Hunderte von Helfern, die jeden Tag kommen, um Spenden anzunehmen, zu sortieren, an die Flüchtlinge auszugeben und Kisten zu packen, um hamburgweit die Erstaufnahmen mit Kleidung und Hygieneartikeln zu versorgen: Seit Mitte August hat die ehrenamtliche Initiative Refugee Welcome Karoviertel in der Hamburger Messe eine beeindruckende Logistik für ehrenamtliche Flüchtlingshilfe entwickelt. Zahnbürsten, Ohropax, Winterjacken, Handykabel: Der Bedarf bei den ankommenden Flüchtlingen ist ebenso groß wie vielfältig (eine aktuelle Liste kann auf zusammenschmeissen.de nachgelesen werden).

Die selbstorganisierte Kleiderkammer sollte eigentlich am 30. September die Messehalle B6 räumen, weil dann der Aufbau der Hanseboot beginnen sollte. Nun gibt es eine überraschende Wende: Am Freitag teilte Andy Grote, Bezirksamtsleiter von Hamburg-Mitte, mit, dass die Messe-Geschäftsführung einer Verlängerung zugestimmt hat. Bis 31. Dezember könne die Messe Hallen für die Initiative zur Verfügung stellen.

"Die Kleiderkammer ist eine zurzeit unverzichtbare Struktur, um Flüchtlingseinrichtungen in ganz Hamburg mit Spenden zu beliefern", erklärte Grote. "Hier kommen Menschen aus allen Stadtteilen, um die Flüchtlinge zu unterstützen – das wäre an weniger zentralen Standorten nicht so erfolgreich." Auf den Wunsch von Refugee Welcome Karoviertel habe man daher intensive Gespräche mit der Messe geführt und schließlich eine Lösung gefunden. "Die Kleiderkammer muss während dieser Zeit allerdings zweimal umziehen: Zunächst in eine andere Halle und dann wieder zurück in Halle B6."

Eine Verlängerung der Erstaufnahme für rund 1.200 Flüchtlinge, die derzeit in einer anderen Messehalle untergebracht sind, ist allerdings nicht möglich, so Grote. "Dafür konnten wir keine Lösung finden." Die Notunterkunft befindet sich seit Anfang vergangenen Monats auf dem Messegelände. In der Halle daneben hatten Freiwillige die große Kleiderkammer aufgezogen.

In der Initiative Refugee Welcome Karoviertel begrüßt man die Verlängerung. "Offensichtlich sind die Behörden ja auf unsere Arbeit und auf unsere Impulse angewiesen", sagt Initiativen-Sprecherin Tina Fritsche. "Innerhalb von drei Wochen hat sich die Kleiderkammer zu einer Drehscheibe für Sachspenden in ganz Hamburg entwickelt. Insofern ist es gut, dass sie erst mal bleiben kann."