Es derzeit kaum möglich, Deliveroo und Foodora auszuweichen. Egal, wo in der Stadt man sich bewegt, die Chance, dass einem als Känguru verkleidete, junge Männer begegnen oder man auf anderem Wege Flyer mit Gutscheinen in die Hand gedrückt bekommt, ist extrem hoch. Auch zu Hause lassen einen die beiden Anbieter von Liefer-Apps für Essen nicht in Ruhe. Ständig landet Werbung von ihnen im Briefkasten – und man steht staunend da und fragt sich, wo diese plötzliche Penetranz herrührt.

Es tobt eine Werbeschlacht um die Frage, wer den Hamburgern ihr Essen liefern darf. Verschiedene Liefer-Apps, allen voran Deliveroo und Foodora, versuchen sich mit Nachdruck in der Stadt zu etablieren.

Das Geschäftsmodell der Liefer-Apps ist einfach. Sie kooperieren mit Restaurants, die keinen eigenen Lieferdienst haben und übernehmen diesen Service. Außerdem leisten sie die Bestellabwicklung und Bezahlung. Die Restaurants können so ihre Kundenbasis vergrößern, ohne dafür in teure Infrastruktur zu investieren. Die Nutzer wiederum sind in der Lage mit einer einzelnen App auf eine große Auswahl an Restaurants zuzugreifen. Die Lieferdienste als Vermittler verdienen mit einer Provision, die bisweilen bis zu 30 Prozent betragen soll, an jeder Bestellung mit. 2,50 Euro Liefergebühr verlangt Deliveroo zudem zurzeit in Hamburg von seinen Kunden. 2,90 Euro sind es bei Foodora. Davon bezahlt werden müssen Technik und Mitarbeiter. Die Fahrer erhalten wenig überraschend Gehälter im Bereich des Mindestlohns. Bei manchem Anbieter werden sie nach Auftragslage bezahlt.

Das Geschäftsmodell der Apps allerdings funktioniert nur, wenn viel bestellt wird. Es ist auf Masse ausgelegt. In Hamburg sind beide Firmen noch nicht lange aktiv. Foodora vermeldet zwar, bereit etwa 270 Restaurants in seinem Portfolio zu haben und bei Deliveroo sind es nach eigenen Angaben über 250. Wie viele Kunden sie bislang in Hamburg gesammelt haben, wollen beide aber nicht sagen. Wachsend, heißt es nur. Es ist offensichtlich, dass sie in einem harten Wettbewerb stecken. Wie bei vielen Start-ups setzten die Investoren vor allem auf Wachstum und Verdrängung der Konkurrenz. Und dafür braucht es massive Werbung. Wie viel Geld die Firmen dafür ausgeben, ist nicht zu erfahren. Wenig kann es nicht sein, das belegen die vielen Flyer.  


"Geschäftsmodell wird schwierig aufrechtzuerhalten sein"

Wie massiv Foodora und Deliveroo in Werbung investieren, merkt man auch bei Resto-in, einem Lieferservice, der bereits seit 2005 in Hamburg aktiv ist. Auch von ihm hängen derzeit Werbeplakate in der Stadt. Man gebe jedoch nicht mehr Geld für Werbung aus als sonst, behauptet Ghazaleh Ghassemzadeh, General Manager beim Unternehmen hinter Resto-in. Von der Konkurrenz will sich der Anbieter abgrenzen: "Die Mitbewerber haben sich auf die breite Masse fokussiert. Wir dagegen auf den Bereich Premium", so Ghassemzadeh. Resto-in arbeite nur mit rund fünfzig Restaurants in Hamburg zusammen. Außerdem operiere es ausschließlich mit Autos und nicht mit Radkurieren – was verwundert, da das Logo des Unternehmens aus einem Radfahrer besteht.

Für das Geschäftsmodell der neuen Mitbewerber findet Ghassemzadeh deutliche Worte: Was diese veranstalteten, sei ein "Strohfeuer". Sei das anfänglich von den Firmenzentralen zur Verfügung gestellte Geld aufgebraucht, "wird dieses Geschäftsmodell schwierig aufrechtzuerhalten sein."

Bei Foodora und Deliveroo sieht man das naturgemäß ganz anders. Deliveroo betont, man verzeichne in allen deutschen Märkten eine sehr positive Entwicklung. Bei Foodora gibt man sich gegenüber der Konkurrenz erstaunlich friedfertig, zumindest in der Öffentlichkeit: "Derzeit gibt es eine recht starke Wettbewerbssituation, da wir aber stetig wachsen, sehen wir es positiv, dass wir zusammen den Markt entwickeln und die Kunden an einen neueren besseren Service gewöhnen", sagt Emanuel Pallua, Mitbegründer von Foodora. Und weiter: "Da wir aktuell, trotz Konkurrenz, sehr gut wachsen und sich sonst auch alles sehr gut entwickelt, gehen wir davon aus, dass sich auch mehrere Unternehmen am Markt behaupten können."

Restaurants haben Angst vor Monopolisten

Glaubhaft sind die Aussagen von Pallua nicht. Ziel der neuen Apps muss es sein, den Markt für sich allein zu gewinnen, das würde neue Einnahmemöglichkeiten eröffnen. Mit einer marktbeherrschenden Stellung ist es möglich, Restaurants die Höhe der Provisionen aufzuzwingen. Vielleicht gelingt es dann sogar, einige dazu zu bringen, Geld zu zahlen, damit sie prominent in den Apps angezeigt werden.

Hinter vorgehaltener Hand sind im Gastrogewerbe bereits Stimmen zu hören, die die Monopolstellung eines Lieferdienstes fürchten. Offiziell geben sich teilnehmende Restaurants in Hamburg aber derzeit noch zurückhaltend. Über Erfahrungen mit den Liefer-Apps will man öffentlich ungern sprechen, Vertragsdetails sind ohnehin tabu. Viele machen erst einmal mit, da sie sich zusätzliche Einnahmen nicht entgehen lassen wollen, und warten ab, was passiert. Ob die neuen Liefer-Apps die Zukunft sind und welche sich davon am Markt behaupten können, kann ohnehin keiner von ihnen prophezeien.

Ob sich einer der Anbieter zum Monopolisten aufschwingen kann oder zuvor allen Wettbewerbern das Geld ausgeht, darüber wird in erster Linie in den Wohnzimmern entschieden. Auch in Hamburg. Solange es noch nicht so weit ist, wird im Wettstreit um die Kunden vor allem eine Gruppe profitieren: die der Werber.