ZEIT ONLINE: Sonja und Valeska, nachdem Ihr 2011 Euer Debütalbum Mutual Friends veröffentlicht habt, seid Ihr durch Europa, Nordamerika und Kanada getourt. Hat das Eure Sicht auf Euren Wohnort Hamburg verändert?

Sonja: Ja, schon ein wenig. Während der Amerika-Tour ist mir aufgefallen, dass die Leute in den USA offener und schneller miteinander kommunizieren als hier in Deutschland. Das fand ich schön. Viele nennen das oberflächlich. Aber ich finde das einfach kommunikativ.

Valeska: Ja, total. Man hat einfach eine gute Zeit.

Sonja: Ich hab' versucht, das hier in Hamburg ganz bewusst auch so zu machen. Aber das trifft nicht immer auf Gegenliebe, wenn man Leute einfach so anquatscht. Ich glaube, viele denken dann einfach nur: Was will die denn von mir?

Valeska: Ich als Schweizerin finde allerdings, dass die Leute hier in Hamburg im Vergleich schon viel offener sind. Wenn man neu in meine Heimat Zürich kommt, ist es nicht so leicht, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Es ist immer gleich so: "Mh, was will der von mir? Will der mich anmachen?" Wenn man dagegen in Hamburg irgendwo alleine steht, kommt sofort jemand und fragt, ob er helfen kann.

ZEIT ONLINE: Mit We Were Here bringt Ihr jetzt euer zweites Album heraus. Einer der Songs heißt New York. Eine Hommage an die Stadt?

Valeska: Nein, er handelt viel eher von Hamburg. Er kam zustande, als wir hier saßen und uns die Inspiration fehlte. Da hatten wir das Gefühl, wir müssen ganz weit weg fahren. Wir haben deshalb gleich nach Flügen nach New York gegoogelt. Geflogen sind wir dann aber doch nicht. Wir haben bemerkt, dass der Schlüssel eigentlich ein anderer ist: Man muss sich da inspirieren lassen, wo man gerade ist.

ZEIT ONLINE: Wie habt ihr das angestellt?

Sonja: Wir sind zum Beispiel viel auf Konzerte gegangen und haben uns Ausstellungen angeschaut. Eben Sachen, die man meistens nur in Städten macht, in denen man nicht lebt. Das können wir nur weiterempfehlen. Toll ist es auch, in einen Stadtteil zu fahren, den man noch nicht kennt.

ZEIT ONLINE: Welche Orte oder Ereignisse der Entdeckungstour sind Euch besonders in Erinnerung geblieben?

Sonja: Wir haben die englische Indie-Band Glass Animals im Nochtspeicher gesehen. Das war ein ganz kleines, tolles Konzert. Und ich war in der Galerie Feinkunst Krüger. Da gehe ich super gerne hin, gerne auch zu Ausstellungen von Künstlern aus Hamburg.

Valeska: Ich war vor einer Weile im Thalia-Theater, das hatte ich zum Geburtstag geschenkt bekommen. Dort haben wir lustigerweise ein Stück geschaut, das Bye, Bye Hamburg heißt. Es ging um eine Reise nach New York!

ZEIT ONLINE: Tauscht ihr euch regelmäßig mit anderen Künstlern in Hamburg aus?

Sonja: Ja. Ich besuche zum Beispiel gerne meine Freundin Magda Krawcewicz in ihrem schönen Atelier. Ich finde Orte, an denen andere Menschen kreativ sind, super spannend und inspirierend.

Valeska: Ich finde, dass Hamburg ein guter Boden ist, um kreativ zu sein. Viele, die Kunst machen, gehen ja nach Berlin. Ich glaube, ich wäre erschlagen von Berlin, weil da so viel passiert. Hamburg ist ein bisschen übersichtlicher und vielleicht weniger aufrührend – für meine Seele ist das auf jeden Fall besser.