Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

dies ist eine Premiere. Die Wochenzeitung DIE ZEIT schickt Ihnen eine Mail mit Nachrichten und Neuigkeiten aus der Hamburger Politik und Wirtschaft, aus Kultur und Stadtleben. Ich bin Mark Spörrle, bei der ZEIT stellvertretender Chef vom Dienst und Autor der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" auf den Hamburg-Seiten der ZEIT, und wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen ab jetzt jeden Morgen von montags bis freitags ein paar Dinge über unsere Stadt.

In der sich am Wochenende übrigens jede Menge düstere Gestalten herumtrieben. Abends klingelten Hexen und Monster an Wohnungstüren, verlangten Süßes und drohten mit Saurem und Rasierschaum, und tagsüber geisterte, "Lügenpresse" skandierend, der besorgte Bürger durch die Straßen. Der Halloweenspuk ist vorbei; der AfD-Protest gegen die Asylpolitik wurde von doppelt so vielen Gegendemonstranten gestoppt. Doch die Frage bleibt: Für wie viele ist der besorgte Bürger ein Kostüm? Und was kommt zum Vorschein, wenn die Maske fällt?

Olympia oder Nolympia?
Der Zukunftsrat hat sich am Sonntag gegen die Bewerbung Hamburgs für Olympia 2024 ausgesprochen. "Aus Sicht des Ressourcen-, Klima- und Naturschutzes können Olympische Spiele nicht nachhaltig sein", heißt es in dem Papier des Netzwerks von über 100 Vereinen, Initiativen, Instituten und Unternehmen, das sich für zukunftsfähige und generationengerechte Entwicklung einsetzt. Am Samstag hatten deutsche Segel-Stars wie Olympiasieger Jochen Schümann Flagge für Olympia gezeigt. Wer schon mal für die Spiele trainieren und Händchen halten mag: Am kommenden Sonntag will die Initiative "Feuer und Flamme" im Stadtpark die Olympischen Ringe mit einer menschlichen Kette nachbilden (Südring, 10.30 Uhr).

Den Blauen in den Roten – den Weißen in den Müll!
Üben müssen die Hamburger auch noch das Wählen. Ab sofort kann man nämlich beim Referendum für Olympia abstimmen. Toll, dass bis zum Freitag schon 14 000 per Brief gewählt hatten. Dumm nur, dass unglaubliche zehn Prozent der Stimmen ungültig sind! Perfider Protest? Nur Schusseligkeit? Hier für alle Fälle eine kleine Anleitung: 1. Großen weißen Umschlag mit den Unterlagen aufreißen. 2. Diese vor sich ausbreiten. 3. Auf dem Stimmzettel "Ja" oder "Nein" vermerken. 4. Stimmzettel in den richtigen Umschlag stecken, den blauen mit der Aufschrift "Stimmzettelumschlag". 5. Abstimmungsschein unterschreiben, Datum angeben. 6. Abstimmungsschein und blauen Stimmzettelumschlag in den roten Umschlag stecken (nein, der blaue Umschlag bleibt dabei zu!). 7. Den roten Umschlag – mit Inhalt – nicht wieder öffnen, sondern abschicken. 8. Den großen weißen aufgerissenen Umschlag (nein, nicht den roten!) im Altpapier entsorgen … Viel Glück!


How to travel by HVV
Große Aufregung um einen Hoax im HVV: "In der Winterzeit vom 1.11.15 bis 31.3.16 dürfen Flüchtlinge und Obdachlose den Hamburger Verkehrsverbund ohne Fahrausweis mitbenutzen" steht da auf einem Aufkleber in einer U-Bahn. "Eine Fälschung!", sagt Christina Becker von der Hamburger Hochbahn. Von wem, das weiß man nicht. Man weiß auch noch nicht, ob der Aufkleber wirklich existiert oder lediglich dessen auf Twitter vielfach verbreitetes Foto. Will da jemand Neid schüren oder umgekehrt Mitmenschlichkeit provozieren? Flüchtlinge, die sich auf die Aufschrift berufen und sich deshalb dauerhaft in der U-Bahn aufhalten wollen, wurden noch nicht gesehen, dafür streifen HVV-Mitarbeiter durch die Bahnen, um den vermaledeiten Sticker zu finden. Aber was, wenn die Kontrolleure dabei doch einen Flüchtling ohne gültige Fahrkarte antreffen? Wenn Nicht-Hamburger glaubhaft erklären könnten, warum sie keine gültige Fahrkarte hätten, sagt Christina Becker, werde ihnen das Bußgeld erlassen. Ob fremdsprachigen Flüchtlingen da die neue Broschüre "How to travel by HVV" auf Englisch und Arabisch hilft?

"Wo drückt der Schuh?"
Das fragt die Hamburger Verbraucherzentrale. Dort will man wissen, was den Konsumenten auf die Nerven geht, wo die "drängendsten Probleme" liegen: Sind es "Mogelpackungen" bei Lebensmitteln, wurden einem "IGeL-Leistungen aufgedrängt", fehlt der "Durchblick beim Kleingedruckten (AGB)"? Wenn Sie sich also schon immer über Gammelfleisch beim Arzt beschweren wollten, hier kommt Ihre Chance.

