Guten Morgen,

Mark Spörrle © Vera Tammen

gestern ist Unerhörtes passiert: Vom Himmel fielen – Schneeflocken. Und als die Hamburger auf die Balkone und auf die Straße stürzten, juchzten und fotografierten, wurde der Schnee nicht weniger: Es schneite einfach weiter. So mancher Bürger dieser Stadt bekam gestern den ersten Schneeball seines Lebens in den Nacken; hier ist man das weiße Zeug ja nicht gewöhnt.

Ausnahmezustand wegen des natürlich völlig unvorhergesehenen Winters auch auf dem Flughafen Fuhlsbüttel, wo es zu Verspätungen kam, weil Maschinen enteist werden mussten. Und auf glatten Straßen, auf denen Autofahrer verblüfft registrierten, dass ihre Wagen beim Bremsen nicht stehen blieben.

In Altona schließlich war der Bahnverkehr unterbrochen. Der Schnee habe "die hochempfindliche Technik" einiger Weichen gestört.

Obwohl, nein, das war kein Ausnahmezustand. Das kennen wir schon von der Bahn.

Trauerfeier für Helmut Schmidt

Heute wird der ehemalige ZEIT-Herausgeber und Altkanzler Helmut Schmidt mit einem Staatsakt geehrt und auf dem Friedhof Ohlsdorf beigesetzt. Ab 10 Uhr überträgt der NDR die Trauerfeier für die ARD live im Ersten. Im Michel sprechen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bürgermeister Olaf Scholz und der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger. Die Predigt hält Pastor Alexander Röder. Die Hamburger Philharmoniker unter Leitung von Kent Nagano spielen die Nationalhymne, Werke von Johann Sebastian Bach und Schmidts Lieblingslied, Matthias Claudius’ "Der Mond ist aufgegangen". Dabei sein werden auch Bundespräsident Joachim Gauck, Bundestagspräsident Norbert Lammert, der Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, EU-Parlamentspräsident Martin Schulz und der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing.

Anschließend wird der Sarg vor der Kirche von acht Soldaten des Wachbataillons vorbei an der Ehrenformation der Bundeswehr zum Sargwagen getragen. Der fährt dann, mit einer Ehreneskorte der Hamburger Polizei, langsam am Rathaus vorbei zum Ohlsdorfer Friedhof. Wer von Helmut Schmidt Abschied nehmen möchte, kann sich an der Route aufstellen, die der Trauerzug nimmt. Hier die Karte von ZEIT Online.


Olympia polarisiert weiter

Nur noch eine Woche, dann steht fest, wie sich die Hamburger entschieden haben: für oder gegen Olympia. Momentan ist in beiden Lagern Bewegung zu verzeichnen. So hat sich die Stadt jetzt mit der Hafenwirtschaft geeinigt, wie man damit umgeht, wenn wegen Olympia die Betriebe am Kleinen Grasbrook umziehen müssen. In Kürze: Hamburg zahlt. Laut der unterzeichneten Absichtserklärung sollen die Hafenunternehmen neue Flächen erhalten und soll die Stadt sowohl Ersatzinvestitionen als auch "weitere Kosten" einer möglichen Verlagerung tragen. Die gesamten Kosten schätzt man auf insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Mittlerweile hat auch der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily öffentlich gesagt, dass er sich Olympia in Hamburg wünsche: "Hamburg hat eine hervorragende Olympia-Bewerbung vorgelegt, die übrigens alles das vermeidet, was man mitunter kritisiert, wie den Gigantismus." Der Verein Doping-Opfer-Hilfe hingegen hofft, dass Hamburg den Weg Münchens gehen und Olympia ablehnen wird. Nicht aus Prinzip, sondern weil der Deutsche Olympische Sportbund nicht bereit sei, sich mit der Doping-Vergangenheit deutscher Athleten auseinanderzusetzen. "Wenn wir ein glaubwürdiges Olympia in diesem Land wollen", sagt die Vereinsvorsitzende Ines Geipel, "brauchen wir eine glaubwürdige Aufarbeitung und den seriösen Blick in die Vergangenheit". 

