Hafenflächen als neue Spielstätten

Was kaum einer weiß: Im Kernland des Hamburger Hafens gibt es Brachflächen. Der Tschechen-Hafen verfällt seit vielen Jahren ungenutzt. Bald soll das Überseezentrum geschlossen werden. Auch andere Teile des Hafens verlieren an wirtschaftlicher Relevanz. Hier entstehen Freiflächen in der Nähe der Innenstadt, am Wasser und ohne Nachbarn, die sich über Lärm beklagen könnten: für die Kultur eine historische Chance.

Mehr Mode

Hamburg war mal die Nummer eins der deutschen Modestädte. Ohne das Design von Jil Sander wäre die Emanzipation der modernen berufstätigen Frau in den neunziger Jahren sehr viel weniger elegant ausgefallen. Auch Karl Lagerfeld und Wolfgang Joop kommen von hier. Lange her. Heute halten Iris von Arnim (hochwertige, aber ästhetisch biedere Strickmode) und Herr von Eden (Savile-Row-Verschnitt für den Dandy mit kleinem Geldbeutel) die Stellung. Da geht sicher noch mehr. Eine Messe zum Beispiel im Stil der Berliner Modenschau Bread & Butter oder der Fashion Week. Die Infrastruktur gibt es (Rolltreppe der Elbphilharmonie als Catwalk!), den Nachwuchs (exzellente Studenten an der Armgartstraße) und das Geld ebenfalls.

Weitere Thesen zur Kultur in Hamburg finden Sie im Hamburg-Teil der ZEIT NR. 2 vom 5. Januar 2017. Sie finden diese Seiten jede Woche auch in der digitalen ZEIT.

Kulturtaxe exklusiv für die Kultur

Die im vergangenen Jahr verstorbene Kultursenatorin Barbara Kisseler war kreativ, wenn es um die Finanzierung von Kunst ging. Was sie geschafft hat: eine "Kultur- und Tourismustaxe" einzuführen, mit der seit 2013 eine Steuer für Übernachtungen erhoben wird. Was Kisseler jedoch nicht geschafft hat: ihren Senatskollegen auszureden, dass mit dem Geld auch Tourismuswerbung und Sportmarketing bezahlt werden müssen. Zum Beispiel 220.000 Euro für Kreuzfahrt-Marketing. Äh, wie bitte? Die Kulturtaxe muss zu 100 Prozent in die Kultur gehen!

Rettung der modernen Architektur

Auch wenn das Denkmalschutzgesetz unter Olaf Scholz verschärft wurde: Im sozialdemokratisch regierten Hamburg ist die geschichtliche Bedeutung eines Gebäudes bloß ein lästiges Hindernis für Verkauf, Umbau oder Abriss. Klar, auch Sozis werden mal sentimental – wenn ein Gebäude Erker, Türmchen oder Säulen hat. Für die architektonische Moderne allerdings gilt: Kann weg. Der City-Hof, die Industriedenkmäler auf der Peute und diverse denkmalgeschützte Schulen aus den fünfziger Jahren: Schandflecke! Hässlich! Abreißen! Da kann ein bisschen Fundamentalismus nicht schaden, wenn es um die Rettung historischer Architektur geht.

Bessere Verbindung Berlin–Hamburg

Freitagabends fährt der letzte ICE von Hamburg nach Berlin um 21.51 Uhr am Hauptbahnhof ab. In die Gegenrichtung sieht es nicht viel besser aus. Danach passiert stundenlang nichts. Warum fährt der ICE am Wochenende nicht wenigstens einmal in der Nacht? Dann könnten auch Berliner (und in Berlin lebende Kulturschaffende und Journalisten) zu den Premieren ins Schauspielhaus, zu Konzerten in die Elbphilharmonie oder ins Musical gehen. Und Hamburger könnten zum Feiern an die Spree, anschließend auf den Fischmarkt und ins Bett. Beide Städte würden profitieren, vor allem aber die Hamburger Kulturinstitutionen. Denn mal ehrlich: Hamburg wird als Kulturstandort den übermächtigen Nachbarn nicht mehr in die Knie zwingen. Wen man nicht besiegen kann, mit dem muss man sich verbünden – und ihn zum Bestandteil der eigenen Metropolregion machen.