Eine Parlamentsfraktion ist nur so gut wie die Organisation, die sie trägt. Wer erfolgreich politisch arbeiten will, braucht Leute, die Termine koordinieren, Protokolle anfertigen, Stellungnahmen formulieren, Informationen einholen, Akten anlegen und verwalten. Dafür beschäftigen die Bürgerschaftsfraktionen Mitarbeiter. So auch die AfD.

Doch wer für die Rechtspopulisten in der Hamburger Bürgerschaft arbeitet, war bislang weitgehend unbekannt. Die Fraktion veröffentlicht keine Namen. Nun aber liegen ZEIT ONLINE Dokumente vor, aus denen hervorgeht, dass zwei Mitarbeiter der AfD-Fraktion in der Vergangenheit Kontakte ins extrem rechte Lager pflegten. Es handelt es sich um Torsten Uhrhammer und Justus Burgdorf. Beide seien bei der AfD-Fraktion beschäftigt, bestätigte der Fraktionsvorsitzende Jörn Kruse.

Urhammer war in der Vergangenheit vorgeworfen worden, er sei Mitglied der DVU gewesen. Die rechtsextremistische Partei hatte sich 2011 aufgelöst. Diese Mitgliedschaft hatte eine Debatte darüber entfacht, ob Urhammer Mitglied der AfD werden könne. 2014 teilte die AfD dem Hamburger Abendblatt mit, dass Uhrhammer "kein Vollmitglied" und "nicht stimmberechtigt" sei.

Jugendsünde DVU-Mitgliedschaft?

Doch offenbar nimmt die Fraktion Urhammers Dienste dennoch gerne in Anspruch. Fraktionschef Kruse sagte ZEIT ONLINE, die Abgeordneten hätten Urhammers DVU-Vergangenheit diskutiert. Er selbst halte das jedoch für eine Jugendsünde. Urhammer sei ein sehr politisch denkender Kopf.

Auch Burgdorf lobte Kruse als wichtigen Mitarbeiter und hervorragenden Juristen. Von Verbindungen Burgdorfs in die extrem rechte Szene wisse er nichts. Bis Sommer war der Rechtsanwalt zudem Mitglied des Schiedsgerichts der AfD. Nun möchte er für die AfD als Deputierter in die Justizbehörde gewählt werden. Als Deputierter nähme er Teil an grundsätzlichen Entscheidungen in der Behörde, etwa an der Aufstellung und Durchführung des Haushaltsplans, und er würde sich mit Personalvorschlägen befassen. Bislang allerdings lehnten es die anderen Bürgerschaftsfraktionen ab, Burgdorf in dieses Amt zu wählen.

Dafür gibt es gute Gründe. Es liegen weitere Belege dafür vor, dass Urhammer und Burgdorf enge Kontakte in die rechte Szene pflegten. Die beiden Männer organisierten 2009 eine Reihe rechtsintellektueller Bildungsveranstaltungen, deren Vortagsliste sich wie ein Who's who der Neuen Rechten liest.

Eine Bühne für die Neue Rechte

Urhammer publizierte damals des Öfteren in der rechten Wochenzeitung Junge Freiheit und der neurechten Zeitschrift Sezession. Außerdem engagierte er sich in Hamburg für die älteste politische Bildungsvereinigung rechts der CDU, die Staats- und Wirtschaftspolitische Gesellschaft e.V. (SWG). Diese Gesellschaft hatte im Laufe ihrer mehr als 50-jährigen Vereinsgeschichte immer wieder ehemaligen Angehörigen von NSDAP, SA und SS, aber auch nationalkonservativen Vertriebenenpolitiker und Vordenker der Neuen Rechten eine Bühne verschafft. So ging es auf den Veranstaltungen der SWG unter anderem um die Leugnung der deutschen Schuld am Zweiten Weltkrieg, die "Ehrenrettung" von Wehrmacht und Waffen-SS, die Rückgewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete und die Relativierung des Holocausts.

Anfang der 2000er Jahre drohte die SWG zu überaltern und suchte nach Möglichkeiten, junge Leute für sich zu gewinnen. So legte die Gesellschaft 2009 ein neues Veranstaltungsformat namens Hamburger Freiheitsgespräche (HF) auf. Uhrhammer wurde zur gleichen Zeit neuer Regionalleiter der SWG. Um sich ein jüngeres Publikum zu erschließen, fanden die Veranstaltungen meist im Haus der Studentenverbindung Landsmannschaft Mecklenburgia Rostock (LMR) statt. Von Seiten dieser schlagenden Verbindung aus der Sierichstraße zeichnete Justus Burgdorf "mit besten Grüßen" neben Uhrhammer als Verantwortlicher in mehreren Einladungen.