Wenn in Hamburg ein neuer Stadtteil gebaut wurde, lag er in der Vorstadt. Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Man baute auf der grünen Wiese, denn am Stadtrand gab es noch viel Platz. Bis in die Achtzigerjahre hinein war es so und endete oft in Hochhaussiedlungen aus phantasielosem Plattenbau. Trabantenstädte eben. Das macht es so spannend, dass in Altona jetzt ein komplett neuer Stadtteil hochgezogen wird, mitten in Hamburg und größer als man sich allgemein bewusst macht.       

Zusammen mit der Hafencity ist das sogenannte Projekt Mitte Altona ohnehin schon eines der zwei stadtplanerischen Vorzeigeprojekte Hamburgs. Es entsteht in rundherum besiedeltem Gebiet, insgesamt werden 3.600 Wohnungen in dem Areal zwischen Altonaer Bahnhof und Diebsteich gebaut. Doch schaut man einmal über die Grenzen des Bauprojektes Mitte Altona hinaus, wird deutlich, dass der Stadtteil eigentlich noch größer wird, dass sich neue Viertel nach Westen, Osten und Norden anschließen. 

Fährt man mit der S-Bahn von der Station Holstenstraße nach Altona kann man linker Hand gerade dem neuen Wohnviertel Mitte Altona beim Wachsen zusehen. Auf der ehemaligen Brachfläche zwischen Harkortstraße und den ICE-Gleisen entstehen zunächst 1.600 Wohnungen, davon 533 Sozialwohnungen.    

Zwei Viertel wachsen zusammen – fast

Die Wohnblöcke werden von verschiedenen Firmen im sogenannten Drittelmix bebaut: je ein Drittel für den freien Wohnungsmarkt, als geförderter Wohnraum und als Wohneigentum. Neben anderen Unternehmen sind mit dem Bauverein der Elbgemeinden und der Altoba zwei Genossenschaften beteiligt, ebenso die SAGA, die dort Sozialwohnungen baut. Mehrere Grundstücke wurden auch an Baugemeinschaften vergeben – das Viertel wird sozial einigermaßen gemischt. 

Um der großen Nachfrage nach Wohnraum in Hamburg gerecht zu werden, wird fünf- bis sechsgeschossig gebaut. Auch einige wenige Altbauten bleiben erhalten, die an die Vergangenheit des Areals erinnern: Die alten Güterhallen mit ihren geschwungenen Stahlträgern werden bald einen Edeka-Markt und eine Drogerie beherbergen, in den Backsteinbau der ehemaligen Kleiderkasse an der Harkortstraße, der vielen noch als Partylocation der Nullerjahre bekannt ist, werden eine Kita und ein Gastronomiebetrieb einziehen. Zudem entstehen ein Park und ein größeres Schulgebäude, in das die Kurt-Tucholsky-Stadtteilschule ziehen wird.

Auf der Westseite der Großbaustelle verkehren zur Zeit noch die Fernzüge. Doch 2024, mit der Verlegung des Altonaer Fernbahnhofs nach Diebsteich, wird sich der neue Stadtteil weiter nach Westen ausdehnen. Auf den frei werdenden Gleisflächen um den alten Wasserturm herum entstehen dann noch einmal 1.900 Wohnungen, ebenfalls im Drittelmix.

Dadurch wird die städtebauliche Lücke von Altona-Nord bis Ottensen geschlossen und es entsteht eine Querverbindung – jedoch eine mit Manko: Die S-Bahn-Gleise werden weiter eine Barriere nach Ottensen bleiben, überwindbar nur an einigen Punkten, etwa durch den Lessingtunnel (bereits ab diesem Sommer längere Zeit wegen der Umbaumaßnahmen für Autos gesperrt).

Der Masterplan für Mitte Altona sieht nicht vor, die Gleise unter die Erde zu legen und darüber eine Grünfläche schaffen. Dass so etwas zwar teuer aber politisch machbar wäre, weiß man, seit Senat und Bezirk Altona im März beschlossen haben, die Autobahn 7 in Bahrenfeld, Stellingen und Schnelsen zu überdeckeln.

Bis zur Holstenstraße

Ab 2018 ist es mit dem Malzgeruch über Altona-Nord vorbei, denn die Holsten-Brauerei wird abgerissen. Wo seit 137 Jahren Bier gebraut und gelagert wurde, werden dann weitere 1.000 Wohnungen entstehen, in direkter Nachbarschaft zum Neubaugebiet Mitte Altona. Aktuell befindet sich die Stadt noch in Verhandlungen mit Interessenten, die das Gebiet entwickeln wollen. Mit einer Verkaufsentscheidung rechnet der Noch-Eigentümer Carlsberg im April oder Mai.