ZEIT ONLINE: Milonair, zwei Jahre nach deinem Debüt erscheint jetzt dein zweites Album, es heißt Milominati. Worum geht es?

Milonair: 100 Prozent Azzlack. 100 Prozent Hamburg. Auf AMG, meinem ersten Album, ging es noch viel um meine Zeit im Knast. Auf dem neuen geht es mehr ums Leben: kiffen und viel angeben. Für uns ist das Alltag.

ZEIT ONLINE: Du hast vor ein paar Wochen Schlagzeilen produziert, weil du angeblich Hakan Çalhanoğlu, damals noch Spieler beim HSV, aus der Stadt vertrieben hast. Perfekte Promo fürs neue Album, oder?

Milonair: Das habe ich nicht bewusst platziert, es hat sich aus einem Gespräch heraus ergeben. Viele Leute denken jetzt, dass ich mich an so einem kleinen Bundesligaspieler hochziehen möchte. Wie alt ist der? 16? Das habe ich nicht nötig. Zlatan Ibrahimović ist ein guter Freund von mir. Ich kann dir gerne ein paar Voicemails von ihm vorspielen.

Milonair spielt eine Voicemessage vor. Die Stimme klingt tatsächlich nach dem schwedischen Fußballspieler, der vergangene Saison für Paris St. Germain gespielt hat.

ZEIT ONLINE: Woher kennt ihr euch?

Milonair: Ein sehr guter Freund von mir ist zusammen mit Ibrahimović in Malmö aufgewachsen. Und dadurch kam der Kontakt vor ein paar Jahren zustande. Ich habe ihn auch ab und zu in Paris besucht.

ZEIT ONLINE: Dein neues Album erscheint wie das Vorgängeralbum Ausländer mit Geld bei dem Offenbacher Label Azzlack. Es gehört dem  Rapper Haftbefehl. Wie kommt es zu dieser Zusammenarbeit?

Milonair: Durch Haftbefehl habe ich überhaupt erst so richtig mit Rap angefangen. Ich war 2012 auf einem seiner Konzerte hier in Hamburg. Ein Freund, den ich im Knast kennengelernt habe, hat uns danach einander vorgestellt. Ich habe Haft aus Spaß ein paar Zeilen vorgerappt.

ZEIT ONLINE: Das hat aber noch nicht für einen Vertrag gereicht, oder?

Milonair: Nein. Ich habe ihn ein paar Tage später noch einmal auf einem Konzert in Hannover getroffen. Da meinte er zu mir: "Hör mal zu, was ich da in Hamburg von dir gehört habe, war zwar nicht viel, aber ich habe gemerkt, dass du aufm Takt bist. Ich plane, Rapper unter Vertrag zu nehmen. Schreib mal was." Also bin ich zu einem Kumpel ins Studio gefahren und habe meinen ersten Text geschrieben.

ZEIT ONLINE: Hattest Du das vorher wirklich noch nie gemacht?

Milonair: Überhaupt nicht. Naja, und dann habe ich eben dieses Halt-die-Fresse-Ding für YouTube aufgenommen und innerhalb kürzester Zeit hatte das eine Million Klicks. Zuerst dachte ich noch: Ok, das liegt wahrscheinlich an den ganzen Abonnenten, die der Kanal auf YouTube hat. Dann haben wir aber noch ein Thug-Life-Video aufgenommen und das hat auch so ungefähr eine Million Klicks geholt. Danach kam Aykut (Haftbefehls bürgerlicher Name, Anm. d. Red.) und meinte: "Ich nehme dich unter Vertrag."

ZEIT ONLINE: Du hast dann zusammen mit ihm einen Remix seines Tracks Chabos wissen wer der Babo ist aufgenommen. Das Video wurde bis heute auf YouTube knapp 14 Millionen Mal angeklickt. Ist es für dich schwierig, dass dein Erfolg dadurch immer noch stark mit Haftbefehl in Verbindung gebracht wird?

Milonair: Haft meinte damals schon zu mir: "Spiel mal eine eigene Tour." Das wollte ich aber gar nicht. Ich genieße es, mit ihm unterwegs zu sein. Man muss das ja immer mit sich selbst ausmachen, was man braucht, um glücklich zu sein. Nachdem wir darüber geredet haben, hat er dann darauf bestanden, dass ich in seiner Show zumindest als Special Guest auf die Bühne komme. Er wollte nicht, dass ich nur die Vorgruppe bin. Bis heute sagt er zu mir, dass ich eine eigene Tour spielen soll.

ZEIT ONLINE: Und?

Milonair: Ich habe mich jetzt für ne kleine Tour breitschlagen lassen. Aber nur unter der Bedingung, dass ich nur in Locations auftrete, die für nicht mehr als hundert Zuschauer ausgelegt sind. Ich war das komplette letzte Jahr mit Haft auf allen Festivals. Da haben wir teilweise vor 25.000 Menschen gespielt. Das sind einfach unglaubliche Erfahrungen. Allein könnte ich das aber nicht.

ZEIT ONLINE: Warum nicht?

Milonair: Ich kann mir einfach noch nicht vorstellen, dass so viele Leute kommen und Geld bezahlen, nur um mich zu sehen. Natürlich würde ich nicht Nein sagen, wenn eine Headlineranfrage auf dem Tisch läge. Aber soweit ist es noch nicht. Ich weiß sehr genau, welche Position ich in dieser Deutschrapszene einnehme.