Die Konsequenzen aus dem Wahldebakel der Hamburger CDU bei der Bürgerschaftswahl stehen am Donnerstagabend (19.00 Uhr) im Mittelpunkt des Landesparteitags. Eigentlich wollten die 200 Delegierten mit dem Landesvorsitzenden und dem Fraktionschef über die Zukunft des Landesverbands diskutieren. Jetzt ist die Partei bereits mitten im Umbruch: Der Vorsitzende Marcus Weinberg ist nach der Wahlniederlage am Mittwoch zurückgetreten. Und der Spitzenkandidat und Fraktionschef Dietrich Wersich betonte, er erhebe keinen Anspruch auf seinen bisherigen Posten.

Bei der Wahl am Sonntag war die CDU um sechs Punkte auf 15,9 Prozent abgesackt. Es war das bislang schlechteste Ergebnis der Hamburger Christdemokraten. Weinberg war seit 2011 im Amt. Er schlug jetzt eine Mitgliederbefragung vor, um einen Nachfolger zu ermitteln.

Auf die Frage, ob nicht Wersich jetzt auch zurücktreten müsse, sagte Weinberg im NDR-Fernsehen, er habe für sich eine ganz persönliche Entscheidung getroffen. "Was Dietrich Wersich macht, ist seine Entscheidung."

"Wahrscheinlich zu brav und zu hanseatisch"

Wersich selbst will sein politisches Schicksal in die Hände der Fraktion legen. Er hatte bereits angekündigt, dass er sein Mandat auf jeden Fall annehmen werde, aber keinen Anspruch auf irgendein Amt, auch nicht das des Fraktionsvorsitzenden, stellen werde. Dass er der falsche Spitzenkandidat gewesen sein könnte, wies er zurück. "Ich hätte sagen können, dieser Auftrag ist aussichtslos, ich bleibe in der Deckung und lasse jemand anderen verlieren." Das habe er nicht getan. "Stattdessen habe ich zusammen mit vielen Mitstreitern leidenschaftlich gekämpft, bis zum letzten Tag."

Der 50-Jährige räumte ein, dass er im Wahlkampf "wahrscheinlich zu brav und zu hanseatisch" gewesen sei, um gegen Olaf Scholz (SPD) anzukommen. "Es ist uns und mir nicht gelungen, den entscheidenden Hebel gegen einen sehr anerkannten Bürgermeister zu finden." Eine Ursache sieht Wersich in den Nachwehen der 2010/2011 gescheiterten schwarz-grünen Koalition. "Es wird harte und kontinuierliche Arbeit und leider viel länger dauern, als viele gehofft haben, um als CDU das Vertrauen zu bekommen." Außerdem habe innerhalb der CDU anders als bei der SPD die Mobilisierung und Geschlossenheit gefehlt.

Wersich kritisierte das bislang von der CDU immer wieder betonte Label einer modernen Großstadtpartei. "Damit kann ich wenig anfangen." Er nehme kaum Unterschiede in der Union zwischen Land und Stadt wahr, und "inwieweit man das Lebensgefühl einer Stadt reflektiert, ist aus meiner Sicht mehr eine Stil- und weniger eine Themenfrage". Es gehe auch nicht um liberal oder konservativ. Es gehe darum, beides stark abzubilden. "Wir müssen immer starke Köpfe haben, die das konservative Profil deutlich machen."

Einzelne CDU-Bürgerschaftsabgeordnete hatten personelle Konsequenzen gefordert. Wersich müsse einsehen, dass es so nicht bleiben könne, sagte sein Fraktionskollege Joachim Lenders im Fernsehsender Hamburg 1. "Ich glaube einfach, geschuldet dem Wahlergebnis, dass Dietrich Wersich irgendwann auch zu der Einsicht und Erkenntnis gelangt, dass es ein 'Weiter so' nicht geben kann."

Im NDR-Fernsehen sagte Weinberg: "Ich stelle das Amt des Landesvorsitzenden zur Verfügung, um die Partei schnellstmöglich wieder zu beruhigen und um eine sachliche Aufarbeitung zu gewährleisten." Im Hamburger Abendblatt räumte er ein, in den vergangenen vier Jahren sei es der CDU hier nicht gelungen, "das konservative Lager für uns zu gewinnen".