MITTAGSTISCH

Glasnudeln & Minzcocktail
O-ren Ishii ist der Name der Yakuza-Chefin in dem Kung-Fu-Western Kill Bill. Das wissen viele. Dass dies aber auch der Name des besten vietnamesischen Restaurants in Hamburg ist, sollte am besten unter uns bleiben. Der kleine Laden ist eh schon rappelvoll: Bierbänke draußen, Holztische unter Lampions drinnen. Der Barmann mischt Minzcocktails, zur Lunchzeit natürlich alkoholfrei, und den Gaumenschmeichler-Glasnudelsalat gibt es für 5,90 Euro. Einige treue Liebhaber bestellen ihn täglich. Andere lockt die wechselnde Tageskarte: vietnamesischer Crêpe mit Garnelen oder Schweinebauch zum Beispiel. (Kleine Reichenstraße 18; täglich 9–18 Uhr)
Carla Kraft

Was geht?
Namaste! Heute startet Hamburgs India Week. In 80 Veranstaltungen geht es um Yoga, Buddha und Bollywood, um Tänze aus Kolkata oder indischen Sufismus. Von 2. bis 8.11.2015, Programm unter www.indiaweek.hamburg.de

Bestsellerautor Robert Harris erzählt in "Dictator" von einer älteren mächtigen Nation, den großen Männern der römischen Republik. Zentralbibliothek, Hühnerposten 1, heute 20 Uhr

Queer-Queen-Rapper Mykki Blanco wechselt so unaufgeregt zwischen Mann und Frau wie Lady Gaga ihre Kostüme. Mit der von ihm gegründeten Dogfood Music Group spielt er heute live im Übel&Gefährlich, Feldstraße 66, 20 Uhr. Hier ein Interview mit dem rappenden Transvestiten über Homophobie im Rap

Was kommt?
Wie das Feuer in die Welt kam, das Haselnusskind nach Afrika flog und die Prinzessin die Sonne in den Königspalast holte, erfährt man bei den 12. Hamburger Märchentagen, die am Freitag starten, diesmal mit jüdischen, arabischen und armenischen Märchen. Hier geht es zum Programm.

Kunstfreunde, aufgehorcht: Auf dem altonale Kunstherbst stellen Hamburger Künstler ihre Malereien, Zeichnungen, Fotografien oder Skulpturen nicht nur aus, sondern auch zum Verkauf, Samstag,11.00–19.00 Uhr, Sonntag,11.00–18.00 Uhr, Ex-Englandfähreterminal

Und alle so: Autoscooter! Dosenwerfen! Yeah! Am Freitag startet der Winter-Dom. Für jene, für die Dom ist, wenn kein Dom ist, ist das ja auch eine relevante Information: Bis 6. Dezember 2015, Heiligengeistfeld, 15 bis 23 Uhr

Was bleibt?
Die kälteste aller Jahreszeiten, seit Jahren. Daher ist die Freiluft-Eisbahn INDOO Eisarena im Planten un Blomen ab sofort wieder geöffnet. Freitags und samstags mit Live-DJ und Schlittschuhdisco ab 19 Uhr, Holstenwall 30

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Aimen Abdulaziz-Said schreibt bei ZEIT ONLINE die HSV-Kolumne

"Der HSV aus Hamburg hätte mit einem Sieg gegen den formschwachen HSV aus Hannover einen ordentlichen Sprung in der Tabelle machen können. Nach früher 1:0-Führung versäumten die Hamburger es aber, nachzulegen. Stattdessen kassierten sie wie aus dem Nichts zwei Gegentreffer. Der HSV bleibt somit auf Platz 10."

Erik Hauth bloggt auf ZEIT ONLINE über den FC St. Pauli

"Trotz eines verschossenen Elfers von Lasse Sobiech kann der FC St. Pauli mit dem 1:1 in Bochum zufrieden sein. St. Pauli hat darüber hinaus einen neuen Vollstrecker: Außenverteidiger Kalla; köpfte ganz in Mittelstürmer-Manier."

MEINE STADT

© Mark Spörrle

"Grüner Punkt nähert sich dem Speersort" 
Mark Spörrle

Ich gebe zu: Das Foto zu machen war einfach. Jetzt sind Sie dran:
Zeigen Sie uns, wie Sie Hamburg sehen. Ist Ihnen etwas Komisches, Tragisches, in klein oder in groß vor die Linse des Smartphones gekommen, und möchten Sie, dass wir Ihr Foto in der Elbvertiefung bringen? Schicken Sie es an elbvertiefung@zeit.de


Das war sie also, unsere erste Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, haben Sie den Hoax mit der freien Fahrt für Flüchtlinge im HVV initiiert, oder wissen Sie etwas, was unbedingt in der Elbvertiefung stehen sollte? Bitte schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Bis morgen, wenn Sie mögen!

Ihr
Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gerne weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, und gefällt er Ihnen ebenfalls, melden Sie sich doch ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.

PS 2: Ach so, warum all das Elbvertiefung heißt? Ob wir also am Ende tatsächlich für ... – oder ob das eher als Metapher für unsere Arbeit zu sehen ist? Warten Sieʼs ab.

------

Schnell sein lohnt sich: Melden Sie sich bis Sonntag an und gewinnen Sie ein Ticket zur Verleihung des Marion Dönhoff Preises für Sie und eine Begleitperson am 29.11.2015! 

Einsendeschluss: 8.11.2015. Teilnahmebedingungen: Die Teilnahme ist unabhängig von einer Bestellung. Wenn Sie den Newsletter nicht bestellen möchten, senden Sie zur Gewinnspiel-Teilnahme eine E-Mail mit dem Betreff "Marion Dönhoff Preis" an elbvertiefung@zeit.de.  Teilnehmen kann jeder mit Ausnahme von Mitarbeitern der ZEIT und des Marion Dönhoff Preises.

------