Schlafen in überfüllten Zelten und Containern, monatelanges Warten auf eine Folgeunterkunft, Ungewissheit darüber, wie es weitergeht: Weil die Behörden nicht auf den derzeitigen Zuwachs an Flüchtlingen vorbereitet sind, leben heute rund 2.400 Menschen in den Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen. In der Unterkunft an der Sportallee in Groß Borstel ist es bereits zu Protesten gekommen. Sohaib Ahmed aus dem Irak und Ali Khalil Abu Rashed, ein Palästinenser aus Syrien, sprechen über die Lage in der Erstaufnahme. 

ZEIT ONLINE: Sie haben mit anderen Bewohnern hier im Flüchtlingsheim in der Sportallee gegen Ihre Unterbringung protestiert. Warum?

Ali Khalil Abu Rashed: Das passierte ganz spontan und ungeplant. Einige von den Bewohnern waren es einfach leid, sie haben angefangen zu rufen "Wir wollen Transfer!", andere haben mitgemacht.

Sohaib Ahmed: Plötzlich waren 20 Polizeiwagen hier, das war eine angespannte Situation. Weil ich einer der wenigen bin, die hier Englisch sprechen, habe ich versucht, zwischen uns Flüchtlingen und der Polizei zu vermitteln.

ZEIT ONLINE: Was bedeutet: Wir wollen Transfer? Was verlangen Sie?

Sohaib: Laut Gesetz darf man uns nur bis zu maximal drei Monaten hier in der Erstaufnahmeeinrichtung unterbringen – dann haben wir Anspruch auf eine reguläre Unterkunft. Viele von uns sind aber viel länger hier – Ali und ich zum Beispiel leben seit Mai hier.

Ali: Wir können auch überhaupt nicht nachvollziehen, wie Entscheidungen über den Transfer getroffen werden. Manchmal kommt jemand hier raus, der viel später als du hergekommen ist, andere warten ein Dreivierteljahr.

ZEIT ONLINE: Es fehlt an Transparenz und Information?

Sohaib: Genau. Die Bediensteten hier erklären uns, dass sie nur Anweisungen ausführen.

Ali: Wir hören hier ständig: "Wir können das nicht entscheiden, das liegt nicht in unserer Verantwortung." Wir könnten zum Beispiel hier einiges reparieren im Camp – aber auch das überschreitet die Verantwortlichkeit der Belegschaft. 

ZEIT ONLINE: Was muss repariert werden?

Ali: Zum Beispiel die Waschmaschinen, die Hälfte von denen ist kaputt – sodass sich hier die Leute um die verbliebenen fünf Maschinen fast prügeln. Es ist ja wirklich freundlich von den Deutschen, dass sie uns aufnehmen – aber es kommt uns auch so vor, als wollten sie uns bewusst daran hindern, uns selbst um unsere Sachen zu kümmern. In anderen Lagern gibt es zum Beispiel Küchen, damit die Leute kochen können.

Sohaib: Wir haben einen Essenssaal für 100 Leute – aber inzwischen leben hier über 500 Menschen. Die Leute müssen stundenlang Schlange stehen, bloß um essen zu können. Und wir haben im Schnitt ein Badezimmer mit zwei Duschen und zwei Toiletten für 57 Leute. Wir haben keine Schließfächer und die Gemeinschaftsunterkünfte sind nicht verschließbar. Wenn ich schlafe, lege ich mein Handy und meine Brieftasche unter mein Kissen.