Der Krieg war vorbei und die Deutschen wollten mit ihrer Nazivergangenheit nichts mehr zu tun haben. Das galt auch fürs Bauen. Das Erscheinungsbild der Städte in Deutschland veränderte sich. Aus den USA kehrten die 1933 vertriebenen Bauhaus-Stile zurück. Es wurde nun nicht mehr wuchtig, sondern leichter gebaut.

Unübersehbar war das in der Hamburger Innenstadt am neuen City-Hof: Elegant und nüchtern, sehr hell und mit einem gehörigen Schuss Manhattan. Ein beeindruckendes Hochhaus-Ensemble in der noch jungen Bundesrepublik, vier schlanke, scheibenförmige und über einen Sockel miteinander verbundene Gebäude – mustergültige Fünfzigerjahre-Moderne.  

Die Geschichte dieses einst ultramodernen Komplexes ist gleichzeitig die Geschichte eines erfolgreichen Architektenlebens – eines, das sich über vier politische Systeme hinwegzog. Dieser Architekt war Rudolf Klophaus und seine Karriere lässt sich auch entlang des großen Platzes am Rand des sogenannten Kontorhausviertels erzählen, auf dem der City-Hof in den Fünfzigern gebaut wurde.  

Durchsicht auf zwei der vier Scheiben des City-Hofes über den Hauptbahnhof hinweg: Die Hochhäuser in der Kulisse der Fünfziger © Carl-Günther Jastram

Klophaus' Karriere erstreckt sich über vier vollkommen unterschiedliche Epochen. Geboren vor Beginn des 20. Jahrhunderts konnte ein Berufsleben so bis in die Bonner Republik hineinreichen. Doch im Gegensatz zu der Kontinuität von heute bald siebzig Jahren Bundesrepublik, war der Zeitabschnitt, den Rudolf Klophaus durchlebte, geprägt von extremen Zeitläuften: Erster Weltkrieg, Wirtschaftskrisen, Nazi-Herrschaft, Zweiter Weltkrieg.

Rudolf Klophaus wurde 1885 als jüngstes von zwölf Geschwistern einer Arbeiterfamilie geboren. Mit 14 Jahren begann er eine Zeichenlehre bei einem Architekten, später eine Ausbildung zum Baumeister, er besuchte regelmäßig Fortbildungskurse, jobbte als Bautechniker. Am Ende hatte er sich zum Architekten weitergebildet. Als Soldat musste er im Ersten Weltkrieg kämpfen, doch nach einer Verwundung und folgenden Lähmung des linken Arms war der Einsatz für ihn vorzeitig beendet.

1916 landete er als Angestellter in einem Hamburger Architekturbüro. Vier Jahre später machte er sich im Alter von 35 Jahren mit einem eigenen Büro in der Innenstadt selbstständig. Den später folgenden Terror der Nazis hatte Klophaus nicht nur überstanden, er kam mit ihnen zurecht, war weiter erfolgreich und hat gegen Ende des Krieges auch für sie gearbeitet. In seiner Zunft war er damit kein Einzelfall. Nach dem Krieg etablierten sich in Hamburg zahlreiche Architekten, die sich mit den Nazis arrangiert hatten.

Werner Kallmorgen und Georg Wellhausen beispielsweise waren nach 1945 wichtige Architekten im Wiederaufbau der Stadt. Während des Krieges hatten sie für den dem Gauleiter unterstellten Planer Konstanty Gutschow gearbeitet, der Hamburg zur "Führerstadt" machen sollte und nach den Bombenangriffen für die Nazis den Wiederaufbau plante; Kallmorgen war seit 1939 zudem NSDAP-Mitglied. Oder Rudolf Lodders und Bernhard Hermkes, die in der NS-Zeit für die Rüstungsindustrie arbeiteten, auch Lodders hatte dazu Planungsaufträge von Gutschow erhalten. Gleich nach dem Krieg durften die beiden für die englischen Besatzer die seinerzeit spektakulären Grindel-Hochhäuser planen.