Hamburgs Olympia-Planer beginnen jetzt an den Feinheiten ihres Konzepts zu feilen. "Wir müssen alle Kosten ermitteln, öffentlich machen und transparent darstellen", kündigte Hamburgs Sportsenator Michael Neumann (SPD) die dringendsten Aufgaben für die kommenden Tage an. Auch die Auswahl eines Segelreviers – Kiel, Lübeck und Rostock wollen dabei sein – gehöre dazu.

Unter Einbeziehung von Planungs- und Kostenrisiken sowie Preissteigerungen bis zum Jahr 2024 beziehungsweise 2028 geht der Senat von Investitionen in Höhe von 2,09 beziehungsweise 2,17 Milliarden Euro aus. Nicht eingerechnet seien Kosten für die Infrastruktur wie Straßen und Bahnen – in bislang unbekannter Höhe. Ebenfalls nicht berücksichtigt sind jene rund drei Milliarden Euro, welche das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die Spiele selbst aufwenden muss.

Auch auf die Olympia-Kritiker will man jetzt zugehen. Der DOSB will nach dem Debakel mit München und den Winterspielen nur mit einem Ja der Bürger ins internationale Rennen gehen. Bevor die Stadt an Alster und Elbe offiziell ins internationale Rennen gehen kann, müssen sich die Bürger in einem Votum für die Bewerbung ihrer Stadt aussprechen. Erst dann fällt der Startschuss für das Mitrennen im internationalen Wettbewerb, dem eigentlichen Wettlauf um die Spiele 2024. Im Jahr 2017 fällt das Internationale Olympische Komitee seine Entscheidung.  

Bei einer Forsa-Umfrage hatten sich 64 Prozent der Bevölkerung für Hamburg ausgesprochen. Die Zustimmung in der Hansestadt ist zuletzt gestiegen. Doch Vorsicht ist geboten: Bei der Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2022 war bei Umfragen die Zustimmung auch stets über 50 Prozent, am Wahltag setzten sich aber die Olympia-Gegner durch, die offensichtlich ihre Anhänger besser mobilisieren konnten. Deshalb kündigte DOSB-Präsident Alfons Hörmann an, dass man in ständigem Dialog mit den Bürgern und der Öffentlichkeit bleiben werde.

Welche Chancen hat Hamburg auf internationaler Ebene?

Der DOSB setzt auf die IOC-Agenda 2020, wonach der Gigantismus der Spiele etwas eingedämmt werden soll. Dafür bietet Hamburg gute Voraussetzungen. Aber als Favorit gilt Boston, Rom ist auch ein ernsthafter Kandidat. Dazu will Paris einsteigen. Die französische Hauptstadt hatte bei der Bewerbung für 2012 knapp gegen London verloren und will 2024 exakt nach 100 Jahren wieder das Sommer-Spektakel ausrichten. Auch Budapest, Istanbul, Doha, Baku und eine australische Stadt sind im Gespräch. Schwierig ist für Hamburg vor allem aber die Konstellation, dass Deutschland 2024 wohl den Zuschlag für die Fußball-EM erhalten wird. Zwei Großereignisse innerhalb weniger Monate scheinen eher unwahrscheinlich.

Dass Hamburgs Bewerbung geringe Chancen gegenüber hochrangigen Rivalen wie der US-Stadt Boston oder Rom hat, sieht DOSB-Vorstandschef Michael Vesper nicht. "Es ist eindeutig so, dass bei einem internationalen Bewerbungsprozess alle Bewerber von derselben Startlinie loslaufen", sagte er am Dienstag im Deutschlandfunk.

Auch die ebenfalls mögliche Fußball-EM 2024 in Deutschland sei kein Problem. "Wenn ein Land in der Lage ist, beide Ereignisse zu organisieren, in einem Sommer, in einem Super-Sportjahr, dann ist das Deutschland", meinte der frühere Grünen-Politiker.

Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte sich am Montag im Kandidatenrennen zwischen Hamburg und Berlin gegen die Hauptstadt entschieden. Am Samstag stimmen DOSB-Mitglieder in Frankfurt darüber ab und entscheiden endgültig.