Wer in diesen Tagen mit der alten Bergziege fährt, wird auf eine neue Epoche vorbereitet. Bergziege, so nennen Anwohner den Bus, der täglich vom S-Bahnhof Blankenese an den Strandweg und über den Waseberg zurück zum Bahnhof fährt. 17 Prozent Steigung überwindet die Linie 48 dabei. Eine Aufgabe, die zukünftig nicht mehr durch einen Dieselmotor, sondern durch Elektrizität bewältigt wird. Allein durch Elektrizität — es handelt sich also nicht um eine Hybridversion, die einen herkömmlichen Motor mit einem elektrischen kombiniert.

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) haben an den Haltestellen Hinweisschilder angebracht, die vor Unregelmäßigkeiten am Morgen des 29. Oktober warnen: Dann ist Premierenfahrt des neuen Elektrobusses, des ersten in der Hansestadt. Ein erster, kleiner Schritt hin zum emissionsfreien öffentlichen Personennahverkehr. Das ambitionierte Ziel des Hamburger Senats: Bis 2020 sollen keine Fahrzeuge mehr unterwegs sein, die Abgase ausstoßen.

Die Gelegenheit, einer der ersten Fahrgäste des E-Busses zu sein, lässt sich Bürgermeister Olaf Scholz nicht nehmen. Ein Ereignis, das den regulären Fahrplan ein wenig außer Kraft setzen könnte. Alle Blankeneser seien dafür herzlich eingeladen, ihre neue elektrische Bergziege bei einer Tasse Kaffee oder Tee am Bahnhofsvorplatz zu besichtigen, heißt es auf den Hinweisschildern. Während in anderen Hamburger Stadtteilen gerade Anwohner gegen das Busbeschleunigungsprogramm protestieren, sind die Blankeneser eingeladen, sich mit einer neuen Technik vertraut zu machen.

"Ob ich mir beim Kaffee den E-Bus tatsächlich angucke, weiß ich noch nicht", sagt der am Strandweg lebende und dort zugestiegene Herr Schuldt. Er, Mitte sechzig, alter Segler, ist über den bevorstehenden E-Bus-Einsatz bestens informiert. Die Einladung sei eine nette Geste, aber allgemein halte er nichts von der momentanen Debatte um Emissionswerte. Viel zu aufgeblasen. "Die vorbeirauschenden Container-Ungetüme und Kreuzfahrer produzieren doch tausendmal mehr Dreck als unsere gute alte Bergziege", sagt er. 

Dass sich Hamburg für seinen ersten Elektrobus ausgerechnet die Linie 48 ausgesucht hat, ist wohl durchdacht. Es garantiert Aufmerksamkeit. Seit 55 Jahren schon gibt es die 48, eine der populärsten Linien in Hamburg. Und sie wird seither nicht nur von Senioren genutzt, die sich die 212 Treppenstufen hinauf zum Hessepark ersparen wollen: Da sie in vielen Reiseführern erwähnt wird, sehen die Fahrer sich auch als Touristenguides. Milanow Durko, seit zwanzig Jahren in Blankenese am Steuer, sagt: "Es ist normal, dass ich mehrmals am Tag gefragt werde: "Sind Sie die Bergziege?"