Stadt der Extreme

Mehr heiße Tage und Nächte und stärkere Regenfälle in Hamburg: Das prophezeit eine Klimastudie des Deutschen Wetterdienstes und der Umweltbehörde. Bis zum Jahr 2050 soll die Temperatur in Hamburg im Schnitt um 1,2 Grad ansteigen. Das klingt nach wenig, aber in der Konsequenz wird es im Herbst mehr regnen und wärmer werden. Im Sommer sollen die heißen Tage und tropischen Nächte zunehmen. Es sei aber möglich, sich "durch gezielte Stadtplanung" auf den Klimawandel vorzubereiten, sagt Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes. Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) mahnt, es sei wichtig, Parkanlagen und Straßenbäume zu erhalten.

Grünflächen absorbieren Wasser und sorgen durch kalte Luft für Kühlung. Fatal nur, dass es in Hamburg gegenläufige Tendenzen gibt. Bäume und Grünflächen werden immer weniger. Und erst vergangenen Donnerstag hat die Senatorin für Stadtentwicklung Dorothee Stapelfeldt (SPD) angekündigt, angesichts des großen Bedarfs an Wohnungen werde sich Hamburg auch auf die grüne Wiese erweitern müssen.  

Rückzieher beim NDR

Seit Samstag wissen wir: Xavier Naidoo, 44, fährt doch nicht für Deutschland zum Eurovision Song Contest (ESC) nach Stockholm. Nachdem vor allem in den Sozialen Medien eine Welle der Empörung losgebrochen war, gab der NDR am Samstag bekannt, dass der Sänger nicht antreten werde. Vorher hatte der NDR  – bei dem die Entscheidung über die Nominierung für den ESC liegt – statt, wie früher, den Kandidaten durch einen Wettbewerb zu ermitteln, gleich Naidoo nominiert. Daraufhin hagelte es Kritik, denn Naidoo hat in der Vergangenheit immer wieder für Irritationen gesorgt. Ihm werden Homophobie, Rechtslastigkeit und Antisemitismus vorgeworfen.

Der Popvokalist verkündet nun auf seiner Facebook-Seite, dass er den Rückzieher des NDR akzeptiere. "Meine Leidenschaft für die Musik und mein Einsatz für Liebe, Freiheit, Toleranz und Miteinander werden hierdurch nicht gebremst." Inzwischen hat auch ARD-Programmdirektor Volker Herres den NDR kritisiert. Man hätte zunächst intern über die Person Naidoo diskutieren müssen, statt gleich Fakten zu schaffen, sagte Herres der "Welt am Sonntag". "Das ist sehr unglücklich gelaufen."

Mittagstisch

Alles, was zu Wein passt

Einen vielfältigen Mittagstisch hat Weinberg Hamburg – Jause und Weinhandel in Altona. Jeden Tag gibt es dort ein anderes Hauptgericht, vom Irish Stew über Sauerbraten bis hin zum Auflauf. Außerdem gibt es auch immer einen Pastateller, zum Beispiel selbst gemachte Gnocchi, gefüllt mit Rucola in Käse-Rahm-Soße. Und wer nachmittags nicht zu viel zu tun hat, kann sich einen der 120 verschiedenen Weine aussuchen, die das große Regal an der Wand des Restaurants zieren. Um die 8 Euro, Große Bergstraße 247. Erich Flachland

Was geht

Literatur: Der Norden hat mehr zu bieten als Schwedenkrimis. Heute starten die "Nordischen Literaturtage" in Hamburg. Das Literaturhaus präsentiert ausgewählte skandinavische Literatur. Es lesen unter anderem Tomas Espedal (Norwegen), Satu Taskinen (Finnland) und Lotta Lundberg (Schweden). Schwanenwik 38, 20.30 Uhr

Konzert: Indierock im Doppelpack. We Are Scientists aus New York und Ash aus Nordirland haben sich zusammengetan und sind gemeinsam auf Tour. Wie sich diese Kooperation anhört, kann man heute Abend im Gruenspan überprüfen. Große Freiheit 58, 19.00 Uhr

Glühwein: Heute startet der Weihnachtsmarkt an der Apostelkirche in Eimsbüttel. Erst zum zweiten Mal überhaupt. Das Besondere hier: Während sich die Erwachsenen einen Glühwein gönnen, können sich die Kleinen auf dem dazugehörigen Spielplatz austoben. Bei der Apostelkirche, ab 14.30 Uhr

