Es wird unermüdlich gebaut in Hamburg, egal, ob Infrastruktur, Wohnraum oder Gewerbe. Das liegt auch daran, dass Hamburg schon seit Längerem wieder wächst – ganze Stadtteile entstehen, wasser- und innenstadtnahe Gebiete werden erschlossen, die Stadt verdichtet zusehends. Auch die wohl längste Baustelle Norddeutschlands befindet sich in Hamburg, wenn ab Januar die A7 an fünf Abschnitten gleichzeitig verbreitert wird. Ganz zu schweigen von Langzeitprojekten wie der Elbphilharmonie oder der Busbeschleunigung. Wo Hamburg 2015 baut: ein Überblick.

Busse werden beschleunigt, Autos ausgebremst

Die Fahrgastzahlen steigen und immer mehr Hamburger und Gäste nutzen die MetroBusse. Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hätte allen Grund zur Freunde – wenn da nicht die alte Verkehrsplanung in der Hansestadt wäre. Beim Ausbau der vielgefragten Linien, beispielsweise der Nummer 5, die unter anderem an Rathausmarkt, Jungfernstieg und Universitätscampus vorbeifährt, setzen Senat und HVV deswegen auf die ganz große Lösung: Mit dem Projekt Busbeschleunigung werden Haltestellen erhöht, Kreuzungen umgebaut, weitere Sonderspuren eingerichtet und Ampeln so umgeschaltet, dass Busse konsequent Vorfahrt haben. Der öffentliche Nahverkehr werde so "leistungsfähiger und komfortabler", verspricht der HVV. "Das bedeutet: dichtere Takte, größeres Platzangebot für die Fahrgäste, verbesserte Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit."

Für Freude sorgten diese Pläne im vergangenen Jahr aber längst nicht bei jedem Hamburger. Vor allem Berufspendler, die auf das Auto setzen, Taxifahrer, Kurierdienste und auch mancher Anwohner klagt über die zahlreichen Staus, die von den Busbeschleunigungs-Baustellen verursacht werden. 2015 geht das Projekt munter weiter. Bis Ende April kommt es etwa an der Feldstraße, einer der Verbindungsachsen im Westen, zu starken Verkehrsbehinderungen. Für jede Richtung steht nur noch ein Fahrstreifen zur Verfügung – nicht nur bei Heimspielen des FC St. Pauli im Millerntor-Stadion dürfte die Staugefahr drastisch ansteigen. Wer genau wissen will, wo gerade am Busnetz gearbeitet wird, schaut am besten auf die Liste der momentan laufenden Baumaßnahmen.

Der Hamburger Deckel

Kurz nach dem Silvesterfeuerwerk beginnt in Hamburg die Arbeit auf der wohl längsten Baustelle Norddeutschlands. Ab Januar 2015 wird die Autobahn 7 an fünf Abschnitten gleichzeitig verbreitert: Am Bordesholmer Dreieck (Bauabschnitt 1: Kilometer 85 bis 95), südlich der Anschlussstelle (AS) Großenaspe (Bauabschnitt 3: Kilometer 102 bis 112), im Bereich der AS Henstedt-Ulzburg (Bauabschnitt 5A: Kilometer 122 bis 132) und im südlichsten Teilstück rund um die AS Schnelsen-Nord (Bauabschnitte 5B und 7: Kilometer 141 bis 149). 

In Schnelsen wird zudem begonnen, einen langen Tunnel zu bauen. In ganz Deutschland machte das ehrgeizige Projekt als der "Hamburger Deckel" bereits Schlagzeilen: Der gigantische Deckel soll den Autobahnlärm dämpfen und den Westen Hamburgs grüner machen. Denn auf dessen Dach werden Kleingärten angesiedelt. Außerdem sollen die Stadtteile in den Bezirken Altona und Eimsbüttel wieder zusammenwachsen, die seit den 1970er Jahren durch die A7 voneinander getrennt wurden. 

Von einer "Stadtreparatur" spricht der Senat. Wegen der hohen Kosten bleibt das Projekt aber in Hamburg umstritten. Der Bund weigert sich, die Mehrkosten für eine Verlängerung der "Lärmhauben" zu übernehmen. Gebaut wird deswegen der Deckel zunächst nur in Schnelsen und Stellingen.

