Das Los teilt er mit der Grafikdesignerin Rita (36), die als Organisatorin, Moderatorin, Kuratorin, Künstlerin und DJane ganze Tage im Viertel verbringt. Ehrenamtlich, versteht sich. Unter den zahllosen Helfern, die von der einmaligen Tresenschicht bis zur täglichen Finanzverwaltung zum Ganzen beitragen, bezieht nur die Geschäftsführerin der Genossenschaft ein kleines Salär. "So ein Projekt ohne Hierarchie und Leistungsdruck zu gestalten", sagt Rita, sei nicht nur befriedigend, sondern höchst lehrreich. Doch gruppendynamische Abnutzung, bürokratische Frustration, der ständige Kampf mit dem Staat und nicht zuletzt ein kreativer Output, der nur selten auf Verkäuflichkeit abzielt – da dürften sich 40-Stunden-Wochen gern auch mal finanziell auszahlen.

Wenn der Verein im Frühjahr erste Wohnungen an Aktivisten mit Paragraf-5-Schein vermieten darf und die Jupi-Bar wieder Bier auf Spendenbasis verkauft, könnte aus der vagen Hoffnung sogar geldwerte Realität werden. Doch genau darin steckt der nächste Spaltpilz: Je mehr der radical chic zum Lifestylepark der Bionade-Bourgeoisie gebügelt wird, desto mehr trägt er zur Marke Hamburg bei. Jenem PR-Prinzip renditeorientierter Aufwertung, die man von hier aus doch kreativ bekämpfen will. "Der Widerspruch war uns von Anfang an klar", sagt Matthias und trinkt Wasser aus einer gewöhnlichen Plastikflasche. "Deshalb müssen wir deutlich machen, konträr zur restlichen Stadtentwicklung zu stehen."

Den glattsanierten Fassaden werde man also rasch Kanten verpassen und darauf hinarbeiten, weiter als Gesamtkunstwerk anstatt als Kunstfabrik wahrgenommen zu werden. Rita nennt es "soziale Plastik". Ein Ort für alle von wenigen, die vieles geben. Einer, der Kultur als Erlebniswelt statt Ware verfügbar macht. Wo Spaltung nur ein räumlicher Begriff ist, weil die Party zwischenzeitlich woanders steigt. Der sich der Sollbruchstelle zwischen Konsum und Verweigerung offensiv stellt, statt wohlfeil zu verteufeln. 

"Kein alternatives Disneyland, an dem nur die Sightseeing-Busse halten", hofft Matthias. "Wild und kreativ wie nach der Besetzung", ergänzt Rita. Damals, als Ertragsdenken, Markenbewusstsein und Bürokratie noch nicht das Zeitkonto geplündert haben. Als es mehr ums Miteinander ging, um Kritik und vor allem um Kunst. All dies ist weniger geworden mit den Jahren. Verschwunden war es nie. Mal sehen, was hinter der glattsanierten Fassade passiert.