Was kommt

Hip-Hop: Wofür steht ASD? Für Allgemeiner Sozialer Dienst. Und für Afrob und Samy Deluxe. Das Duo ist gerade auf ihrer "Blockbasta Tour 2015", und am Samstag heißt es Heimspiel in der Großen Freiheit 36. Das Konzert ist offiziell ausverkauft. Aber Restkarten sollten noch irgendwie aufzutreiben sein. Samstag, Große Freiheit 36, 19.00 Uhr 

Kinder: Was ist besser als Kakao schlürfen und Märchen lesen? Kakao schlürfen und Märchen lesen an Bord eines Schiffes. Am Samstag können sich Ihre Kinder an Bord des Museumsschiffes "San Diego" in Hängematten einmummeln, und Schauspielerin Miriam Hensel liest aus dem Buch "Der Weihnachtspapagei". An der Überseebrücke, ab 15.30 Uhr

Shopping: Samstag und Sonntag findet in der Hamburger Messehalle das "Holy Shit Shopping"-Event statt. Dort findet man alles, was das Herz begehrt. Von Mode über Schmuck bis zu Möbeln. Dazu gibt’s Live-DJs und Street-Food. Tickets online. Messehalle 1B, ab Samstag 12 Uhr

Was bleibt

Gesichter: Am Mittwoch eröffnet die erste gemeinsame Ausstellung des Hamburg Museums, des Altonaer Museums und des Museums der Arbeit. "Hamburg ins Gesicht geschaut" zeigt Porträts von Menschen aus über 500 Jahren Hamburger Geschichte. Das sind rund 60.000 Bilder prominenter und unbekannter Menschen. Aber keine Sorge, Sie haben Zeit dafür: Die Ausstellung geht bis zum 22. Mai 2016. Ab Mittwoch im Hamburg Museum, Holstenwall 24

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said, schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

"Am Freitagabend war "die mit Abstand zweitbeste Mannschaft der Liga" (Bruno Labbadia) zu Gast im Volksparkstadion: Borussia Dortmund. Völlig unerwartet gewann der HSV das Spiel 3:1. Mit den drei Punkten verschaffen sich die Hamburger wieder ein wenig Luft nach unten. Allerdings war der Sieg teuer erkauft: Innenverteidiger Emir Spahić, der zuletzt immer besser wurde, zog sich eine schwere Bänderdehnung zu und wird dem HSV im Nordderby gegen Werder Bremen höchstwahrscheinlich fehlen."

Erik Hauth, bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

"Der FC St. Pauli wird seinem Ruf als freundlicher Aufbaugegner für abstiegsgefährdete Traditionsvereine wieder einmal gerecht und verliert verdient 2:0 gegen 1860 München. Zu einem Aufstiegskandidaten fehlt noch ein Stück; ich finde zum Glück."

Mehr über Fußball von Aimen Abdulaziz-Said und Erik Hauth

Meine Stadt

Sonntag, 22. November: Der Winter im Jahr 2015 © Sabeth Ohl


Was mögen Sie eigentlich am Norden (wenn kein Schnee da ist)? Auch "dieses Herbe, das Graue, das salzige Raue"? Falls nicht: Schreiben Sie uns. Falls ja: Im Netz sorgt gerade ein Video für Aufsehen: Die 24-jährige Poetry-Slammerin Mona Harry aus Ahrensburg hat ein Liebesgedicht an den Norden verfasst.

Davon gibt es sonst nicht so viele; kein Wunder, dass sogar das Kieler Wirtschaftsministerium das Video auf seinen YouTube-Kanal hochgeladen hat. Vorgetragen hat Mona Harry das schon vor Monaten bei einem Slam – ausgerechnet im tiefsten Bayern, in Deggendorf.

Die Frau ist mutig. Aber kann man bei so etwas böse sein: "Wer auch immer beschloss, dieses Land zuzubereiten – dieser Koch war so verliebt, sogar die Luft ist versalzen" ...?

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Oder wollen Sie, daran erinnert mich unsere Fotoredakteurin gerade, ein Foto mit uns teilen? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und eine gute Woche.

Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen.

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, so lange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.