Es waren noch keine zwanzig Sekunden gespielt im Freiburger Schwarzwald-Stadion, als der von mir ersehnte zweite Sieg in Folge für den HSV bereits drohte, in weite Ferne zu rücken: Nach genau 17 Sekunden hatte Hamburgs Außenverteidiger Ronny Marcos den Freiburger Felix Klaus im eigenen Strafraum gefoult. Zumindest sahen Schiedsrichter Wolfgang Stark und sein Assistent das so. Die Folge: Elfmeter für Freiburg. Und da ein Elfmeter in der Regel gleichbedeutend mit einem (Gegen-)Tor ist, und weil ich weiß, wie schwer es dem HSV fällt, selbst Tore zu schießen, war meine Stimmung nach dem Elfmeterpfiff schon im Keller. 

Wider Erwarten wehrte HSV-Torwart Jaroslav Drobný den Elfmeter ab und hielt damit die Spannung am Leben. Zu jenem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass der vergebene Elfmeter das größte Highlight des Spiels bleiben sollte. Mehr als deutlich spiegelte das Spiel die Tabellenplätze der beiden Kontrahenten wider und endete wie eine Partie nun mal endet, wenn zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die fußballerisch kaum etwas zustande bekommen: 0:0.

Dabei wäre ein Sieg gegen diesen schwachen Gegner und direkten Konkurrenten im Abstiegskampf so wichtig für den HSV gewesen. Hätte der HSV gewonnen, stünde er nun auf Platz elf, und hätte zumindest ein kleines Polster von vier Punkten auf die Abstiegsplätze gehabt. So stehen die Hamburger mit 16 Punkten nur auf Platz 14, zwei Punkte vor den Freiburgern, Werder Bremen und Borussia Dortmund mit jeweils 14 Punkten.

Mit Einsatz gegen fußballerische Defizite

Ich möchte diesen Auswärtspunkt überhaupt nicht schlechtreden, weil ich weiß, dass es im Abstiegskampf auf jeden Punkt ankommt. Andererseits kann ich auch nicht wirklich zufrieden sein, eben weil ich weiß, dass am Ende jeder Punkt zählt. Und Heimstärke hin oder her: Wer nicht absteigen will, muss auch auswärts gewinnen, gerade gegen so schwache Gegner wie den SC Freiburg.  Leichter als gestern wird es nicht.

Doch trotz regelmäßiger Rückschläge nach bereits überwunden geglaubten Tälern bin ich der Meinung, dass der HSV sich unter Zinnbauer in die richtige Richtung entwickelt. Fußballerische Defizite, die dieser Kader zweifelsohne hat, kompensierte die Mannschaft in den vergangenen Wochen durch enorme Einsatzbereitschaft. Das wird von den Fans registriert und honoriert, denn das war nicht immer so.

Außerdem hat Zinnbauer mit jungen Talenten wie Marcos (der - abgesehen von seinem ungeschickten Zweikampfverhalten in der ersten Minute - ein ordentliches Spiel gemacht hat), Gouaida und Götz, die er allesamt aus der zweiten Mannschaft mitgebracht hat, einen meiner Meinung nach guten und richtigen Weg eingeschlagen, der, wenn er geduldig verfolgt wird, in erfolgreicheren Zeiten münden kann.

Am Dienstag kommt der VfB Stuttgart nach Hamburg. Platz 18 gegen Platz 14, Abstiegskampf pur. Für den HSV ist es das letzte Heimspiel in diesem Jahr. Das Stadion wird voll sein, die Stimmung angeheizt, und die Stuttgarter hochmotiviert. Es wird ein verdammt schweres Spiel, dass der HSV dennoch gewinnen muss.  Ich habe ein ganz gutes Gefühl, dass er das auch tut.