten, was rede ich da, in den vergangenen Jahren musste ich mir als HSV-Fan einiges  anhören. Diese Zeit hat mich als Fußball-Fan geprägt: Ich habe mir geschworen, nie so hämisch und gehässig mit den Fans anderer Mannschaften umzugehen, erst recht nicht, wenn deren Verein sich in einer Krise befinden sollte. Heute, einen Tag nach dem Sieg gegen Dortmund, verspüre ich ziemlich große Lust, diesen Schwur zu brechen. Ich rufe jetzt meinen guten Freund Morten an. Er ist Dortmund-Fan. Und glauben Sie mir: Er hat diesen Anruf verdient.