Die über 60-Jährigen halten der CDU die Treue; dieses Klischee war jahrzehntelang richtig – bis heute. Während alle anderen Parteien in dieser Altersgruppe Zuwächse verzeichnen konnten, verlor die Union verglichen mit der letzten Wahl 2011 gleich 10 Prozentpunkte. In keiner anderen Altersgruppe war der Rückgang so dramatisch.  

Zudem zeigt sich, dass der Erfolg der FDP auf Kosten der Christdemokraten ging. So machten 9.000 Wähler, die bei der letzten Wahl noch für die Union gestimmt hatten, ihr Kreuzchen diesmal bei der Truppe um Spitzenkandidatin Katja Suding, wie unsere Grafik zeigt, die auf Daten der ARD und des Umfrageinstituts Infratest Dimap basiert. Das ist eine besondere Pointe der Abstimmung, schließlich hatten zahlreiche CDU-Spitzenkräfte noch am Wahlabend das gute Abschneiden der Freidemokraten beklatscht. 

Die Sozialdemokraten um ihren Spitzenkandidaten Olaf Scholz haben die Wahl zwar unangefochten gewonnen, allerdings mussten auch sie Stimmen abgeben. Besonders groß sind die Verluste bei Frauen im Alter von 16 bis 24 Jahren, hier verlor die SPD 6 Prozentpunkte. Noch schmerzlicher für die Sozialdemokraten sind aber eine Einbuße bei einer Berufsgruppe. Während sie bei den Rentnern und Selbständigen fünf bzw. zwei Prozentpunkte zulegen konnten, verloren sie ausgerechnet bei ihrem Stammklientel am stärksten: den Arbeitern. Der Wert liegt sechs Prozentpunkte niedriger als bei der letzten Wahl. Insgesamt verlor die SPD rund 27.000 Wähler, den Großteil davon an die Gruppe der Nichtwähler, wie unsere Grafik zeigt.

Die FDP erscheint neben den Sozialdemokraten als einer der Sieger der Bürgerschaftswahl, weil viele die Partei schon für tot gehalten hatten. Tatsächlich konnten die Liberalen nicht nur ihr prozentuales Ergebnis verbessern, sondern haben auch mehr Stimmen als bei der letzten Wahl bekommen.  Zwar verlor die Partei rund 5.000 Stimmen, die vor allem an die AfD gingen, sie konnte aber auch rund 11.000 Stimmen gewinnen. In der Summe bleibt also ein Gewinn. Auffällig ist, dass es unter FDP-Wählern doppelt so viele gibt, die mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden sind, wie die, die unzufrieden sind. Ansonsten konnte Spitzenkandidatin Suding über fast alle Alters-, Berufs- und Bildungsgruppen kleine Zuwächse erzielen.

Die Alternative für Deutschland (AfD) trat bei der Bürgerschaftswahl zum ersten Mal an – und konnte gleich die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Nur der kleinste Teil ihrer Wähler kommt von Linken und Grünen, tatsächlich kommen ihre Stimmen von der CDU, den Nichtwählern und der SPD. Das zeigt die Infografik. Auffällig ist, dass es unter ihren Wählern mehr gibt, die mit ihrer eigenen wirtschaftlichen Lage unzufrieden sind, als Zufriedene. 

Die Linkspartei kann sich zumindest als ein Sieger der Wahl fühlen, weil sie Stimmen gewinnen konnte. Die kommen vor allem von der SPD, wie unsere Grafik zeigt. Bei den Berufsgruppen erzielt die Partei die meisten Kreuzchen bei den Arbeitslosen. Unterscheidet man die Geschlechter separat nach Altersgruppen, ist der Wert mit 13 Prozentpunkten bei Frauen von 16 bis 24 Jahren am größten.

Die Grünen weisen über Altersgruppen, Bildungsschichten und Berufsgruppen hinweg ein durchwachsenes Bild auf. Mal verlieren sie ein paar Prozent, mal gewinnen sie ein paar Prozent, häufig stagnieren die Werte. Auffällig ist nur, dass die Partei um sechs Prozentpunkte bei den Beamten wachsen konnten. Im Gegensatz zu anderen Parteien ist das Verhältnis von Unzufriedenen und Zufriedenen ausgeglichen. Wie in unserer Grafik dargestellt ist, müssen aber ausgerechnet die Grünen auch Stimmen an die Alternative für Deutschland abgeben.