Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

gestern bekam ich Post von Robert Mosberg, Sprecher von lekker Energie. Er sieht sein Unternehmen in der Elbvertiefung von vorgestern falsch dargestellt: "Sie erwecken den Eindruck, lekker Energie würde sich mit ausgezeichneten Service schmücken, in Wahrheit aber bestünde dieser Service in der Kündigung des Stromanschlusses ihrer Kunden."

Es lag uns natürlich fern, nahezulegen, lekker Energie biete allen Ernstes einen derart eingeschränkten Service an, nämlich seinen Kunden zu kündigen – was auf Dauer äußerst kurzsichtig wäre. Und ja, Herr Mosberg hat völlig recht: "Allein Stromnetz Hamburg verantwortet diese Panne."

Beziehungsweise, so sagte man uns, der Computer dort.

Mal sehen, ob der uns jetzt auch schreibt.

Wir sind doch gern ein Geheimtipp!?

Hamburg ist nicht Berlin und nicht München – eigentlich sind die Hamburger damit auch ganz zufrieden. Aber ab und zu taucht er auf, der Phantomschmerz. Jetzt sprach Bürgermeister Olaf Scholz von Hamburg als "Second City" im Vergleich zu anderen europäischen Touristenmagneten. Er hoffe auf die Anziehungskraft der Elbphilharmonie. Dabei geht es der Tourismusbranche hier gut. Allein 2014 stieg die Zahl der Übernachtungen von Hamburg-Besuchern um 3,5 Prozent. Im Sommer waren die Hotels derart ausgebucht, dass spontan Angereiste in Lüneburg und Kiel nächtigen mussten. Und obwohl Olympia nicht kommt, rechnet Dietrich von Albedyll, Chef der Hamburg Tourismus GmbH, weiter mit Zuwachs. "Das Ergebnis ändert nichts an der positiven Einschätzung der Tourismusentwicklung." Weshalb wir uns fragen: Muss Hamburg denn eine "First City" werden? Berliner ächzen, weil ihre Nachbarschaft nur noch aus Airbnb-Gästen besteht. Münchner stöhnen, weil jedes Gespräch mit ihnen mit dem Hofbräuhaus oder dem FC Bayern eingeleitet wird. Hamburg dagegen ist zu unbekannt, als dass die Welt sich schon auf ein Klischee geeinigt hätte. Vielleicht auch, weil Hamburg nicht nur Stadt ist, sondern die Summe seiner vielen Kieze, immer wieder anders und immer wieder überraschend. Und, liebe Münchner: Es gibt hier sogar zwei Hofbräu(wirts-)häuser.

Krankenhauspersonal braucht Hilfe

Wer ins Krankenhaus kommt, will am Ende wieder gesund nach Hause gehen. Laut der Gewerkschaft ver.di ist das nicht so leicht: Mehr als 4000 Schwestern und Pfleger fehlten allein in Hamburg. Ver.di hat beim Bundestag eine Petition eingereicht, die mehr Personal fordert. "Die schlechten Arbeitsbedingungen", sagt Sylvia Bühler vom ver.di-Bundesvorstand, "machen die, die sich um Kranke kümmern, selbst krank." Das bewiesen Berichte auch aus Hamburger Krankenhäusern: Patienten lägen stundenlang in ihren Exkrementen, andere bekämen Medikamente und Nahrung viel zu spät. Schwestern und Pfleger empfänden "extreme psychische Anspannung, Gefühle der Machtlosigkeit, des Nicht-Schaffens". Rico Schmidt von der Hamburger Gesundheitsbehörde sieht derzeit keinen zusätzlichen Handlungsbedarf. "Das neue Krankenhausstrukturgesetz setzt bereits an diesem Punkt an." Es sieht unter anderem vor, ab 2016 rund 660 Millionen Euro in Pflegekräfte zu investieren. Doch bundesweit, rechnet Michael Stock von ver.di, ergäbe das nur ein bis drei Stellen pro Klinik. "Das reicht nicht aus, das verdunstet." Stocks Forderung: "Die Länder, auch Hamburg, müssten viel forscher an die Sache rangehen." Ein neutraler Qualitätsprüfer könne Missstände besser aufdecken. Und bei großer Personalnot müsse eine Station auch mal einfach geschlossen werden.

S 4 – wird günstiger!