Hamburgs berüchtigtste Baustelle

Die bekannteste Baustelle Hamburgs, vielleicht sogar – neben dem Pannen-Flughafen in Berlin – die berüchtigtste in Deutschland, wird auch 2015 nicht fertigt. Das lässt sich mit Sicherheit sagen. Ob der seit Jahren immer weiter verschobene Termin für das Eröffnungskonzert in der Elbphilharmonie eingehalten werden kann, das bleibt hingegen fraglich. Eine Abnahme des gesamten Gebäudes sei zum 31.10.2016 garantiert, heißt es bei den Projektverantwortlichen. Gerade wurde verkündet, offizielle Eröffnung sei am 12. Januar 2017. 

Mit der Endlosbaustelle wird vor allem ein historischer Kostenanstieg verbunden: von zunächst einmal veranschlagten 77 auf 789 Millionen Euro. Auch die Verzögerungen von vermutlich mehr als sieben Jahren gehört auf die Listen der Negativrekorde. Ein Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft beschäftigte sich bereits mit dem Baudesaster. Im 800 Seiten starken Bericht finden sich zahlreiche Pannen. Ob die innovative Architektur die Hamburger mit der Elbphilharmonie versöhnen kann? Deren Befürworter betonen immer wieder, dass Hamburg 2017 eines der spektakulärsten Konzerthäuser der Welt erhalten werde – aber eben sicherlich auch eines der teuersten.

HafenCity – der Ausbau geht weiter

Auf dem Grasbrook wurde einst der Piratenanführer Störtebeker enthauptet – so will es die Sage. Heute steht ein Denkmal für den Seeräuber, dem alten Feind der hanseatischen Seefahrt, in der HafenCity. Dort setzt sich, mehr als 610 Jahre nach der Hinrichtung Störtebekers, das derzeit größte innerstädtische Stadtentwicklungsprojekt Europas fort. Auf dem Grasbrook wird das Baufeld 33 erschlossen, das letzte noch unbebaute Grundstück im Quartier. Ein riesiges Gebäude mit "einer bemerkenswerten Nutzungsvielfalt" und 14.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche ist dort geplant, teilt die Stadt mit. 150 Ateliers, Räume für Studentenwohngemeinschaften, Mietappartements und Eigentumswohnungen werden gebaut. Außerdem entstehen eine Kindertagesstätte, ein Biorestaurant und Geschäfte.

Zwischen Speichern und Anlegern

Teuer, teurer, am teuersten – erneut entstehen zahlreiche Luxuswohnungen in der Hansestadt – das Überseequartier in der HafenCity geht dem Bauabschluss entgegen. "Hamburgs Innenstadt wächst bis an die Elbe", werben die Macher. Die HafenCity wird mit dem Ausbau des Überseequartiers noch größer. Das neue Stadtviertel weist 286.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche in 16 Gebäuden auf. Laut Werbung sollen Wohnen, Arbeiten, Handel und Gastronomie gleichberechtigt sein. "Mit seiner Vielfalt und Dichte entsteht mit dem Überseequartier das Herz der HafenCity." 2015 sollen hier vorerst die letzten Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die U4, eine extra für die HafenCity gebaute U-Bahn-Linie, erreicht bereits die Station Überseequartier. 1.000 Menschen sollen dort leben und 7.000 arbeiten. 

Das von den Machern versprochene "aufregende, neue urbane Zentrum" wurde mit dem Überseequartier aber nicht geschaffen. Das selbst ernannte Herz der HafenCity lockt vor allem neugierige Touristen und Gäste der Kreuzfahrtschiffe, die in der Nähe festmachen. Dennoch ist momentan ein weiterer Ausbau des Viertels bis 2021 geplant. Darauf haben sich Senat und der Immobiliengigant Unibail-Rodamco jüngst geeinigt. CDU und FDP sehen eine Gefahr für die Innenstadt, wenn weitere Tausende Quadratmeter Gewerbefläche in der HafenCity entstehen.