Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

eine Nachricht hat uns doch ein wenig getroffen: Kann es sein, dass wir knausriger sind als der Rest Deutschlands? Laut einer Untersuchung der FOM Hochschule aus Essen plant der Hamburger, dieses Jahr im Schnitt  441,20 Euro für Weihnachtsgeschenke auszugeben. Das klingt viel, aber der Durchschnittsdeutsche will angeblich sogar 460 Euro hinblättern, vor allem für Familienmitglieder und den Partner.

Schneidet Hamburg also nur der vielen Singles wegen so schlecht ab?  Herrscht hier immer noch die Sparsamkeit der Pfeffersäcke?

Oder glauben wir, bevor wir weiterrätseln, nicht doch lieber dem größten deutschen Marktforschungsinstitut, der GfK: Die geht im Schnitt von 274 Euro pro Person für Weihnachtsgeschenke aus – aber die Spendenbereitschaft sei gestiegen.

Das glauben wir irgendwie lieber. Ich hoffe nur, meine Tochter versteht das. 

Wie christlich sollen unsere Weihnachtsmärkte sein? Die Ergebnisse unserer Leserumfrage

Wer hätte gedacht, dass Weihnachtsmärkte ein derart umstrittenes Thema sein könnten? Auf unsere Frage, wie christlich ein solcher Markt heutzutage (noch) sein müsse, bekamen wir Hunderte Antworten, und jede Meinung war vertreten. Die knappe Mehrheit scheint mit dem Status quo der meisten Weihnachtsmärkte ganz einverstanden zu sein: 31,4 Prozent stimmten der Aussage zu: "Ich mag es traditionell und mit christlicher Symbolik, aber etwas kommerziell darf's schon sein. Wo soll ich sonst die letzten Weihnachtsgeschenke bekommen?" Gleich dahinter folgt allerdings mit 24,8 Prozent die Fraktion derer, die Themenmärkte wie einen Wichtel- oder Mittelaltermarkt schätzen. Und immerhin noch 15,2 Prozent wünschen sich den idealen Markt so christlich, traditionell und unkommerziell wie möglich – so also, wie er kaum noch irgendwo anzutreffen ist. Eher weniger Leser (8,3 Prozent) sind dagegen der Ansicht, wir sollten uns mit christlicher Symbolik zurückhalten. Erstaunlich niedrig sind auch die Quoten derer, die offen gestehen, dass es ihnen nur auf den Glühwein ankommt, nicht auf das Drumherum, und derjenigen, die Weihnachtsmärkte am liebsten abschaffen würden (jeweils 4,5 Prozent). Dafür erreichte uns mehrfach der Wunsch, wenigstens den Weihnachtsmann außen vor zu lassen. Aber vielleicht können wir uns ja auf zumindest eins einigen. Wie ein Leser uns schrieb, kostet auf dem "Blankeneser Winterfest" ein Crêpe "mindestens 4,50 Euro": Weihnachtsmärkte sollten, wenn nicht explizit christliche, so doch menschenfreundliche Preise haben.

Das Klagen der Reeder

Dass die Schiffseigentümer klagen, ist man gewohnt; in der Branche herrschen niedrige Frachtraten und hohe Überkapazitäten. Die bevorstehende Sanierung der HSH Nordbank könnte die Lage weiter verschärfen, hieß es beim Jahrestreffen des Verbands Deutscher Reeder (VDR) in Hamburg: Die Bank gibt 8,2 Milliarden Euro an faulen Schiffskrediten ab. "Wenn nun viele Schiffe auf den Markt geworfen werden, dann werden die Preise weiter sinken", sagte VDR-Präsident Alfred Hartmann. Die Reeder fragten nach Unterstützung heimischer Unternehmen. Noch stellen Deutschlands Reeder die viertgrößte Handelsflotte weltweit. Doch laut VDR ging die Zahl der Schiffe in den ersten neun Monaten dieses Jahres von 3244 auf 3211 zurück. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verringerte sich von über 7000 auf 6700. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Reedern im Oktober umfangreiche Entlastungen zugesagt: Künftig dürfen diese für Seeleute, die unter deutscher Flagge fahren, die Lohnsteuer behalten und bekommen die Beiträge zur Sozialversicherung erstattet. Um weitere Kosten zu sparen möchten die Schiffseigner nun, dass auch die Position des Schiffsmechanikers an Bord nicht mehr Pflicht ist.

Home bald wieder Castle?

