Wenn Leistungen von Schülern aus verschiedenen Bundesländern verglichen wurden, hatte Hamburg bisher selten Grund zur Freude. Meist landeten die Hamburger mit den anderen Stadtstaaten Berlin und Bremen auf den hintersten Plätzen. Der neue Bundesländervergleich zeigt nun: Die Stadt hat sich im Fach Deutsch in den vergangenen Jahren von den untersten Rängen verabschiedet. Und in Englisch gehören die Hamburger Schüler sogar zur Spitzengruppe.

Mehr als 33.000 Schüler der neunten Klassen haben im vergangenen Frühjahr zwei Stunden lang die Aufgaben des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Deutsch und Englisch bearbeitet. Darunter waren 2.372 Schüler aus Hamburg, etwa jeder sechste Hamburger Neuntklässler. Seit 2009 prüft das IQB im Auftrag der Kultusministerkonferenz regelmäßig, wie gut Schüler in Deutsch, Englisch, Mathe und den Naturwissenschaften sind. In Deutsch und Englisch wurde die Studie nun zum zweiten Mal durchgeführt, teilweise mit den gleichen Aufgaben wie 2009. Dadurch sind erstmals Aussagen möglich, wie sich die Leistung in den einzelnen Bundesländern in den vergangenen Jahren verändert hat.

Im Test des IQB 2009 waren die Ergebnisse der Hamburger Schüler in Deutsch weit unterdurchschnittlich. Inzwischen unterscheiden sich die Leistungen im Lesen und Zuhören nicht mehr vom deutschen Schnitt. In beiden Bereichen hat sich die Stadt von den hintersten Plätzen ins Mittelfeld der Bundesländer vorgearbeitet. Der Abstand zur Spitzengruppe hat sich deutlich verringert. Nur in der Rechtschreibung schneidet Hamburg im Ländervergleich weiter unterdurchschnittlich ab, der Abstand zum Mittelfeld ist allerdings auch hier geringer geworden.

Kinder nicht deutscher Eltern haben es schwerer

Dass Hamburg sich aus der Schlussgruppe mit den beiden anderen Stadtstaaten ins Mittelfeld vorgearbeitet hat, ist ein respektabler Erfolg, weil in Stadtstaaten andere Bevölkerungsgruppen leben als in Flächenländern – und dadurch der Anteil potenzieller Problemschüler größer ist. In Hamburg etwa ist der Anteil der Migranten sechsmal so hoch wie in Sachsen, im Vergleich zu Bayern liegt er 50 Prozent höher.

Das wirkt sich auf die Ergebnisse aus, denn Kinder nicht deutscher Eltern haben es oft schwerer in der Schule – das zeigt auch die aktuelle Studie wieder. Hamburg schafft es also, trotz schwieriger Voraussetzungen seine Schüler auf durchschnittliches Niveau zu bringen – und steht nun auf einer Stufe mit Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Thüringen.

Während die Leistungen insgesamt ordentlich sind, hat es die Stadt allerdings nicht geschafft, den Anteil der Schüler signifikant zu reduzieren, die das Mindestniveau in Deutsch nicht erreichen. 10,7 Prozent der Neuntklässler können noch nicht auf dem Niveau des Hauptschulabschlusses lesen, 8,8 Prozent verfehlen das Mindestniveau im Zuhören, 5,7 Prozent in der Rechtschreibung. Zum Vergleich: Im Spitzenreiterland Bayern erreichen 7,4 Prozent das Mindestniveau im Lesen nicht, 5,4 Prozent im Zuhören, 1,5 Prozent in der Rechtschreibung. Beim Schlusslicht Bremen dagegen sind es 16,98 Prozent im Lesen, 11,8 Prozent im Zuhören und 6,8 Prozent in der Rechtschreibung.