Zu seinem letzten Wort vor dem Vorsitzenden Richter Klaus Rühle steht Harry S. auf. Er zupft kurz an seinem hellblauen Hemd, dann faltet er die Hände vor sich, als würde er zum Gebet ansetzen. "Dass ich in Syrien war, war der größte Fehler meines Lebens", sagt er. Und: "Ich hoffe, dass ich irgendwann anderen Jugendliche helfen kann, nicht diesen Weg zu gehen". Sein Urteil nimmt er sofort an. Wenn auch die Bundesanwaltschaft auf Rechtsmittel verzichtet, kommt der ehemalige IS-Terrorist für drei Jahre ins Gefängnis.

Seine Worte schließen einen Prozess ab, wie es ihn in Hamburg noch nie gab. Hier sitzt der gemeinsame Staatsschutzsenat der nördlichen Bundesländer. Deshalb wurde Harry S., der aus Bremen stammt und dort auch verhaftet wurde, in Hamburg der Prozess gemacht. Erstmals stand mit ihm ein Mann vor dem Oberlandesgericht, der sich dazu bekennt, Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gewesen zu sein. Weil es bei ihm um Straftaten mit terroristischem Hintergrund geht, ist es ein Staatsschutzverfahren.

Drei Monate war der 27-jährige Bremer vorigen Sommer in Syrien, um dort für den IS zu kämpfen. Er ließ sich in einem Wüstencamp an Waffen ausbilden, spielte in einem Propagandavideo der Terrorgruppe mit. Im Juli 2015 kehrte er zurück – freiwillig.

Seiner Reue hat er zu verdanken, dass er nicht noch länger ins Gefängnis kommt. Der Staatsschutzsenat hat ihn wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung sowie Verstößen gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz verurteilt. Die Höchststrafe dafür hätte bei zehn Jahren gelegen. "Sie sind heute kein Terrorist mehr. Und Sie werden, da bin ich sicher, auch nie wieder einer werden", sagte der Vorsitzende Richter des Staatsschutzsenates in seiner Urteilsbegründung. Außerdem habe er über andere IS-Unterstützer aus Bremen ausgesagt, dazu gehöre Mut. Er betonte aber auch, dass die Mitwirkung des 27-jährigen im IS von einigem Gewicht gewesen sei. "Wer sich in einer terroristischen Vereinigung zum Kämpfer ausbilden lässt, der ist kein Mitläufer", so der Vorsitzende.

"Zwei Leute werden vor der Kamera ermordet"

Die zentrale Rolle im Prozess hat ein Propagandavideo des IS gespielt, bei dem Harry S. mitgewirkt hat. Es zeigt die Hinrichtung von Männer durch Terroristen. Die Kamera hält drauf, während die Männern von IS-Kämpfern erschossen werden. Auch zu sehen: Harry S.. Er trägt eine Fahne. Der Film gilt als eines der bedeutendsten Propagandavideos des IS.

"Zwei Leute werden vor der Kamera ermordet, das ist nicht alltäglich", hatte der Islamwissenschaftler Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht gesagt. Die Bundesanwaltschaft bezeichnete den Film in ihrem Plädoyer als "eines der Top-Videos" des IS: "Die große Prägekraft von Bildern terroristischen Mordens lässt die Bilder selbst zu Waffen werden", so einer der Bundesanwälte.

Die Bundesanwaltschaft hatte für Harry S. eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verlangt. Auch sie hatte das Geständnis strafmildernd gewertet. Der 27-jährige habe sich glaubhaft vom IS abgewandt. Außerdem habe er mit seiner Aussage andere Terrorunterstützer belastet und die Ermittler auf deren Spur gebracht. Dennoch habe Harry S. den IS in Syrien in vielfältiger Weise unterstützt. Und mit dem Propagandavideo habe er dessen menschenverachtende Botschaft transportiert.

"Auf diesem Video ist ein anderer Mann zu sehen als der, den wir hier erlebt haben", sagte einer der beiden Bundesanwälte in seinem Plädoyer. "Diesen Tatbeitrag kann er auch durch Aufklärungshilfe nicht ungeschehen machen".