Bestaunt wurde der Dovenhof nicht nur wegen seiner modernen Konzeption. Hinter der altertümlichen Fassade, die der französischen Renaissance nachempfundenen war, tat sich eine Wunderwelt technischer Neuerungen auf: Es gab elektrische Winden und elektrisches Licht, eine Dampfheizung, Rohrpostanlagen und den ersten Paternoster auf dem Kontinent. Durch zwei Restaurants war das Gebäude teilweise auch der Öffentlichkeit zugänglich. Vermietet wurde der Dovenhof nicht an einen Hauptmieter, sondern an verschiedene Unternehmen. Das Gebäude wurde zum Vorläufer und Vorbild für das benachbarte Kontorhausviertel.

Im Gegensatz zu vielen Häusern der südlichen Altstadt überstand der Dovenhof den Zweiten Krieg unbeschadet – nicht aber die Abrisswut der Nachkriegszeit. 1967 musste er für die Neubauten der heutigen Spiegel-Insel weichen. Damals war ein Großteil des historisch gewachsenen Gebietes schon unter der Asphaltdecke der Ost-West-Straße verschwunden. Die Pläne dafür gingen auf die Nazizeit zurück. Das Gewirr aus Fleeten, Twieten und enger Bebauung in der südlichen Altstadt sollte schon in den 1930er-Jahren einer Allee für Paraden weichen. 

Mit der Hafencity wächst ein neuer Stadtteil

Während der Nazizeit wollte der Architekt Konstanty Gutschow das Areal zur "Führer-Stadt" machen. Er plante, auf ihm ein 250 Meter hohes "Gauhaus" und eine "Volkshalle" für 50.000 Menschen zu errichten. Der Bombenkrieg verhinderte die Umsetzung, ermöglichte sie aber dafür, bittere Ironie des Schicksals, nach dem Krieg unter anderen Vorzeichen. Gustav Oelsner, Altonas ehemaliger Stadtbaurat, leitete die Planungen für die Ost-West-Straße, mit der man den Innenstadtverkehr entlasten und Autos freie Fahrt verschaffen wollte.

Schon damals gab es Widerstand gegen eine sechsspurige, 2,5 Kilometer lange Stadtautobahn, die effektiv die südliche Altstadt vom Rest der Innenstadt abschnitt. Aber Bausenator Paul Nevermann setzte sich durch. Heute sucht der Senat mehr denn je händeringend nach Wegen, die Bausünde in die Umgebung zu integrieren. Weiter südlich wächst mit der Hafencity ein neuer Stadtteil heran, der bisher durch die Trasse von der Innenstadt abgeschnitten ist.

Ende 2014 stellte der Senat sein neues Innenstadtkonzept vor, in dem die heutige Ludwig-Erhard/Willy-Brandt-Straße eine besondere Rolle spielt. Ihre trennende Wirkung soll sie durch neue Bäume und Querungen für Fußgänger und Radfahrer verlieren. Einzelhandel und Wohnraum sollen gestärkt werden. Und das Projekt Hamburg Heights soll wie ein Scharnier wirken.

Ob das den gewünschten Effekt erzielt, ist zweifelhaft. Die radikale Bausünde ließe sich eigentlich nur durch eine radikale Maßnahme rückgängig machen: eine Untertunnelung. Seit 1990 diskutieren Stadtplaner immer wieder darüber. Angesichts der Kosten und der vorübergehenden Auswirkungen auf den Verkehr wird diese Idee aber wohl ein Traum bleiben.