Im Kampf gegen die Political Correctness macht Wittenbrink irgendwann auch Schluss mit lustig und schickt eine Kiezpolizistin auf die Bühne, die mit echtem Zorn gegen kriminelle jugendliche Nordafrikaner wettert und gegen Antirassismusseminare, die empfehlen, muslimische Haushalte nur mit Socken zu betreten. Am Ende reimt sich "Wir schaffen das!" auf "Schafe" und das Ensemble blökt: "Mäh!"

"Humor und Satire gehören unverzichtbar zu den Werten, für die unsere Gesellschaft steht", schreiben Wittenbrink und Waller im Programmzettel und berufen sich auf Charlie Hebdo. Tatsächlich funktioniert die "Integrationsrevue" wie jener Charlie-Hebdo-Cartoon, der sich auf das berühmte Foto vom ertrunkenen dreijährigen Syrer Alan bezieht: Man sieht den erwachsenen Jungen, der mit Grapschhänden Frauen jagt. "Was wäre wohl aus dem kleinen Alan geworden, wenn er groß geworden wäre?", fragt das Cartoon. Sprich: Wenn die Diagnose lautet, dass betroffenheitsselige Gutmenschen Politik und Kultur beherrschen, dann darf man sich frei, mutig und oppositionell fühlen, wenn man rassistische Späße macht.

Dem Wahnkonstrukt vom Gutmenschendeutschland, das von Dresden bis Heidenau besorgte Bürger antreibt, verfällt auch Wittenbrinks Liederabend mit Haut und Haaren. Kurz: Wittenbrink traut sich etwas – Hamburg hat sein erstes Musical für AfD-Anhänger.