Im Gegenteil. Zwar statteten Genregrößen wie Queens of the Stone Age oder Shellac dem Laden schon lange vor ihrem Durchbruch eindrückliche Besuche ab. Und als Jungle im allgemeinen Sprachgebrauch noch eher für verregneten Urwald und nicht für eine besonders hitzige Spielart der Breakbeats stand, wurde im Marquee bereits regelmäßig dazu gezappelt.

Mehr noch aber atmeten gestandene Stadionrocker, die sich kurz hinter dem Zenit ihrer Weltkarrieren befanden, noch mal geschnittene Clubluft im Marquee. Die Stoner-Stars Kyuss etwa, die um dem Massenandrang gerecht zu werden, ein paar Boxen vor die Tür stellten.

Da hingen immer so Langhaarige rum und ham gekifft
Gäste der Kneipe Nordlicht

Mitte der längst grungemüden Neunziger dann machte besonders der heutige Hafenklang-Kopf Thomas Lengefeld das Marquee als Booker zur deutschen Herzkammer von allem, was Krach machte. Integrity, Turmoil, Turbonegro – es schepperte gehörig in den vier lückenlos vollgeschmierten Wänden. Besinnlich wurde es nur, wenn die linksalternativen Glaubensbrüder der Jesus Freaks ihre gottesfürchtigen Rockmessen abhielten.

Bis, ja bis Ende der Neunziger die Abrissbirne kam. Denn dort, wo ein Flachbau ein Jahrzehnt lang Hamburgs Independent-Szene prägte, wie sonst allenfalls das Grünspan oder das Molotow, steht nun ein Wohnungsblock im ortsüblichen Schuhkartondesign. Das Nordlicht-Publikum gegenüber kann sich schon gar nicht mehr ans Marquee erinnern. "Da hingen immer so Langhaarige rum und ham gekifft", kriegt man dort nur zu hören.

Anmerkung der Redaktion: Am Anfang dieses Textes stand ursprünglich, dass sich das Marquee in der Ferdinandstraße befand. Tatsächlich war es die Friedrichstraße. Wir haben diesen Fehler korrigiert und bitten um Entschuldigung.