Eilbek hat ein Problem: seine Einkaufsmeile. Die Wandsbeker Chaussee ist hässlich. Auf 1,8 Kilometern. Für die sechsspurige Fahrbahn stehen vernachlässigte Häuserfassaden Spalier. Dahinter bieten Einzelhändler ihre Ware in kleinen Geschäften an. Draußen buhlen sie mit Leuchtreklame um Aufmerksamkeit. 30 der 137 Ladenlokale stehen leer. Shisha-Lounges, Phone-Shops und Nagelstudios prägen das Straßenbild. Es ist ein ständiges Wechselspiel – zieht ein Nagelstudio aus, eröffnet eine Wellness-Lounge.

Renate und Peter Krack kennen noch die Zeit, als hier Gemüse-, Fischhändler und ein Schlachter verkauften, was die Anwohner zum Leben brauchten. In der dritten Generation betreibt das Ehepaar sein Juweliergeschäft an der Wandsbeker Chaussee 169. 1898 eröffnete der Laden. Heute kleben rote Schilder am Schaufenster: "Geschäftsaufgabe". Die Kracks gehen mit Ende 60 in Rente. Einen Nachfolger haben sie nicht gefunden. Der Abschied fällt schwer. "Es hat schon Tränen bei meiner Frau gegeben", so Peter Krack.

Das Paar kann viele Gründe dafür nennen, warum der einstige Stolz Eilbeks zum hässlichen Entlein verkommt. Zum einen sei da der Verkehr. "Als mein Großvater anfing, gab es nur Pferdefuhrwerke. Dann die Pferdestraßenbahn. Für die U-Bahn wurde viel Platz gebraucht. Später entwickelte sich der Autoverkehr rasant. Heute ist die Straße sechsspurig und es gibt kaum Parkplätze."

"Shisha-Café" ist zum Reizwort geworden

Ignoranz und Desinteresse sind weitere Sargnägel. Das Ambiente ist an einigen Abschnitten an Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Die Straßenschilder stehen kreuz und quer. Unebene Gehwegplatten sind Stolperfallen. Es gibt keine Plätze zum Verweilen, für Klönschnack. Warum auch? Man würde sein eigenes Wort kaum verstehen. Abends ist die Straße tot. Bis auf den Verkehr. Es röhrt durch die Nacht, wenn Lamborghinis und R8 sich hier Rennen liefern. Peter Krack habe mit Polizei, Bezirksamt und Wegewart gesprochen. Viel passiert sei nicht.

An der Straßenseite gegenüber sitzt das Umzugsunternehmen Hirschberg, seit 20 Jahren. Auch Inhaber Thorsten Hirschberg ist verdrossen. Er ärgert sich über die Hauseigentümer in Eilbek. "Viele vermieten die Ladengeschäfte anders, als man sich das wünscht", sagt er und meint den unausgewogenen Gewerbemix. Eilbek hat heute keinen Schlachter mehr, aber gefühlt eine Wasserpfeife auf jeden zehnten Einwohner. Der Begriff "Shisha-Café" ist zum Reizwort geworden.

Nicht die fremde Kultur, sondern die Dopplungen im Angebot beklagen Unternehmer wie Hirschberg. Am Anfang der Wandsbeker Chaussee kommen auf einen Radius von 100 Metern drei bis vier Beautystudios. Ein anderes Beispiel: "Da, wo eine der vielen Shisha-Lounges ist, war früher ein Optiker", so Peter Krack. "Ich kenne den Hausbesitzer und habe ihm gesagt, er solle mal zusehen, dass da ein vernünftiger Mieter reingeht. Er meinte, dass sei ihm doch scheißegal. Und wenn ein Puff reinkommt und die bezahlen ordentlich, dann ist es gut."