Olympia ist kaum abgewählt, da rücken andere Mammutprojekte in den Vordergrund. Etwa die neue S-Bahn-Linie 4 von Hamburg nach Bad Oldesloe. Bei der begann das übliche Spiel: Erst sollte die Bahnlinie 350 Millionen Euro kosten, dann 630 Millionen, kurz darauf eine Milliarde. Wer Hamburgs Bauprojekte kennt, weiß: Da wäre noch Luft nach oben gewesen. Jetzt aber legt die Stadt den Rückwärtsgang ein: "Die S 4 wird 90 Millionen Euro günstiger", teilte Verkehrsausschuss-Vorsitzender Ole Thorben Buschhüter (SPD) mit. Man verzichte einfach darauf, zwischen Ahrensburg-Gartenholz und Bargteheide ein zusätzliches Gleis zu bauen. "Prüfungen haben ergeben, dass das gar nicht nötig ist." Interessant, dass Fehlplanungen auch mal Geld einsparen. Für Delingsdorf fällt leider auch der Bahnhof weg. Und so liegen die Baukosten jetzt wieder bei rund 915 Millionen Euro. Eines der stärksten Argumente für den Bau der Linie ist allerdings auch weggefallen; hoffen wir, dass es keiner merkt: Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) hatte in einem Brief an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) betont: "Dieses Projekt ist zwingende Voraussetzung für die Entlastung des Hamburger Hauptbahnhofs – und damit für die erfolgreiche Bewerbung für die Olympischen Spiele.

Back dir deinen Lehrling

Fast ein Drittel der Hamburger Handwerksbetriebe sucht qualifizierte Mitarbeiter, und das oft vergeblich. In der Vergangenheit wollte man beispielsweise mit einer Imagekampagne auf sich aufmerksam machen, mit Sprüchen voll subtiler Wahrheiten wie: "Zugegeben, Hamburg ist uns ganz gut gelungen. Aber wir hatten ja auch 1200 Jahre Zeit." Jetzt hat die Handwerkskammer Hamburg zusammen mit der Bäcker-Innung Schüler einer der Flüchtlingsklassen, in denen die Jugendlichen Deutsch lernen, in die Lehrwerkstatt eingeladen. Diese Idee kam von einem Lehrer der Stadtteilschule Süderelbe. Die Jungs und Mädchen waren offenbar angetan vom Brötchenbacken. Bei der Handwerkskammer ist man begeistert. Wir schlagen vor, die Kurse schnellstens auszuweiten. Bei den Installateuren, das wissen wir aus eigener Erfahrung, sind gute Kräfte dringend nötig.

"Mark fragt Kilian"

16,9 Millionen Euro – so viel Verlust wie in diesem Geschäftsjahr machte der HSV noch nie. Andererseits, und da gibt es einen Zusammenhang: So erfolgreich wie jetzt war der HSV auch lange nicht mehr. Aber Geld ist nicht alles, oder? Zeit für drei Fragen an Kilian Trotier, den Fußballexperten der Zeit:Hamburg

Der HSV steht auf einmal nicht mehr am Tabellenende. Was ist da los?

Das liegt am HSV selbst: Die Mannschaft ist gefestigter, sie hat eine Struktur, ein klares Spielsystem – kompakt in der Abwehr und dann geradlinig nach vorn kontern. Es liegt aber auch an der Konstellation in der Bundesliga: Ganz oben stehen die Bayern, dann kommt lange nichts, dann kommt Dortmund, dann lange nichts, dann Wolfsburg, Mönchengladbach, Leverkusen, Schalke, und ab der Mitte der Tabelle gibt es eine große Masse an Mannschaften, die alle ungefähr gleich gut sind. Der HSV steht dort gerade am oberen Ende. Das muss nicht so bleiben, kann es aber, wenn der Verein so weiterspielt.

Wie schafft Trainer Labbadia das? Mit Am-Spielfeldrand-Stehen und Armfuchteln?

Als Bruno Labbadia kam, hatte er nur ein Konzept: mit Kampf und Willen den Klassenerhalt schaffen. Das hat geklappt. Seit der neuen Saison hat er dem Verein das gegeben, was immer gefehlt hat: Sicherheit. Es gibt Führungsspieler, die wissen, dass der Trainer auf sie setzt (Adler, Djourou, Holtby, Ilicevic, Müller). Es gibt keine Spieler mehr, die vorgeben, Führungsspieler zu sein, es aber auf dem Platz nicht wirklich sind (van der Vaart, Westermann, Behrami). Und dann ist da zum ersten Mal seit Jahren so etwas wie Kontinuität. Auch für die steht Bruno Labbadia. Er liebt den Verein, identifiziert sich voll mit ihm. Und lebt den Spielern vor, wie man für diesen Verein lebt. 

Zählt beim Fußball also vor allem die Psychologie?