7490 Einbrüche zählte die Polizei im vergangenen Jahr in Hamburg, 8,2 Prozent mehr als im Jahr 2013. Und nur jeder zwölfte wurde aufgeklärt. Alexandra Klein will das ändern. Die 44-jährige Kriminaloberrätin leitet die Sonderkommission mit dem schönen Namen "Castle". Ihre Mission: Hamburg "unattraktiv" für Einbrecher zu machen. Ihre Mittel: eine große Mannschaft und die "Freiheit, neue Wege zu entwickeln". Wie das aussieht? Die Analysten der Kripo versuchen am Computer, die Arbeitsmuster der Täter zu durchleuchten. Die kommen mal als Bande aus dem Osten daher, mal als Familienbetrieb, mal als schick gekleidete junge Frauen mit etwas zu großen Handtaschen und Hebelwerkzeugen für Altbautüren. Zivilfahnder heften sich manchmal tagelang an die Fersen eines Verdächtigen, so entsteht ein Netz aus Informationen und Bewegungsbildern. Wie Alexandra Klein damit schon erste Erfolge verbucht hat, beschreibt Matthias Rebaschus in der ZEIT:Hamburg. Und ganz nebenbei erfahren Sie dort,wie Sie Ihr Heim gegen unterschiedliche Arten von Einbrechern schützen können. Da gibt es den "Bohrer", den "Balkonkletterer", den "Dachziegelabdecker". Und den "Flipper"; vergessen Sie den sympathischen Fernsehdelfin...

Wohnungen vom schwarzen Hund

Schon lange gilt Wilhelmsburg als eines der Viertel, denen die große Gentrifizierung bevorsteht – und bald gibt es auch ordentlich Raum für Zuzöglinge. 1400 neue Wohnungen sollen da entstehen, wo heute noch die Reichsstraße liegt. Die wird verlegt, Grünflächen wurden eingeplant. Das ganze Viertel soll barrierefrei sein, mindestens ein Drittel der Wohnungen sollen Sozialwohnungen werden. Große Pläne. Ohne Proteste der Anwohner – die wurden in die Planung einbezogen. Und auf sogenannten "Jokerflächen" ist noch Platz für neue Projekte und Ideen. Gestaltet haben das die Architektenbüros DeZwarteHond aus Rotterdam und RMP Stephan Lenzen aus Hamburg. Da sind wir gespannt, ob Wilhelmsburgs Zukunft wirklich so glänzt wie dieser Entwurf.

Die Geister, die ich rief

Die Max-Nonne-Straße in Langenhorn soll umbenannt werden. Eigentlich eine einfache Sache, könnte man meinen. Aber nun wird es kompliziert. Die Straße, derzeit benannt nach dem UKE-Mediziner Nonne (1861–1959), der sich für Euthanasie aussprach, soll, berichtet das "Hamburger Abendblatt", in Zukunft lieber anders heißen. Die Kulturbehörde wünscht sich, dass eine Frau gewürdigt werden solle, vorzugsweise eine, "die sich durch ihre antifaschistische Grundhaltung, ihren Einsatz für die Menschenrechte und ihr Bekenntnis zur Menschenwürde" auszeichne. Die Anwohner sollten auch mitreden dürfen. Deren Vorschläge wurden dann von der Politik abgelehnt, unter anderem der Name "Am Bornbach", nach dem in der Nähe fließenden Bach. Dieser ist auch unseres Wissens nach weder weiblich noch ein besonderes Bekenntnis zur Menschenwürde. Unter den Vorschlägen der Anwohner war immerhin auch Loki-Schmidt-Straße. Aber SPD, Grüne und Linke einigten sich lieber auf "Ursula-de-Boor-Straße", Ursula de Boor war in der Nazizeit Ärztin und Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose. So weit, so gut? Nein. Anwohner legten Beschwerde ein und wandten sich an den Eingabenausschuss wegen "Missachtung des Bürgerwillens". Der Unmut, betont eine von ihnen, richte sich aber keinesfalls gegen die Widerstandskämpferin selbst.

18-Jähriger wegen Mordes an Mitschüler verurteilt

Die tödliche Messerattacke an einer Schule in Wilhelmsburg schockierte im April ganz Hamburg. Ein 18-Jähriger hatte einen 17-Jährigen in der Nelson-Mandela-Schule nach einem Streit vor den Augen der Mitschüler mit einem Küchenmesser erstochen. Die beiden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge aus Afghanistan besuchten einen Deutsch-Vorbereitungskurs. Gestern verurteilte das Landgericht den jungen Mann wegen Mordes zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten. "Es ist ein Schatten auf unsere Stadt gefallen", hatte Bürgermeister Olaf Scholz damals bei einem Besuch des Tatorts gesagt.

