An diesem Lächeln muss man erst mal vorbei. Einmal in den Raum geworfen, breitet es sich aus wie ein Kaminfeuer oder die Froststufe der Klimaanlage, ganz nach Stimmung. Im Café unter den Linden, wo das Schanzenviertel noch sachte dampft, aber nicht mehr wild brodelt, lächelt Anna Bederke eher im mittleren Bereich, weder heiß noch kalt, sondern wohlig warm. Ein Glück. In den zwei Filmen, um die es beim Gespräch unweit ihrer Wohnung geht, zieht die gebürtige Hamburgerin schließlich alle emotionalen Register.

Der erste ist bereits im Mai gelaufen. Er hieß Die Braut und war Teil vier einer erfolgreichen, aber konventionellen ZDF-Reihe namens Die Toten vom Bodensee. Ein bisschen Femme fatale, ein bisschen Unschuld vom Lande, gepaart mit einer Prise Melodramatik – so war Anna Bederke in ihren acht Filmjahren schon öfter zu sehen.

Moment – Melodramatik? Da hat Anna Bederke etwas einzuwenden. "Die ist mir als roter Faden noch nicht aufgefallen", sagt sie und lächelt jetzt doch eher kühl. "Eigentlich spiele ich von der alleinerziehenden Mutter bis zur Nazi-Polizistin sehr verschiedene Rollen", behauptet sie. Sie fände vielmehr, dass Die Braut einen Inhalt behandele, mit dem sie sich noch häufiger beschäftigen könne. Ihre Mühe, der faden Krimisoße Aroma beizufügen, ist jedoch zum Scheitern verurteilt.

Freie Sicht aufs Heute durch einen Schritt ins Gestern

Ganz anders sieht es bei Sommerfest, ihrem aktuellen Werk, aus. Große Leinwand mit großer Linse, zu sehen ab dem 29. Juni. Deutschlands Großgefühlslagenregisseur Sönke Wortmann hat sie als weibliche Hauptfigur besetzt, an der Seite ihres Kollegen Lucas Gregorowicz. Gregorowicz spielt den Schauspieler Stefan, der von der Bühne des Münchner Residenztheaters nach Bochum heimgerufen wird, wo sein Vater gestorben ist. Wieder mal eine Story vom verlorenen Sohn, dem erst der unfreiwillige Schritt ins Gestern die freie Sicht aufs Heute ermöglicht. Seit Jahrzehnten ein beliebtes Sujet. Und Wortmann erzählt es so, dass man sich an das Lauflicht auf der Kommandobrücke vom Raumschiff Enterprise erinnert fühlt: Goes nowhere, means nothing.

Ohne echte Metaebene klettert das heitere Drama durch ein lichtes Netz aus Ruhrpott-Nostalgie und Metropolen-Müdigkeit. In dem Film, der auf einem Roman von Frank Goosen basiert, geht es weniger um Philosophie als den Alltag eines Rückkehrers, der zwischen Sehnsucht und Realität hin- und hergeworfen wird, hin- und hergeworfen auch von all den sonderbar unveränderten Protagonisten seiner Jugend. Zum Beispiel Charlotte, genannt Charly, Stefans erste große Liebe. Anna Bederke. Glaubt man sofort.

Womit wir bei ihrem Lächeln sind und der Melodramatik darin, die ja eher aufsässige Melancholie ist. Denn wenn Anna Bederke nur mit dem Mund lächelt, was sie oft tut, wirkt es bitter, manchmal gar zynisch. Wenn sie nur mit den Augen lächelt, wirkt es traurig, nicht selten hilflos. Wenn sie aber mit dem ganzen Gesicht lächelt, ist ihrer Anziehungskraft kaum zu entrinnen. Dann zappelt das Publikum im Netz jener Aura, die ein gewisser Fatih Akin bereits erkannte, als sie noch Regiestudentin an der Hamburger Kunsthochschule HFBK war und nebenbei in der Kneipe jobbte.