Gerade einmal acht Jahre ist es her, dass drei junge Männer im Silicon Valley ein Unternehmen gründeten und damit das Reisen veränderten. An einem warmen Augusttag im Sommer 2008 gingen Joe Gebbia, Brian Chesky und Nathan Blecharczyk mit Airbnb an den Start. Eine Plattform, auf der Menschen weltweit private Zimmer oder Wohnungen vermieten und mieten sollten. Den Urlaub nicht in anonymen Bettenburgen, sondern zu Hause bei Einheimischen verbringen – diese Idee kam schnell an: Auf Airbnb befinden sich nach Firmenangaben heute zwei Millionen Inserate.

Nie war es so einfach, die Koffer zu packen und die Welt so authentisch wie jetzt zu erkunden. Und das alles mit ein paar Mausklicks! Eine beeindruckende Erfolgsgeschichte? Ganz so einfach ist es nicht. Warum, das wird deutlich, wenn man sich die Situation in Hamburg etwas genauer anguckt.

Eine aktuelle Studie des Immobilienentwicklers GBI AG besagt, dass jeder siebte Tourist Hamburgs in Privatwohnungen unterkommt und nicht in Hotels. Ein Verhältnis, mit dem die Stadt bundesweit hinter Berlin und Leipzig auf dem dritten Platz liegt. Hauptverantwortlich dafür ist Airbnb. Etwa 5.500 Angebote aus Hamburg befinden sich auf der Plattform. Und das, obwohl die Kritik an ihr stark zunimmt.

Nie wurde über Airbnb so viel diskutiert wie zurzeit. Das Angebot ist so schnell gewachsen, dass sich Hotels vor der Konkurrenz fürchten. Ihre Betreiber klagen, dass die privaten Anbieter oft keine Steuern zahlten. Dagegen müsse vorgegangen werden. Sie seien doch meist längst keine Idealisten mehr, sondern Unternehmer.

Wohnungssuchende ärgert, dass teuer an Gäste von außerhalb anstatt an die Bewohner der Stadt vermietet wird. Hamburg hat angefangen, dagegen vorzugehen, dass Wohnraum zweckentfremdet wird. So heißt es, dass bei mehr als 50 Prozent fremd vermieteter Wohnfläche eine Strafe von 50.000 Euro, sowie die Kündigung vom Vermieter anstehen. Wie konsequent das umgesetzt wird erscheint allerdings fragwürdig.

Was dagegen fest steht: Nie standen Airbnb-Vermieter so sehr auf dem Prüfstand wie jetzt. Warum bieten sie ihre Zimmer und Wohnungen an? Weil sie selbst unterwegs sind und nicht wollen, dass ihr Zuhause währenddessen leer steht? Um Bewohner anderer Länder kennenzulernen? Oder doch ganz einfach nur, um abzukassieren? ZEIT ONLINE hat sich darüber mit drei Anbietern aus Hamburg unterhalten.

"Die Kohle steht nicht im Vordergrund"

Raoul Velten, 27 Jahre alt, Sternschanze © Nina Kämpf

Raoul Velten, 27 Jahre alt, ist vor sechs Jahren in den Norden gezogen und wohnt seit einiger Zeit in einer Männer-WG auf der Sternschanze. Bis dato hat er alles richtig gemacht: eine schöne Wohnung und immer nette Leute um sich herum. Nur ist so eine WG nicht immer vollständig, jeder verreist mal – und somit ist ein Zimmer frei.

"Wenn es dazu kommt, dass wir eines von unseren drei Zimmern frei haben, vermieten wir es gerne über Airbnb. Nicht alleine wegen der Kohle, sondern weil es echt Spaß macht, neue Menschen kennenzulernen. Wir haben dadurch sogar schon neue Freundschaften schließen können, abgesehen davon, dass wir nun überall auf der Welt die Möglichkeit haben, bei Bekannten unterzukommen.

Bei uns in der Wohnung waren schon viele verschiedene Nationen, am meisten in Erinnerung geblieben sind mir drei Weißrussen, die für ein paar Tage bei uns gewohnt haben. Meine Vorurteile, die ich zugegebenermaßen gegenüber diesem Land hatte, sind komplett revidiert. Wirklich nette Leute! Im Grunde war jeder unserer Gäste in Ordnung.

Genervt davon, dass Fremde Dinge wie die Toilette benutzen, war ich bis jetzt noch nicht. Nackt durch die Wohnung laufen geht zwar nicht, aber darauf kann ich verzichten. Wir vermieten ja auch nicht 365 Tage im Jahr.

Wenn ich alleine wohnen würde, wäre Airbnb auch weiterhin eine Option, aber auch hier würde die Kohle nicht im Vordergrund stehen. Wir verlangen in unserer WG 30 Euro für eine Nacht, das ist echt nicht viel für den Kiez. Wir decken mit dem Geld die Mietkosten für den Zeitraum und den Rest investieren wir in eine neue Kaffeemaschine oder Ähnliches."