Nein. Aber Psychologie zählt verdammt viel. Der HSV lebte zwei Jahre lang im Ausnahmezustand. Jetzt fühlt sich jeder einzelne Spieler besser, anerkannter, die ganze Mannschaft hat es geschafft, ihr Image zu wandeln. Der HSV ist wieder eine ganz normale Bundesligamannschaft. Dass sie das in so schneller Zeit erreicht hat, entlastet die Spieler mental. Und lässt sie wieder befreiter aufspielen.

Mittagstisch

Ein Goldstück

Schmuck gibt es hier schon lange nicht mehr, dafür gutes Essen – in der Mittagspause Gold wert. Die Betreiber des Juweliers in Eimsbüttel haben die Räume eines Goldschmieds gemütlich eingerichtet und verkaufen in ihrer Espressobar neben Feinkost und Kuchen auch täglich wechselnde Mittagsgerichte – für den kleinen Salat- und den großen Fleischhunger. Weidenallee 29, geöffnet von 8–18 Uhr, Mittagstisch von 12–15 Uhr.

Marie Reifrock

Was geht

Musik: "Battle" gibt es nicht mehr nur im Hip-Hop. Beim Singer Slam treten Sänger gegeneinander an und buhlen um die Gunst von Publikum und Jury. Zeise, Friedensallee 7–9, Freitag, 22.30 Uhr

Kino: So sympathisch bringt man ein wichtiges Thema zur Sprache: "Klappe auf!" ist das 2. Inklusive Kurzfilmfestival. Metropolis, Kleine Theaterstraße 10, Eröffnung Freitag, 18 Uhr

Markt: Zwischen Kulissen und Requisiten ist viel Platz für  Glühwein, Musik und Stimmung: Winterbasar der  Hanseatischen Materialverwaltung. Stockmeyerstr. 41–43, 12–22 Uhr, Flohmarkt, 12–18 Uhr

Was kommt

Konzert:  Parov Stelar mischt Swing, House, Elektro und Breakbeat, tanzbar, schnell und trotzdem mit Retro-Melancholie-Charme. Sporthalle Hamburg Krochmannstraße 55, Samstag, 20 Uhr

Theater: Ein Luxusdampfer und ein Flüchtlingsboot auf Kollisionskurs: Intendantin Karin Beier navigiert mit  Fellinis "Schiff der Träume" im Feld der Politik. Schauspielhaus, Kirchenallee 39, Samstag, 20 Uhr

Tiere & Nikolaus: Zu braven Vierbeinern kommt der  "TierNikolaus" – für artige Zweibeiner gibt’s eine Geschichte und gemeinsames Basteln. Tierheim Süderstraße, Süderstraße 399, Sonntag, 10–12 Uhr

Letzte Chance

Dom: "WEER hat noch nicht, wer will noch mal mal mal?" Nur noch dieses Wochenende gibt’s Zuckerwatte und Autoscooter, dann wird der Winterdom abgebaut. Vorsichtig, der Blindgänger wegen ... Heiligengeistfeld, Freitag und Samstag 15 bis 24 Uhr, Sonntag, 14 bis 23 Uhr

Hamburger Schnack

Bus M15 Richtung Alsterchaussee: Drei Jugendliche legen sich mit dem Busfahrer an, worum es geht und wer angefangen hat, das ist keinem der Gäste klar. Plötzlich steht der Busfahrer auf, geht cool durch den Bus und sagt: "So Jungs, ihr nehmt den nächsten Bus und denkt in der Zeit darüber nach, wie man sich zu benehmen hat."

Die Jungs gehorchen. Noch vor der Abfahrt ruft der Busfahrer durch die offene Tür: "Und trinkt erst mal eure Milch aus."

Gehört von Laura Backes in Altona

Meine Stadt

"Geht's jetzt wieder von vorne los...? ;-)" © Lars Gellermann

Zum Abschluss noch etwas Erfreuliches: Die Hamburger Kinder sind gesünder als vor 10 Jahren. So das Ergebnis einer Studie der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz anhand von Schuleingangsuntersuchungen. Kinder zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren seien heute zudem seltener übergewichtig, hätten seltener Allergien und würden häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen gebracht. Wir sind allerdings sicher: Die Studie wurde abgeschlossen, bevor die furchtbare Erkältungs- und Grippewelle der letzten Monate losbrach.

Das war sie wieder, die "Elbvertiefung". Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de – und fügen Sie gerne auch Schnack oder Bilder bei!

Ich wünsche Ihnen ein gesundes Wochenende.

Am Montag lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle


Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter www.zeit.de/elbvertiefung. Dann schicken wir Ihnen die neue "Elbvertiefung", solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.