Eine Wohnung in Hamburg finden? Ich wusste vorher, dass es anstrengend wird. Es war mir klar: Für jede Wohnung, egal wie klein, verwinkelt oder abgelegen, muss ich kämpfen. Mich in E-Mails und bei Besichtigungen verbiegen, um mich irgendwie von der Masse abzuheben. Was ich nicht wusste: Dass ich bei meiner Suche auf Vermieter treffe, die vorab Geld nach Barcelona, Schottland und Afrika überwiesen haben wollen.

Vor gut drei Monaten habe ich begonnen, mich auf Onlineportalen umzugucken. Mittlerweile haben mein Freund und ich eine Wohnung gefunden, in die wir zusammen eingezogen sind. Zwei Zimmer, Küche, Bad, in Hamburg-Altona. Bis es soweit war, sind mir allerdings Dinge passiert, die ich aus München und London, meinen vorherigen Wohnorten, nur vom Hörensagen kannte.

Neun Mietbetrüger haben sich in Hamburg an mir versucht – in der Hoffnung, der überlaufende Wohnungsmarkt hätte mir die Sinne vernebelt. Angefangen hat es mit einem Frank Lutz.

Die Ausreden klingen logisch, auch die von Frank Lutz

Nachdem ich mich bei Frank Lutz auf eine Anzeige auf WG-gesucht.de gemeldet hatte, schrieb er mir auf Englisch zurück. Erst vergangene Woche sei er aus Warschau zu einem Besichtigungstermin nach Hamburg geflogen, blöderweise sei der Interessent dann nicht aufgetaucht. Zwei verlorene Arbeitstage, zwei Flugtickets umsonst, das wolle er nicht noch mal riskieren. Deshalb habe er beschlossen, die Vermietung nun aus der Ferne über die Übernachtungsplattform Airbnb zu organisieren.

Frank Lutz verlangte, dass ich ihm über Airbnb einen Vorschuss überweise. Ein Agent des Unternehmens würde mir anschließend die Wohnung zeigen und die Schlüssel übergeben. Als ich kurz darauf bei WG-gesucht.de nachfragte, erfuhr ich, dass dieses Vorgehen einer der neuesten Tricks ist. "Einen solchen Service bietet Airbnb gar nicht an", versicherte die Sprecherin Annegret Mülbaier.

So wie Frank Lutz sind fast alle der Betrüger vorgegangen. Sie schrieben mit gebrochenem Deutsch oder auf Englisch, dass sie schlechte Erfahrungen mit Interessenten gemacht hätten. Sie versuchten, mir das Gefühl zu vermitteln, es sei nun meine Aufgabe, ihr Vertrauen zurückzugewinnen – mit einer Miete oder einer Kaution als Vorschuss über Transferdienste wie Western Union.

Philip Schulze, Geschäftsführer des Portals Immonet betont, wie geschickt Betrüger sich das Vertrauen der Opfer erschleichen: "Es werden logisch klingende Ausreden gegeben, weshalb eine Immobilie zum Schnäppchenpreis und meist in besten Lagen angeboten wird und weshalb bei der Vermarktung Eile geboten ist."

Mit fast identischem Wortlaut wie Frank Lutz versuchte mir ein Van Malleghem auf Englisch seine Wohnung in Hamburg zu vermachen. Der einzige Unterschied: Er musste aus Barcelona einfliegen. Seine E-Mail erhielt ich als Antwort auf eine Nachricht, die ich über ein Kontaktformular auf Deutsch an einen Herrn Bergmann geschickt hatte.