Es war heftige Kritik, die in den vergangenen Tagen aus der JVA Fuhlsbüttel nach außen gedrungen ist. Vorwürfe, gerichtet vor allem an Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne), geäußert von jenen, die es wissen müssen – JVA-Beamten, die seit Jahrzehnten hinter Gefängnismauern arbeiten.

Es herrsche ein eklatanter Personalmangel, hieß es da, die Folge seien Sicherheitslücken und Chaos. Am Ende, so die Befürchtung, drohe der Kollaps von Santa Fu, Hamburgs berühmtestem Gefängnis.

Nun, eine Woche später, debattiert die Bürgerschaft: Was ist dran an der Kritik? Und welche Reaktion braucht es?

Nur bei einem sind sich Opposition und rot-grüne Koalition einigermaßen einig: Ja, der Personalmangel ist besorgniserregend. Aber wie besorgniserregend genau? Schon da gehen die Meinungen auseinander.

Justizsenator Steffen, so sieht es jedenfalls CDU-Justizsprecher Richard Seelmaecker, nehme die Situation nicht ernst genug. Die Lage sei angespannt, das Betriebsklima schlecht? Für Seelmaecker eine Untertreibung. "Die Situation ist nicht nur angespannt, sie ist schlicht ein Chaos", sagt der CDU-Mann. Und er bezweifle, dass sich die Bediensteten in den Hamburger Gefängnissen ernstgenommen fühlen, wenn ihr Dienstherr die Situation derart bagatellisiere. "Eine Entschuldigung", so Seelmaecker, "ist hier das Mindeste, was wir von Ihnen erwarten können."

Ein Pardon, so viel schon hier, wird jedoch nicht kommen – jedenfalls nicht wörtlich.

Fuhlsbüttel ist eine Langstrafen-Anstalt

Ähnlich wie Seelmaecker, das liegt in der Natur der Sache, sieht es seine Oppositionskollegin Anna von Treuenfels-Frowein (FDP). JVA-Bedienstete hatten in der ZEIT berichtet, dass wegen des Personalmangels die Türen zwischen den Gefängnisstationen immer wieder offen bleiben müssten, dass Häftlinge deshalb teils frei durchs Haus laufen könnten. In der Folge nähmen der Drogenhandel und die Gewalt unter den Häftlingen zu, so die Berichte. Manche Insassen trauten sich auch in ihren Freistunden nicht mehr aus den Zellen, aus Angst vor Schlägen.

Ein Punkt, den von Treuenfels-Frowein aufgriff. Gerade in einem Knast wie Fuhlsbüttel halte sie einen solchen "Tag der offenen Tür" für überaus gefährlich. Es sei schließlich nicht irgendein Gefängnis: "Dort sitzen Schwerverbrecher!" Fuhlsbüttel ist eine Langstrafen-Anstalt, Täter ab drei Jahren Haftzeit werden dort geschlossen untergebracht.

Hinzu komme, so von Treuenfels-Frowein, dass die Behörde ihrem eigenen Anspruch längst nicht mehr gerecht werde. Er verkomme zur "Farce". Auf der einen Seite entwickle Senator Steffen ein Resozialisierungsgesetz mit lauter hehren Zielen. Auf der anderen Seite würden aber mindeste Anforderungen nicht erfüllt: Die Häftlinge müssten, auch das hatten Bedienstete zuvor berichtet, immer wieder auf Sprechstunden verzichten und die Ausbildung in den Betrieben falle aus. Die befürchtete Folge: Die Häftlinge werden immer schlechter auf ihre Zeit in Freiheit vorbereitet – und das Risiko, dass sie wieder straffällig werden, steigt.