Wenn Franz Wittenbrink ein Zeitphänomen in eine komödiantische Liederabendrevue packt, kann man sich einer Sache sicher sein: Es wird erstklassig performt. Auch im St. Pauli Theater trug das Ensemble bei der Premiere am Mittwochabend alles perfekt arrangiert und brillant vor, allen voran die furiose Susanne Jansen – im Stück die Gastgeberin eines Integrationsabends für Flüchtlinge. Diesmal geht es nämlich weder um Sekretärinnen, noch um Kreuzfahrten oder Elternglück oder andere leichtgewichtige Themen.

In der "Integrationsrevue" mit dem Titel "Willkommen. Ein deutscher Abend" hat sich Wittenbrink den Flüchtlingssommer und das Merkelsche "Wir schaffen das!" vorgeknöpft. Und hatte dabei ganz offensichtlich Schaum vor dem Mund. So viel Schaum, dass ihm das Unterhaltungsmetier, das er seit zwanzig Jahren mit seinen sprichwörtlich gewordenen "Wittenbrinkabenden" routiniert beherrscht, zum Propagandatool gerät.

Schon der Programmzettel wettert gegen das "Betroffenheitstheater", das "in Wirklichkeit nur das eigene Gutsein abfeiert" und angeblich "lange das Bild bestimmt" habe. "Wer Ängste offenbarte angesichts des Zustroms aus anderen Kulturen", beklagen sich Autor und St. Pauli-Theater-Intendant Ulrich Waller, "wurde verbal gnadenlos ins rechte Lager gedrängt".

"Geflüchtete!"

Theater gegen Gutmenschen und Betroffenheit, Theater für Menschen, die Überfremdung fürchten, aber nicht als rechts oder gar Nazis beschimpft werden wollen: Das ist der Job, den sich Wittenbrink vorgenommen hat. Und so sieht es dann auch auf der Bühne aus. Da ist die platinblonde Gastgeberin, eine naive Willkommenskulturtrulla, die am afrikanischen Flüchtling das imposante Geschlechtsteil schätzt ("Je größer das Elend, desto größer..."). Da ist die verkrampft-linkskorrekte Studentin (Victoria Fleer), die es "totalitär" findet, wenn man von Muslimen verlangt, Frauen die Hand zu geben und die ständig "Geflüchtete!" reinkräht, wenn jemand "Flüchtlinge" sagt ("das altmodisch schön klingende deutsche Wort", wie es im Programmzettel heißt).

Da ist der trottelige Pfarrer (George Meyer-Goll), der die Flüchtlinge dafür lobt, dass sie nicht lesen und schreiben können. "Das ist gut so. Eure Moscheen sind voll, unsere Kirchen sind leer", sagt er. "Wozu Messer und Gabel? Wozu Klopapier?", fragt er und resümiert: "Von euch können wir lernen, zu Frömmigkeit und Bescheidenheit zurückzukehren." Da sind die drei Burkaladys, die zu orientalisierter Musik "Mir ist heiß" hauchen.

Und wenn schon die Afrikaner große Schwänze haben und Muslime ungebildet, dreckig und geil sind – warum dann nicht auch noch Lieder aus grauer Vorzeit hervorholen, als man noch fröhlich von "Niggern" singen durfte? "Jazz Band Lieder singt er so gut / denn er hat viel Rhythmus im Blut", heißt es im "Lied vom Nigger Jim", der sich nichts so sehr wünscht, wie eine weiße Haut, aber: "Seine Färbung war ja Vererbung."