Lange wurde darüber spekuliert, was mit dem Holsten-Gelände passiert, wenn die Brauerei umzieht, jetzt steht es fest: Entstehen werden ungefähr 1.500 Wohnungen für etwa 7.500 Menschen. Zusätzlich sollen Gewerbebetriebe 25.000 Quadratmeter des Areals nutzen. Verkündet worden sind diese Pläne bei einer Pressekonferenz am Mittwochmittag im Hamburger Rathaus.

Ein Termin von großer Bedeutung, wie schon die hochkarätige Besetzung zeigte. Versammelt waren: Bürgermeister Olaf Scholz, Wirtschaftssenator Frank Horch, Altonas Bezirksbürgermeisterin Liane Melzer, Oberbaudirektor Jörn Walter und die Konzernchefs von Carlsberg Deutschland und der jungen Immobilien-Entwicklungsgruppe Gerchgroup, die überraschend den Zuschlag bekommen hat. Sie vermittelten mehrheitlich einen sehr zufriedenen Eindruck. Scholz, nicht gerade für starke Gefühlsäußerungen bekannt, eröffnete mit enthusiastischen Worten: "Wenn es am Ende gelingt, haben wir hier richtig was Großartiges zustande gebracht."

Der Bürgermeister ging zunächst nicht auf die neuen Baupläne ein, sondern sprach voller stolz über den bevorstehenden Umzug der Holsten-Brauerei. Er sei froh, dass der Produktionsstandort weiterhin innerhalb der Stadtgrenzen liege. "Holsten und Astra gehören zu Hamburg wie der HSV und St. Pauli", sagte Scholz. Der Umzug nach Hausbruch im Bezirk Harburg sei ein klares Bekenntnis zu Hamburg, normalerweise zögen Brauereien raus aufs Land.

Der eigens aus Kopenhagen angereiste Chris Warmoth, Exekutivkomitee-Mitglied der Carlsberg Group, betonte ebenfalls, wie besonders dieser Umzug sei. Es sei nicht selbstverständlich, in Westeuropa noch in einen Brauereineubau zu investieren. Der Carlsberg-Konzern, der 2004 die Holsten Brauerei aufgekauft hat, stecke einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in das Projekt, fügte Deutschlandchef Holtz hinzu. Das Unternehmen vertraut offenbar darauf, dass sich der in den letzten Jahren zurückgegangene Bierkonsum in Deutschland stabilisiert.

Für die Arbeiter am alten Standort dagegen ist der Umzug nicht unbedingt eine gute Nachricht, denn Carlsberg streicht Arbeitsplätze. "Wir werden effizienter – das wird einen Arbeitsplatzabbau mit sich bringen", sagte Holtz. Noch sei man in Gesprächen mit dem Betriebsrat, Zahlen gebe es daher noch nicht. Klar ist aber, dass die Brauerei nicht wächst, sondern schrumpft. Sie wird sich in Hausbruch der veränderten Nachfrage anpassen. Ausgelegt ist der neue Standort auf die Produktion von eine Millionen Hektoliter Bier pro Jahr, heute sind es noch 1,2 Millionen Hektoliter.

Vorbild ist Mitte Altona

"Heute ist erst einmal ein trauriger Tag", sagte Bezirksamtschefin Liane Melzer, "weil die Holsten-Brauerei weggeht." Doch ein wenig Brauereikultur wird Altona weiterhin für sich beanspruchen können, "wenn auch in Kleinstmengen", so Holtz, denn es wird neben der Holsten-Verwaltung, die in der Nähe bleibt, auch eine Mikrobrauerei am alten Standort geben. Außerdem werden zwei Gebäude erhalten bleiben, die an die alte Brauerei erinnern sollen, das Sudhaus und der Juliusturm mit dem Holstenritter. Im weiteren Sinne an die Vergangenheit anknüpfen sollen ein Astra-Pub und ein Hotel, das "konzeptionell das Thema Bier aufgreift", so ist es den ersten konzeptionellen Stichworten des Projektentwicklers Gerchgroup zu entnehmen.

Der Geschäftsführer der Gerchgroup Mathias Düsterdick erklärte, dass nach dem weitestgehenden Abriss – wohl 2018 – mit zwei Jahren Bauzeit zu rechnen sei und die ersten Bewohner "frühestens und grob gesagt" 2020 einziehen könnten. Dass die Gerchgroup aus über 30 Bewerbern den Zuschlag für das Areal bekommen hat, hat vielerorts für Verwunderung gesorgt, denn das Unternehmen ist der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Kein Wunder – wurde es doch erst im November 2015 von Mathias Düsterdick und Christoph Hüttemann gegründet, die zuvor die Köpfe der Projektentwicklungsgruppe PDI waren. In den vergangenen Tagen wurde bekannt, dass die Gerchgroup bereits das Projektareal Korallusviertel in Hamburg-Wilhelmsburg erworben hat. In Altona rechnet das Unternehmen laut Düsterdick mit Gesamtinvestitionen von rund 750 Millionen Euro.