Es hört sich etwas rau an, als Florian Schepelmann die ersten Zeilen von Hack anstimmt. Bei hohen Tönen lässt ihn die Heiserkeit klingen wie einen Kettenraucher, doch für diesen Auftritt am letzten Abend holt er das Letzte aus seiner Stimme heraus. Zuletzt vier Tage lang haben er und seine Band-Kollegen Marcel Hoyer und Trommler Julian Soethe fast ununterbrochen auf Deutschlands größtem Rollenspiel-Festival musiziert, dem Conquest of Mythodea in der Nähe von Hannover.  

Einmal im Jahr wachsen hier auf weiten Wiesen riesige Zeltstädte mit mehreren Tausend Mitspielern wie Pilze aus dem Boden. Alles zusammen ergibt dann das Fantasiereich Mitraspera, in dem jeder Spieler in eine Fantasierolle schlüpft – LARP (Live Action Role Playing) nennen sich diese Live-Rollenspiele in der Szene.

Das 21. Jahrhundert ist hier weit entfernt: Statt auf das Smartphone zu schauen, beugt sich ein Manager in der Rolle eines Magiers über geheime Schriften. Heiler wickeln Verbände zurecht. Ein Ritter geht strammen Schrittes vorbei, stets begleitet vom rhythmischen Klack-Klack seiner Metallrüstung. Er hält inne und ruft seinen Knappen, als er hinter dem nahegelegenen Wäldchen plötzlich Kampfesgetöse vernimmt. Ein Trupp abgerissener Söldner wittert ein gutes Geschäft, schultert seine echt aussehenden, aber ungefährlichen Schaumstoff-Hellebarden und setzt sich in Bewegung.    

Sie bestehen viele Herausforderungen, doch wenn die Schlacht geschlagen ist, wollen auch die Helden feiern – und die Hamburger Band Die Kapeiken liefert ihnen den Soundtrack dazu.   

 "Rollenspieler haben da voll Bock drauf"

Die Kapeiken spielen dann in Tavernen, Badehäusern, und auch in den großen Zeltlagern. Wie ihre Zuschauer schlüpfen sie dabei in einen selbst ausgedachten Charakter, nennen sich "Fistus Famos" oder "Knick Knack" und nehmen in ihren Liedern die Klischees der Rollenspieler aufs Korn. "Die Leute in der Rollenspielszene können gut über sich selber lachen", sagt Schepelmann.


Der Sänger, Songwriter und Gitarrist in Personalunion stand nicht immer in Rokoko-Kleidung – dem Markenzeichen der Band – auf der Bühne. Seit mehr als zehn Jahren musiziert er bereits mit Hoyer zusammen und gründete nach einer Reihe anderer Projekte 2012 gemeinsam mit dem Trommler Timo Köhler die Kapeiken. Ihre Charaktere kommen dabei aus dem Lande Valariot, das von einer Harburger Rollenspielgruppe bespielt wird. Im echten Leben reaktivierte Schepelmann seine ehemaligen Bandkollegen aus einem früheren Projekt, nachdem er als Teil des Duos Spectaculus Geschmack an der LARP-Musik gefunden hatte.

"Die Kapeiken sind quasi dieselben Leute wie in unserer alten Funkrock-Band Stabak und die Kosmonauten. Mit der sind wir viel in Hamburg aufgetreten und haben wir uns auch einmal im Oxmox-Bandbattle durchgesetzt, aber kamen einfach nicht über die Grenzen der Stadt hinaus", erzählt Schepelmann. Beim Liverollenspiel kämen die Leute indes von überall her. "Und die wollen unbedingt ihre eigene Musik und haben da voll Bock drauf."