Hamburgs CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich hat mit 16 Prozent das schlechteste Wahlergebnis der CDU in Hamburg jemals erzielt. Der offensichtlichste Grund dafür: die Popularität seines Konkurrenten von der SPD, Amtsinhaber Olaf Scholz. Wersich ist es nicht gelungen, sich ihm gegenüber klar zu profilieren. Sie sind sich politisch zu ähnlich, beide sind weitgehend ideologiefrei, liberal und wirtschaftsfreundlich. Scholz ist in seiner Partei kein Linker, Wersich in der CDU kein Rechter.

Von einer Wechselstimmung war daher den gesamten Wahlkampf über nichts zu spüren, das Ergebnis bestätigt dies. Ein wirkliches Aufregerthema gab es nicht – über die SPD-Pläne zur Busbeschleunigung ging es nicht hinaus, für einen Wahlkampf eher lächerlich. Von einem alten politischen Reizfeld, das Rechte regelmäßig bedienen, ließ Wersich im eher liberalen Hamburg gleich ab: Ausländer und Flüchtlinge. Einzig die AfD ist auf diesen Zug aufgesprungen.

Um das katastrophale Wahlergebnis der CDU zu verstehen, lohnt auch ein Blick auf die gesamte Hamburger Parteienlandschaft. In der Mitte – dem politischen Mainstream der Stadt – tummeln sich gleich vier Parteien: Grüne, SPD, CDU und FDP. Aus den Rändern der politischen Mitte herausgelöst hat die etatistische Linkspartei schon seit Längerem Gewerkschaftler, die vor allem von der SPD frustriert sind. Auf der anderen Seite des Politspektrums hat die AfD in rechtsliberalen und konservativen Milieus gewildert und Wählerstimmen aus der politischen Mitte abgezogen.

Wersich blieb in der Wahlkampagne konturlos

Der Hamburger Polit-Mainstream ist also extrem umkämpftes Terrain. Da sein Milieu vor allem linksliberal geprägt ist, wäre hier ein CDU-Spitzenkandidat vom Schlage eines Volker Bouffier chancenlos. Ein Typ wie der hessische CDU-Ministerpräsident passt nicht nach Hamburg. Das hat sich bereits am Kurzzeitbürgermeister Christoph Ahlhaus gezeigt. Der CDU-Mann ist nicht nur an Pleiten wie der Elbphilharmonie gescheitert, sondern auch an einem zu konservativen Image.

Spitzenkandidat Dietrich Wersich dagegen hat dieses Image nicht, er gilt in seiner Partei als Liberaler und ist politisch eben mehr in der Richtung von Scholz zu verorten. Wersich will die CDU als "moderne und weltoffene Großstadtpartei" im liberalen Hamburg verankern. Ein Schritt, der unter Ole von Beust bereits begonnen wurde. Um ihn fortzusetzen, müsste die CDU allerdings andere Wahlkampagnen fahren. 2015 zumindest hat sie ihren Spitzenkandidaten unterverkauft.

Wersich hat als Politiker einen guten Ruf, er gilt als erfahren, ist redegewandt und hat Manieren. In seiner Wahlkampagne blieb er trotzdem konturlos. Allgemeinmediziner, Theatermanager, Staatsrat, Senator: Sein Berufsweg ist interessant und für einen Politiker nicht unbedingt typisch, sowas kommt in Hamburg eigentlich an. Seine Parteistrategen präsentierten ihn im Wahlkampf aber eher hausbacken, was missglückt wirkte. Egal also, mit wem die Hamburger CDU an der Spitze zukünftig weitermacht – ihre Kampagnen zumindest sollten spätestens 2020 besser werden.