Die Hamburger Innenbehörde will bis zu 1.200 Flüchtlinge auf dem Gelände der Messe unterbringen, zumindest zeitweise. Die Messegesellschaft habe angeboten, die mit 13.000 Quadratmetern größte Halle bis Ende September zur Verfügung zu stellen, teilte die Behörde mit. Auf einem Außengelände sollen zusätzliche sanitäre Anlagen errichtet werden. "Uns geht es darum, den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf bieten zu können", sagte ein Behördensprecher.

Im ersten Halbjahr mussten in der Hansestadt mehr als 5.700 Flüchtlinge untergebracht werden. In einem Hamburger Flüchtlingsheim leben aktuell im Durchschnitt 190 Menschen. Nimmt man die Zentralen Erstaufnahmen hinzu, sind es 230. In Bremen sind Messehallen bereits zeitweise als Flüchtlingsunterkünfte genutzt worden.

Die Unterbringung wird in Hamburg kontrovers diskutiert. Insbesondere Anwohner von reicheren Vierteln wehren sich gegen Flüchtlingsunterkünfte in ihren Wohngebieten. Kürzlich erst entschied das Oberverwaltungsgericht, dass in das ehemalige Kreiswehrersatzamt im noblen Harvestehude keine 220 Flüchtlinge einziehen dürfen, weil es sich laut Bebauungsplan um ein "besonders geschütztes Wohngebiet" handele. Einige Nachbarn hatten eine "Veränderung des Gebietscharakters" befürchtet, sollten die Asylbewerber kommen.

Die steigenden Flüchtlingszahlen erzeugen enormen Druck auf die Behörden. "Wir nehmen gerade auch Flächen, die wir vor einem Jahr noch nicht genommen hätten", hatte ein Sprecher der Sozialbehörden im Juni gesagt. Für dieses Jahr sind 34 neue Flüchtlingsunterkünfte geplant, insgesamt rechnen die Behörden mit etwa 10.000 Asylbewerbern, die sie 2015 unterbringen müssen. Derzeit suchen die Bezirke nach entbehrlichen Fest- und Parkplätzen, auf denen man Wohncontainer aufstellen könnte.