Mittagstisch

Benvenuto bei mama

Wirkt der Name nun abschreckend oder anziehend? Mit der einen oder anderen Latte-macchiato-Mutter sollte jedenfalls rechnen, wer sich auf den weißen Küchenstühlen der sachlich-modernen Trattoria niederlässt. Es gibt klassisch Italienisches von Antipasti über Salat bis Pizza, wobei Letztere in drei Varianten auftritt: Wer die ewige Tomatensauce der "Classica" satthat, bestellt "Bianca" (mit Frischkäsecreme und Kartoffelscheiben) oder die hauchdünne "Fina", die erst nach dem Steinofen mit frischen Zutaten wie Thunfisch oder Rucola belegt wird. Zwischen 6 und 15 Euro, auch ausreichend Vegetarisches und notfalls zum Mitnehmen.

mama trattoria, Schauenburgerstraße 44, Montag bis Sonntag 11.30–23.30 Uhr

Iris Mainka

Was geht

  • Konzert: Ihr Hit "Fickt-Euch-Allee" wird gerade rauf und runter gedudelt, und auch sonst ist die Band Großstadtgeflüster am besten Punkt zwischen "Geheimtipp" und "Haben wir alle schon dreimal gesehen". Molotow, Nobistor 14, Freitag, Einlass ab 19 Uhr
  • Film: Das 27. Hamburger Nachwuchs-Filmfestival "abgedreht!" zeigt Arbeiten junger Filmemacher. Und Action! Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, Freitag, 10.30, 12 und 20 Uhr
  • Tanz: Macht mal 'nen Break! Tolle Tänzer und amtliche Beats bei der Gala der HipHop-Academy. Kampnagel, K6, Jarrestraße 20, Freitag, 19 Uhr

Was kommt

  • Adventskonzert: Seine Klänge sorgen für innere Stille: John Rutters Bibel-Vertonung "Magnificat". Samstag, 19 Uhr, Hauptkirche St. Trinitatis, Kirchenstraße 40
  • Kinder: Danach kann auch Oma fließend Matrösisch! Familienführung durch die Welt der Seefahrt: "Was? Wie? Wo? Ach so!" Sonntag, 13–14 Uhr, Hamburg Museum, Holstenwall 24
  • Eishockey: Verdammt schnell, dieser Puck, und ganz ohne Sommernachtstraum. Hamburg Freezers gegen Straubing Tigers, Sonntag, 14.30 Uhr, Barclaycard Arena
  • Tanztag: Jeden Sonntag feiert der Juice Club Frühschicht. Wechselnde DJs sorgen den ganzen Tag lang für tanzbare Elektrobeats. Stresemannstraße 204, Sonntag, 8–20 Uhr
  • Kino: Beflügelnd! Im Schwarz-Weiß-Filmklassiker "It’s a Wonderful Life" erkennt James Stewart mit Engelshilfe, wie trist es ohne ihn wäre. Originalfassung. Sonntag, 12 Uhr, Savoy, Steindamm 54
  • Hip-Hop: Ziehen der Gesellschaft das Fell über die Ohren: die Rapper von Antilopen Gang. Anspieltipp: "Ikearegal". Uebel & Gefährlich, Feldstraße 66, Sonntag, 19 Uhr

Letzte Chance

  • Chanukka an der Alster: Das jährliche jüdische Lichterfest erinnert an das Wunder zur Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem. Dort war für den siebenarmigen Leuchter, die Menora, deren Licht nie erlöschen sollte, nur noch ein Krug heiligen Öls vorhanden. Eigentlich bloß genug für einen Tag – aber das Öl reichte acht Tage. Dies wird auch in diesem Jahr unter anderem wieder an der Binnenalster gefeiert. Bis zum 13. Dezember wird jeden Abend eine weitere Kerze des sechs Meter hohen Leuchters angezündet. Diesen Sonntag ist die letzte, achte Kerze dran. Dazu gibt es ein Fest mit jüdischer Live-Musik, koscherem Glühwein, koscheren Chanukka-Berlinern und einer großen Kinder-Tombola. Neuer Jungfernstieg/Lombardsbrücke, Sonntag, ab 17 Uhr

Hamburger Schnack

Wilhelmsburg, Einkaufszentrum. Ein junges Pärchen kommt durch den Eingang einer größeren Drogeriekette, da geht der Diebstahlalarm los! Niemand anders ist in diesem Bereich zu sehen. Sagt er vernehmbar:

"Wir klauen schon vor dem Reinkommen!"

Gehört von Wolfgang F. W. Paul

Meine Stadt

"Hoher Besuch in der Langen Reihe" © Marion Hitzeler

Erinnern Sie sich noch an den Yorkshire Terrier, von dem wir gestern berichteten? Der sich auf den Weg nach Flensburg gemacht hatte?

Wir wussten nicht, was der Hund dort wollte. Aber zum Glück haben wir ja Sie!

"Vielleicht wollte der Hund einfach nur nach Flensburg", schrieb uns ein Leser, "dort bei der Marine anmustern, als Seehund bei den Seestreitkräften – nach ein paar Jahren dann zum Marinekommando in Rostock, später evtl. irgendwas bei der NATO in Brüssel ..... aus der Traum. Der Hund ist wieder in Hamburg. "

Welche Karriere der Hund mit seiner vorgetäuschten Entführung doch hätte haben können...

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönes Wochenende.

Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

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