ZEIT ONLINE: Alma, Du hilfst Flüchtlingen, die am Hamburger Hauptbahnhof ankommen. Was machst Du genau?

Alma: In erster Linie geht es darum, sie in Empfang zu nehmen, einfach für sie da zu sein. Oft sind sie sehr erschöpft und unglaublich dankbar für einen Schluck Wasser. Oder sie brauchen mal jemanden, der sie in den Arm nimmt.

ZEIT ONLINE: Aber dabei bleibt es doch nicht, oder?

Alma: Nein. Die meisten der Flüchtlinge wollen weiter nach Schweden oder Finnland. Oft haben sie Verwandte, die schon dort leben. Sie zeigen uns Helfern Zettel, auf denen sehr konkret steht, an welchen Ort sie wollen. Wir gucken dann, welchen Zug sie dafür nehmen müssen. Wir bilden Gruppen, lassen sie gegebenenfalls Geld sammeln und Tickets kaufen, und begleiten sie dann an den Bahnsteig.

ZEIT ONLINE: Ist das nicht eine Arbeit, die Bahnangestellte erledigen sollten?

Alma: Grundsätzlich ja, aber die sind damit überfordert. Das Service-Center ist ja ohnehin schon überlastet.

ZEIT ONLINE: Woher kommen die Flüchtlinge nach Hamburg?

Alma: Tatsächlich habe ich das die Wenigsten gefragt. Da, wo ich es mitbekommen habe, sind sie über Ungarn und Österreich hierher gelangt. Ursprünglich stammen die meisten aus dem Irak oder aus Syrien. Für mich ist das aber nicht so wichtig. Mich interessiert vor allem, wohin sie wollen.

ZEIT ONLINE: Von Mittwoch auf Donnerstag hat Dänemark keine Züge mehr ins Land gelassen. Welche Auswirkungen hatte das?

Alma: Ich hab' am Mittwoch zu Hause gesessen und jede kleine Pressemitteilung gelesen, um meine Mithelfer am Bahnhof auf dem Laufenden zu halten. Ich hab' ihnen in kurzen Worten geschrieben, dass Dänemark gerade zu Ungarn Zwei wird. So konnten sie die Flüchtlinge auf die Situation hinweisen.

ZEIT ONLINE: Wie haben die darauf reagiert?

Alma: Einige sind für eine Nacht in der Stadt geblieben. Teilweise haben wir privat Schlafplätze organisiert, damit sie nicht am Bahnhof übernachten müssen. Am nächsten Tag sind sie dann weitergereist. Manche haben auch spontan beschlossen, doch erst einmal in Hamburg zu bleiben. Wir haben sie dann zur Erstaufnahme nach Hamburg-Harburg gebracht.

ZEIT ONLINE: Haben sich die Routen durch Dänemarks Blockade verändert?

Alma: Ja, die meisten versuchen jetzt, Dänemark zu umgehen. Die dänische Polizei lässt zwar wieder Züge ins Land, drängt Flüchtlinge aber dazu, sich registrieren zu lassen. Viele Flüchtlinge wollen von Hamburg aus deshalb nach Rostock oder Lübeck-Travemünde, um von dort per Fähre nach Schweden zu kommen.