Viele Rechte, wenig Pflichten

Auch Hamburg darf jetzt ins World Wide Web: Am 27. August geht die neue Top-Level-Domain (TLD) .hamburg online. Unternehmen und Privatpersonen ist es künftig möglich, ihre Website statt auf eine der gängigen Endungen wie .de oder .com auf .hamburg enden zu lassen. Die Hamburger Top-Level-Domain ist eine von vielen neuen Endungen, die derzeit von der zuständigen internationalen Organisation Icann freigeschaltet werden. Neben anderen regionalen Kennungen – aus Deutschland sind zum Beispiel bereits .berlin und .ruhr verfügbar – sind auch Domain-Endungen wie .versicherung dabei.

Für Internetnutzer bedeutet das eine Umstellung, haben sich viele bislang doch kaum mit der jeweiligen Endung befasst und gewohnheitsgemäß das geläufige .de eingetippt. Zuletzt hat die Webadresse jedoch ohnehin an Bedeutung verloren. Seitenbetreiber bemerken, dass immer mehr Nutzer über Direktlinks in Social Networks oder über Suchmaschinen auf ihr Angebot kommen.

Gerade bei letztgenannten versprechen die Anbieter der neuen Top-Level-Domains Vorteile. So sei davon auszugehen, dass mit ihnen prominente Suchplatzierungen zu erzielen seien, insbesondere wenn nach lokalen Geschäften oder Dienstleistern gesucht wird.

Stadt Hamburg sichert sich Mitspracherecht

Betreiber der neuen Hamburg-Domainendung ist die Hamburg Top-Level-Domain GmbH, eine private Firma. Gegründet wurde das Unternehmen bereits 2007 vom Hamburger Rechtsanwalt Oliver Süme. Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern, die zum Teil auch in Unternehmen für andere TLD engagiert sind, ging es zunächst darum, sich erfolgreich bei der Icann als Betreiber der neuen Endung zu bewerben. Zwingend notwendig dafür war ein sogenannter Letter of Support der Stadt Hamburg. Den gab es nicht ohne Zugeständnisse.

Dass die Stadt auf weitreichendes Mitspracherecht bestehen würde, sei Süme und seinen Kollegen bereits mit der Bekanntgabe der Ausschreibungsbedingungen klar gewesen, verrät der Rechtsanwalt. Die Verhandlungen jedoch waren ihm zufolge "fair und vom gemeinsamen Willen geprägt, .hamburg zu realisieren." Das Ergebnis dieser Verhandlungen kann inzwischen jedermann seit dieser Woche im Internet nachlesen. Die Senatskanzlei hat den abgeschlossenen Kooperationsvertrag offengelegt, nachdem dieser über das Hamburger Transparenzgesetz angefordert wurde. Im Vertrag verpflichten sich beide Seiten, die Domain "im Interesse des Standortes Hamburg und der Metropolregion Hamburg" zu betreiben.

Wie auch im Fall der Berliner Domain gibt es eine Blacklist mit Begriffen, die nicht registriert werden können. So soll verhindert werden, dass Kriminelle oder Extremisten die neue Endung missbrauchen. Zudem ließ sich Hamburg auf einer Whitelist eine Reihe von Adressen blockieren, die potenziell von ihr selbst genutzt werden können und andernfalls zu Verwechslungen mit entsprechenden öffentlichen Einrichtungen und ihrem bereits bestehenden Webangebot führen könnten. Gleichwohl: Ganz von den bereits etablierten .de-Adressen auf die neuen .hamburg-Adressen will die Stadt zumindest aktuell nicht umsteigen – auch das steht im Vertrag.

Domain bringt Einnahmen für die öffentliche Hand

Darin geregelt sind auch finanzielle Fragen. So wird die Stadt an den Einnahmen abhängig von der Menge der vergebenen Domains pro registrierter Adresse und pro Jahr mit drei bis sechs Euro beteiligt. Darüber hinaus erhält sie fünf Prozent der Erlöse aus der Vergabe von sogenannten Premium-Domains. Einmalig stellte Hamburg der GmbH zudem 50.000 Euro für die Kosten im Rahmen des Zustimmungsverfahrens in Rechnung, wovon die Hälfte durch die Bereitstellung der Domains der Whitelist beglichen wurde.

Das klingt zwar nicht nach großen Summen, aber es ist festzustellen, dass die Stadt sich klar dagegen abgesichert hat, ungeplant steigende Ausgaben zu haben. So wurde vereinbart: "Die Parteien sind sich einig, dass (…) eine finanzielle Beteiligung der FHH an jeglichen Kosten ausgeschlossen ist. (…) Die FHH leistet auch keine Zuschüsse, Bürgschaften, Verlustübernahmen oder sonstige Finanzierungs- oder Sicherheitsleistungen."

Neben dem Kooperationsvertrag hat sich die Stadt über den Gesellschaftervertrag der GmbH abgesichert, denn die Partner vereinbarten zudem, dass sich die Stadt als Gesellschafter an dem Unternehmen beteiligt. Dafür zahlte sie einen dreistelligen Euro-Betrag als Kapital ein, das sie nicht erhöhen muss. Dennoch können in der Firma keine wichtigen Entscheidungen ohne die Zustimmung der Stadt Hamburg getroffen werden, die zudem eine Kaufoption für die restlichen Gesellschafter-Anteile besitzt. Bleibt die Frage, wie groß das Interesse der Hamburger an "ihren" neuen Domains ist: Die Kollegen aus der Hauptstadt vermeldeten drei Monate nach Beginn der offenen Registrierungsphase im März rund 138.000 vergebene Adressen auf .berlin.