Bei dem Brand und einer Explosion in einem ehemaligen Hochbunker in Hamburg-Rothenburgsort sind am Dienstagmorgen mindestens 38 Menschen verletzt worden. Das Feuer war in den frühen Morgenstunden in dem Bunkergebäude inmitten eines Wohngebietes ausgebrochen, teilte ein Sprecher der Feuerwehr mit. Bei den Löscharbeiten kam es zu einer Explosion.

"Es gab eine schlagartige Durchzündung mit einer erheblichen Druckwelle, die so stark war, dass Fahrräder durch die Luft gewirbelt wurden", berichtete ein Feuerwehrsprecher am Brandort. Feuerwehrleute in dem etwa 25 Meter hohen Bunker seien von der Druckwelle erfasst worden, die lediglich aus zwei Eingängen entweichen konnte. Es gibt neben den Eingängen nur kleine Lüftungsöffnungen, aber keine Fenster. Das Gebäude aus dem Zweiten Weltkrieg, das unmittelbar an Mehrfamilienhäuser angrenzt, wird von einer Tischlerei und als Lager für rund einhundert Tonnen ätherische Öle genutzt.

Alle Verletzten hätten leichte bis mittelschwere Verletzungen wie Rauchvergiftungen und Prellungen erlitten, möglicherweise auch Knochenbrüche, berichtete ein Feuerwehrsprecher. Unter den Verletzten waren 12 Feuerwehrleute. Insgesamt 19 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt.

Über Tausend Bunker wurden im Zweiten Weltkrieg gebaut

Die Löscharbeiten sollten bis zum Nachmittag andauern. "Im Moment schicken wir niemanden mehr ins Gebäude, weil die Lage unklar ist. Wir planen jetzt, den Bunker mit Schaum zu fluten, um den Brand zu löschen", sagte der Sprecher.

Als die Einsatzkräfte am frühen Morgen am Brandort eintrafen, war bereits die komplette Straße in dichten Rauch gehüllt. Die Feuerwehr evakuierte die anliegenden Wohnhäuser. Über 60 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Die Brandursache und die Höhe des Sachschadens waren zunächst unklar.

Im Zweiten Weltkrieg wurden in Hamburg zwischen 1940 und 1945 insgesamt 1051 Bunker errichtet – so viele wie in keiner anderen deutschen Stadt. Auch 70 Jahre nach Kriegsende gibt es in der Hansestadt noch rund 650 Bunker aus dieser Zeit. Die meisten Schutzräume sind unter der Erde verborgen, es existieren aber auch noch rund 30 Hochbunker. Einige von ihnen stehen unter Denkmalschutz und können besichtigt werden, andere wurden zum Wohnen und Arbeiten umgestaltet oder als Proberäume für Bands genutzt.

Einer der größten Hochbunker Deutschlands steht auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg-St. Pauli. Der 1942 aus 100.000 Tonnen Stahl und Beton errichtete Luftabwehr- und Luftschutzbunker bot während der Luftangriffe rund 20.000 Menschen Zuflucht. Der quadratische Koloss ist 75 Meter breit und ragt 40 Meter in die Höhe – mit 5 Meter dicken Decken und 3,5 Meter starken Wänden.

1950 begann der Nordwestdeutsche Rundfunk als Vorläufersender von NDR und WDR mit einem Fernsehtestprogramm aus diesem Bunker. Bis in die 1950er Jahre gab es zudem zahlreiche Wohnungen für ausgebombte Hamburger in seinen Mauern. Auf eine geplante Sprengung des Giganten wurde 1990 verzichtet – möglicherweise wegen der gewaltigen Kosten von geschätzt 30 Millionen Mark. Heute haben in dem Bunker mehrere Firmen und zwei Musikclubs ihren Sitz.

Ein ähnlich markanter Bau ist der 30 Meter hohe Bunker von 1943 im Stadtteil Wilhelmsburg, dessen massive Mauern bei Bombenangriffen bis zu 30.000 Menschen Schutz boten. Zur Internationalen Bauausstellung 2013 wurde der seit Kriegsende ungenutzte Hochbunker in ein Öko-Kraftwerk mit verschiedenen Energiequellen verwandelt.