Etwa 150 Menschen versammelten sich vor dem Gebäude der ZEIT in Hamburg. Zu der Demonstration aufgerufen hatte der Bauernverband Schleswig-Holstein. Der Anlass des Protests ist eine Artikel-Serie in der ZEIT, die am 20. November begann. Unter dem Titel "Die Rache aus dem Stall" berichtete ein Reporter-Team über multiresistente Keime, gegen die Antibiotika nicht mehr wirken und die deshalb besonders gefährlich sind.

Diese Keime entstünden unter anderem durch die Massentierhaltung, heißt es in dem Bericht. Zum Beispiel, wenn in der Intensivmast von Hühnern und Schweinen Medikamente eingesetzt würden. In einem zweiten Artikel geht es um Veterinäre, die mit dem Verkauf von Antibiotika Geld verdienen. Darin kommen unter anderem Kritiker zu Wort, die den Tierärzten vorwerfen, für die Entstehung der resistenten Keime mitverantwortlich zu sein.

Sowohl Landwirte als auch Tierärzte fühlen sich dadurch zu Unrecht in ein schlechtes Licht gerückt. "Wir sind ungehalten und wütend darüber, dass wir von der ZEIT als Dealer bezeichnet werden", sagte Petra Sindern vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte während ihrer Kundgebung. Es sei richtig, dass resistente Keime ein großes Problem darstellen. "Aber es ist unerhört, dass uns dafür immer der Schwarze Peter zugeschoben wird." Tierärzte, die sich an Gesetze und Regeln halten, würden durch die Berichterstattung als kriminell hingestellt, so Sindern. Tatsächlich kämen die betreffenden Keime in der Humanmedizin viel häufiger vor. "Das Problem muss durch Hygiene in Arztpraxen und Krankenhäusern bekämpft werden."

Sindern nennt die Niederlande als Vorbild. Dort sei der Antibiotika-Einsatz in der Landwirtschaft vergleichbar mit dem in Deutschland, dennoch gebe es deutlich weniger Probleme mit Keimen wie MRSA – dank besserem Hygienemanagement in Klinken.

Auch die Landwirte beklagen, dass durch die Artikel ein falscher Eindruck entstünde. Von "Halbwahrheiten und Wahrheitsverdrehungen" spricht Werner Schwarz, der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes. In einem Papier haben die Landwirte ihre Sicht auf die Dinge zusammengestellt. Vor allem geht es ihnen darum, dass der Zusammenhang zwischen Fleischindustrie und resistenten Keimen nicht so stark sei, wie er in dem ZEIT-Artikel dargestellt werde. So sei die Wahrscheinlichkeit einer MRSA-Infektion durch den Verzehr von Fleisch "als sehr gering zu bewerten", die Keimbelastung auf Fleischprodukten sei "heute so gering wie nie".

Auch gebe es laut Studien keinen Zusammenhang zwischen der Anzahl von Tieren in einer Region und der Häufigkeit von MRSA-Keimen. "Wir erwarten, dass eine weitere Recherche der ZEIT erfolgt", sagt Bauernpräsident Schwarz. "Und ich erwarte, dass der Chefredakteur zu der Sache Stellung nimmt."

Die Vertreter der ZEIT, die Stellvertretenden Chefredakteure Sabine Rückert und Moritz Müller-Wirth, sowie Anne Kunze, Redakteurin im Investigativ-Ressort, nahmen das Papier und die Kritik am Freitag entgegen und gaben während der Demonstration ein kurzes Statement ab. Chefredaktion und Reporter werden sich in der kommenden Woche zu einem Gespräch mit den Landwirten treffen.