Hamburg ist eine wachsende Stadt. Viele Menschen leben hier und viele ziehen hier neu hin. Entsprechend geschieht eine Menge — so auch im nun zu Ende gehenden Jahr. Es gab scharfe Politikdebatten wegen der Gefahrengebiete, dem neunjährigen Gymnasium und der Flora-Spionin. Und zwei große Gerichtsprozesse wegen des Todes junger Mädchen – der dreijährigen Yagmur und der elfjährigen Chantal. Weitere große Themen waren die Pläne für Olympia, die Unterbringung der Flüchtlinge und die Krisen bei HSV und FC St. Pauli. Hamburg 2014 – ein Überblick.

Januar

Nach schweren Krawallen richtet Hamburger Polizei Gefahrengebiete ein

4. Januar: Nach schweren Krawallen im Dezember 2013 und Angriffen auf Polizisten und Reviere richtet die Polizei in Teilen von St. Pauli, der Sternschanze und von Altona ein Gefahrengebiet in bislang nicht gekannter Größe ein. Darin darf sie jeden verdachtsunabhängig kontrollieren, Aufenthaltsverbote erteilen oder Taschen "in Augenschein" nehmen. Die Bilanz des neuntägigen Einsatzes: Die rund 3.000 eingesetzten Polizisten stellen nach eigenen Angaben 19 Böller, Feuerwerkskörper und Pyrotechnik sicher. Außerdem konfiszieren sie bei ihren fast 1.000 Kontrollen ein Taschenmesser, zwei Knüppel, einen Teleskopschlagstock, Pfefferspray und zwei Tierabwehrsprays. Der umstrittene Einsatz kostet laut Senat fast eine Million Euro. Später scheitern Grüne und Linke in der Bürgerschaft mit ihrem Versuch, die umstrittenen Gefahrengebiete in Hamburg grundsätzlich zu verbieten.

Camp der Occupy-Bewegung nach mehr als zwei Jahren geräumt

6. Januar: Das älteste Camp der Occupy-Bewegung wird nach mehr als zwei Jahren in Hamburg geräumt. Weil die Demonstranten im Laufe der Zeit ihre Zelte durch Holzbuden mit bis zu zwei Stockwerken ersetzt und darin gewohnt haben, verstoßen sie nach Auffassung der Behörden gegen das Baurecht und müssen gehen. Die Aktivisten hatten ihr Camp im November 2011 aufgeschlagen, zuletzt auf dem Gertrudenkirchhof nahe der krisengeschüttelten HSH Nordbank. Die Proteste der Occupy-Bewegung hatten im Herbst 2011 von New York aus Millionen Demonstranten rund um die Welt mobilisiert. Sie waren eine Antwort auf die Finanzkrise von 2008 und ein Protest gegen die Macht von Banken sowie gegen soziale Ungerechtigkeit. Am Finanzplatz Frankfurt war das Occupy-Camp schon im Sommer 2012 geräumt worden.

 
Prokon meldet Insolvenz an

22. Januar - Itzehoe/Hamburg: Das Windenergie-Unternehmen Prokon aus Itzehoe stellt beim zuständigen Gericht einen Insolvenzantrag. Rund 75.000 Anleger hatten Prokon 1,4 Milliarden Euro in Form von Genussrechten anvertraut, um damit Windparks zu bauen. Sie erhielten dafür hohe Zinsen von bis zu acht Prozent. Zu Jahresbeginn hatte Prokon jedoch die Zinszahlungen stoppen müssen und auch keine Genussscheine mehr zurückgenommen, weil ihm Liquidität fehlte. Im Mai eröffnet das Amtsgericht Itzehoe das Insolvenzverfahren: Prokon sei zahlungsunfähig und überschuldet. Forderungen von 391 Millionen Euro stünden flüssige Mittel von 19 Millionen Euro gegenüber. Die Anleger werden 40 bis 70 Prozent ihres Geldes verlieren. Prokon hatte laut dem Insolvenzverwalter keine angemessene Buchführung und kein Controlling. Im Juli stimmt eine der größten Gläubigerversammlungen in der deutschen Wirtschaftsgeschichte mit mehreren Tausend Teilnehmern in Hamburg dem vorläufigen Sanierungsplan des Insolvenzverwalters zu. 

Ex-ZEIT-Herausgeber als Steuerhinterzieher verurteilt

22. Januar: Der frühere ZEIT-Herausgeber Theo Sommer wird wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Die Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten setzt das Amtsgericht Hamburg zur Bewährung aus. Der Publizist muss auch eine Geldbuße von 20.000 Euro zahlen. Laut Anklage hat er zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649.000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe als "schmerzlich, aber angemessen".

Umstrittene Schulreform beschlossen – Zweigliedriges System kommt

22. Januar - Kiel: Der Landtag beschließt für Schleswig-Holstein mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen von SPD, Grünen und SSW eine Schulreform, die im August in Kraft tritt. Die Opposition aus CDU, FDP und Piraten lehnt das Gesetz ab. Kern ist die Einführung eines zweigliedrigen Schulsystems. Der Grundschule folgen Gymnasium oder Gemeinschaftsschule. Regionalschulen werden zu Gemeinschaftsschulen aufgelöst. Eltern bekommen mehr Entscheidungsfreiheit. Ein Beratungsgespräch ersetzt die verbindliche Schulartempfehlung nach Klasse vier.