ZEIT ONLINE: Herr Oetzel, Ihre Partei hat bei der vergangenen Bürgerschaftswahl 7,4 Prozent der Stimmen geholt. Strahlende FDP-Gesichter überall. Sie dagegen haben ziemlich unterschiedliche Gefühlslagen durchlebt. Was war da los?

Daniel Oetzel: Am Wahlabend selbst hat es für mich eigentlich noch ganz gut ausgesehen. Ich stand auf Platz neun der Landesliste und wir hatten neun Sitze geholt. Ich war also recht optimistisch. Allerdings wurden die Personenstimmen erst am Tag danach ausgezählt.

ZEIT ONLINE: Und dann ist Ihre Stimmung gekippt.

Oetzel: Das kann man so sagen. Mein Parteifreund Heico Fuhrmann stand auf Platz 31 der Landesliste, also ganz oben auf der zweiten Seite. Das hat vermutlich dazu geführt, dass er mich von einem eigentlich aussichtslosen Listenplatz aus noch überholt hat.

ZEIT ONLINE: Wie sehr hat Sie das geärgert?

Oetzel: Ich muss zugeben, das hat mich gewurmt. Auch weil ich wusste, dass Herr Fuhrmann es gar nicht darauf angelegt hatte, in die Bürgerschaft einzuziehen. Er ist beruflich momentan stark eingespannt. Er ist selbstständig und expandiert. Deswegen hat er auch gar keinen persönlichen Wahlkampf gemacht. Aber ich habe ihn trotzdem angerufen und gratuliert.

ZEIT ONLINE: Wie hat er reagiert?

Oetzel: Zu dem Zeitpunkt wusste er noch gar nicht, dass er es geschafft hatte. Er hat dann relativ bald gesagt: "Wie soll ich das denn schaffen?" Es war schnell klar, dass er das Mandat nicht annehmen würde. Ich bin dann für ihn nachgerückt und doch noch in die Bürgerschaft eingezogen.

ZEIT ONLINE: Dass das als FDP-Politiker möglich ist, haben noch wenige Monate vor der Wahl selbst Optimisten nicht für möglich gehalten. Wie erklären Sie sich den Erfolg?

Oetzel: Ich glaube, es liegt vor allem daran, dass wir als FDP gemeinsam an einem Strang gezogen haben. Es ist uns gelungen, die innerparteilichen Streitereien beizulegen, die uns zwischenzeitlich viel Kraft und Sympathien gekostet haben. Und ganz wichtig: Wir haben im Laufe des Wahlkampfes den Respekt vor uns selbst zurückerlangt.

ZEIT ONLINE: Kritiker haben den Erfolg vor allem auf die Selbstinszenierung Ihrer Vorsitzenden Katja Suding zurückgeführt.

Oetzel: Natürlich stimmt es, unser Wahlkampf war sehr stark auf Katja Suding ausgerichtet. Aber sie war ja auch unsere Spitzenkandidatin. Und es hat bestimmt auch geholfen, dass sie eine intelligente und attraktive Frau ist. Das heißt aber nicht automatisch, dass wir einen inhaltsfreien Wahlkampf geführt haben. Im Gegenteil: Wir haben meiner Meinung nach mehr als alle anderen Parteien auf Inhalte gesetzt.

ZEIT ONLINE: Das haben viele anders wahrgenommen. Der Slogan "Unser Mann für Hamburg" und diese Geschichte in der Gala haben bei vielen für Verwunderung gesorgt.

Oetzel: Der Slogan hat seinen Zweck erfüllt: Das Plakat dazu ist nie in den Druck gegangen und hat trotzdem so viel Aufmerksamkeit erzeugt wie kein anderes. Die Leute haben wieder angefangen, sich mit uns zu beschäftigen. Bei der Gala-Geschichte haben sich alle auf dieses 3-Engel-für-Charlie-Foto mit Katja Suding eingeschossen. Nur zur Erinnerung: Es gab auch einen Artikel zu dem Bild.

ZEIT ONLINE: Sie sind 26 Jahre alt. Was hat Sie dazu bewogen, bereits in so jungen Jahren für die Bürgerschaft zu kandidieren.

Oetzel: Politik mache ich eigentlich schon, seit ich studiere. Ich saß lange Zeit im Studierendenparlament, war Referent und Vorsitzender im Allgemeinen Studierendenausschuss und studentisches Mitglied im Akademischen Senat. Mir macht die parlamentarische Arbeit einfach unglaublich viel Spaß. Deswegen war es natürlich sehr reizvoll, auch mal für das "große" Parlament zu kandidieren.