ZEIT ONLINE: Herr Heißner, Sie sind mit 26 zum ersten Mal in die Hamburgische Bürgerschaft eingezogen. Wie sind die ersten Tage als Abgeordneter gelaufen?

Philipp Heißner: Ich bin mir schon ein wenig klein vorgekommen. Der Sitzungssaal im Rathaus ist mit seinen holzvertäfelten Wänden und den Wandteppichen sehr respekteinflößend. Und als ich ihn am ersten Sitzungstag betreten habe, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst: Jetzt spreche ich nicht mehr nur für mich, sondern auch für die vielen Menschen, die mich gewählt haben.

ZEIT ONLINE: Als Sie noch Bezirkspolitiker in Eimsbüttel waren, haben Sie gesagt, diese Aufgabe reize Sie, weil man so schnell konkrete Ergebnisse sehen könne. Warum sind Sie dann in die Landespolitik gegangen?

Heißner: Naja, ich hoffe, dass sich auch hier das eine oder andere schnelle Ergebnis erzielen lässt. Landespolitische Themen sind natürlich schon aufgrund ihrer größeren Reichweite sehr spannend. Aber Sie haben natürlich Recht: Je größer das Rad, desto langsamer dreht es sich.

ZEIT ONLINE: Sie stehen kurz vor Ihrem Referendariat als Jurist. Auch wenn die Bürgerschaft theoretisch ein Feierabendparlament ist: Glauben Sie, es klappt, beiden Aufgaben gleichzeitig nachzukommen?

Heißner: Das wird definitiv eine Herausforderung. Aber die anderen Abgeordneten sind ja auch fast alle berufstätig, viele auch in juristischen Berufen. Die sagen alle, dass das machbar ist. Aber: Ich finde, es ist ein generelles Problem, dass wir in Hamburg immer noch ein Feierabendparlament haben.

ZEIT ONLINE: Wie kommen Sie darauf?

Heißner: Es führt nicht unbedingt zu mehr Sorgfalt in der Mandatsarbeit, wenn man nebenbei noch einen anderen Vollzeitjob ausübt. Dadurch wird das Parlament gegenüber der Regierung geschwächt. Das ist letztlich auch eine Machtfrage.

ZEIT ONLINE: Mit 15,9 Prozent hat die CDU bei der vergangenen Wahl ihr drittschlechtestes Ergebnis aller Zeiten geholt. Hat Sie das überrascht?

Heißner: Ja, sehr. Wir kannten natürlich die Umfrageergebnisse. Durch die vielen Bürgergespräche während des Wahlkampfs hatte ich aber ein anderes Gefühl. 15,9 Prozent? Konnte ich mir nicht vorstellen. Ich hatte den Eindruck: Gerade bei klassischen CDU-Themen wie Innere Sicherheit und Wirtschaft trauen die Menschen unserer Partei nach wie vor am meisten zu.

ZEIT ONLINE: Wie ist aktuell die Stimmung in der CDU-Fraktion?

Heißner: Mittlerweile etwas besser. Allzu viel hat sich für unsere Fraktion ja nicht verändert: Wir bleiben zum Beispiel auch weiterhin die zweitgrößte Fraktion im Parlament.

ZEIT ONLINE: Naja, sie ist schon deutlich kleiner geworden.

Heißner: Klar, wir sind jetzt nur noch 20 CDU-Abgeordnete. Und davon ist mehr als die Hälfte neu im Parlament. Ich mache mir trotzdem keine Sorgen: Da sind andere Fraktionen schlechter aufgestellt.