"Ein ausgestreckter Mittelfinger in das Gesicht der konventionellen Medienmacher", so hat die Moderatorin Jeannine Michaelsen das Duo Hendrik von Bülzingslöwen und Ole Zeisler genannt. Das erscheint hochgegriffen, aber ungewöhnlich ist das, was die beiden machen, schon: eine Kneipenshow über Fußball, in der es weniger um die Leistungen, als um die Absurditäten der Bundesliga geht. Vor Publikum persiflieren die beiden das Geschäft und diskutieren mit Trainern, Ex-Profis und prominenten Fußballfans. Am 15. Dezember findet ihre Show "DoppelSechs" im Knust statt. Zu Gast in der 14. Folge sind Mirko Slomka, Lotto King Karl und Nico Patschinski. Kurz vorher haben Zeisler und von Bülzingslöwen Zeit für ein Gespräch gefunden.

ZEIT ONLINE: Würden Sie sagen, der Fußball in Hamburg ist in letzter Zeit nur mit Humor zu ertragen?

Ole Zeisler: Es scheint so. Humor kann helfen, mit der Situation umzugehen. Obwohl das teilweise auch schon überreizt ist. Ein Gag muss wirklich gut sein, damit man ihn noch bringen kann. Sich nur über die schlechte Leistung lustig zu machen, das reicht nicht. Man muss Empathie zeigen.

ZEIT ONLINE: Ist es für Fans nicht besser, sich in Humor als in Nörgeleien zu verlieren?

Zeisler: Würde ich nicht sagen. Sich aufzuregen und sich an einer Mannschaft zu reiben, das macht ja auch Spaß. Wenn man komplett in die Humorecke flüchtet, gibt man sich als Fan auf. Ich muss zugeben, mir persönlich geht diese bierernste Leidenschaft heute des Öfteren ab. Menschen, die sie haben, würde ich aber trotzdem nicht mit Humor begegnen.

ZEIT ONLINE: Es gibt also im Fußball Momente, in denen Scherze unangebracht sind.

Hendrik von Bültzingslöwen: Es gibt ganze Aufsätze, warum Humor und Fußball zusammen nicht funktionieren. Für viele ist ihr Fandasein einfach eine komplett ironiefreie Zone. Sich über die Beziehung zum Verein lustig zu machen, kommt nicht gut an. Was aber immer geht, ist ein Scherz über den Sieben-Millionen-Neuzugang, der Flanken auch nur in den Fangzaun haut. Dabei suhlen sich Fans gemeinsam in ihrer Melancholie: Egal, welchen Spieler wir holen, bei uns ist er schlecht und wenn wir ihn verkaufen, ist er wieder gut.

ZEIT ONLINE: Womit wir beim HSV wären.

Zeisler: So ist es. Es ist letztendlich die Nick-Hornby-Philosophie, die Hendrik andeutet: Wer will schon Bayern-Fan sein? Klar will ich ein schönes Spiel sehen, aber sobald ich Fan bin, will ich leiden.

Von Bültzingslöwen: Aber du willst auch ab und zu die Sonne sehen – und das ist beim HSV gerade schwierig.

ZEIT ONLINE: Beim HSV ist es nicht nur die sportliche Leistung, die Angriffsfläche bietet. Steckt nicht das eigentliche Potenzial für Ihren Fußball-Talk in dem vielen Hin und Her außerhalb des Platzes

Von Bültzingslöwen: Allerdings. Ob der HSV 8. oder 18. ist, ist relativ egal. Aber nicht, dass ein Bundesliga-Verein sich mitunter so dilettantisch anstellt, wie man es selbst nicht für möglich hält. Nach Außen scheint der Fußball immer so ein perfektes, professionelles Umfeld zu sein. Aber die Fehler, die da dann noch passieren, die sind interessant.

ZEIT ONLINE: Weg von Ergebnissen, hin zum fußballkulturellen Ansatz, das ist ein Ansatz, den das Magazin 11Freunde schon länger verfolgt. Haben Sie sich daran für Ihre Show orientiert?

Zeisler: Ja, der Ansatz der 11Freunde-Macher, gewisse Metaebenen in den Fußball einzuziehen, war für uns schon eine Leitidee.

Von Bültzingslöwen: Ihre Art, Humor in den Fußball zu bringen, ist für uns nach wie vor inspirierend.