Wer einen Film für die ARD-Reihe Tatort dreht, hat im Schnitt 1,4 Millionen Euro zur Verfügung. Angesichts dessen erscheinen die 900.000 Euro, die die jungen Filmemacher der neuen NDR-Nachwuchsfilmreihe zur Verfügung hatten, recht großzügig. Nordlichter heißt das Projekt, das der Sender, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) und Nordmedia, die Medien-Fördereinrichtung für Niedersachsen und Bremen, zu je einem Drittel finanzieren. Es ist ein Weckruf der norddeutschen Filmbranche.

Jeweils donnerstags um 22 Uhr sind die vier Filme, allesamt in Norddeutschland gedreht, im NDR Fernsehen zu sehen. "Ein außergewöhnlich attraktiver Sendeplatz für Nachwuchsfilme", findet Christian Granderath, der Fernsehfilmchef des NDR. In dieser Woche läuft der erste Film, der in Hamburg spielt: Das Romeo-Prinzip von Regisseur Eicke Bettinga und Drehbuchschreiber Niklas Altekamp, angesiedelt im Theater- und Studentenmilieu. Als Schauplätze dienten unter anderem das Gängeviertel und das Altonaer Elbufer.

Die Vorbereitungen für Nordlichter hätten 2013 begonnen, sagt Eva Hubert, die Ende des Jahres in den Ruhestand gehende Geschäftsführerin der FFHSH. Vorher habe sich der NDR gegen ein solches Nachwuchsförderprojekt gesperrt, obwohl ihre Organisation schon länger dafür plädiert habe.

Wer der Filmregion Norddeutschland fördert, macht mehrerlei: Er unterstützt, wie in diesem Fall, junge Filmemacher, die teilweise vor Ort ausgebildet wurden. Und er verhindert, dass Berlin seine große Führung in der Drehortstatistik noch weiter ausbauen kann. Davon profitieren auch Catering- und Transportunternehmen oder Hotels. Einen festen Verteilerschlüssel für Drehorte gebe es bei den Nordlichtern aber nicht, sagt die NDR-Redakteurin Sabine Holtgreve, die zwei der vier Filme, unter anderem Das Romeo-Prinzip, betreut hat.

Familie verpflichtet, der erste und bereits ausgestrahlte Film der Premieren-Staffel, der einen überdurchschnittlichen Marktanteil erreichte (9,2 Prozent im NDR-Sendegebiet), entstand in Hannover. Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut, zu sehen in der kommenden Woche, in Hamburg und Geesthacht. Und der Abschlussfilm Vorstadtrocker überwiegend in der Nähe von Cuxhaven und zu kleinen Teilen in Hamburg.

Als Genre für die erste Staffel waren Komödien vorgegeben – "die größte denkbare Herausforderung für eine Nachwuchsreihe", wie NDR-Manager Granderath meint. Das Romeo-Prinzip ist eine romantische Komödie, kurz rom com. Im Mittelpunkt steht der sehr schüchterne Student und Hobbyfotograf Tom (Leonard Scheicher), der den sowjetischen Dichter Wladimir Majakowski verehrt und als Requisiteur bei einem Studententheater arbeitet. Seine unerreichbare Angebetete Annelie (Alicia von Rittberg) steht dort auf der Bühne. Niklas Altekamp, der Drehbuchautor, hat früher selbst Studententheater gemacht, und widmet sich diesem Milieu nun mit liebevoll-ironischem Blick.

Der Stasi-Mann lässt alte Verbindungen spielen

Die zweite Hauptfigur ist der Hausmeister von Toms Wohnanlage (Veit Stübner), ein Mann um die 60. Weil der Schlag bei Frauen hat, auch bei wesentlich jüngeren, bittet Tom ihn um Hilfe in Sachen Liebeswerben. Auch sonst ist Müller kein gewöhnlicher Hausmeister, jedenfalls zitiert er gelegentlich Lenin, zum Beispiel: "Klug ist nicht der, der keine Fehler macht. Klug ist, der versucht, sie zu korrigieren."

Warum er geflügelte Worte Lenins parat hat, wird dem Zuschauer bald klar: Müller hat als Stasi-Offizier einst Agenten ausgebildet, um sie auf weibliche Quellen in der alten Bundesrepublik ansetzen zu können. Er weiß also genau, wie er die Wirkung seines Schützlings auf Frauen verbessern kann. Er baut den unambitioniert vor sich hin knipsenden Tom zu einem Fotokünstler auf, indem er ihm ein Modell für erotische Fotos und schließlich eine Ausstellung in einer Galerie verschafft. Dabei macht sich der ehemalige Stasi-Mann alte Verbindungen zunutze. Was für eine Vergangenheit Müller hat, wird Tom allerdings erst klar, nachdem der Ex-Offizier ein paar Geheimdienstregister zu viel gezogen hat und die Operation Annelie sich nach einem zwischenzeitlichen Hoch zum Unguten zu wenden scheint.