ZEIT ONLINE: Wie kommt man mit Ende zwanzig auf die Idee, maßgeschneiderte Anzüge zu verkaufen?

Simon Schmidt: Ich habe eine Ausbildung im Textilbereich gemacht. Danach habe ich BWL studiert. Für mich war aber immer klar, dass ich danach wieder was mit Mode machen würde. Die Frage war nur: Gehst du zu einem großen Unternehmen und schuftest dich tot, bis du hoffentlich irgendwann irgendwie aufsteigst? Oder machst du dich selbstständig?

ZEIT ONLINE: Klingt so, als ob der Entschluss nicht schwerfiel.

Schmidt: Ja, ich wusste ziemlich früh, dass ich was Eigenes machen will. Aber auf gar keinen Fall allein. Deswegen habe ich meine beiden Kumpel Rico und Victor mit ins Boot geholt. 

Rico Albert: Ich habe nicht lange gezögert, als Simon mir von seiner Idee erzählt hat. Ich habe zwar Bau- und Immobilienmanagement studiert, bin aber schon immer sehr modeinteressiert.

ZEIT ONLINE: Warum sollten es unbedingt maßgeschneiderte Anzüge sein?

Schmidt: Wir hatten schlicht nicht die finanziellen Mittel, um große Kollektionen à la Hugo Boss zu vertreiben. Deshalb haben wir uns ganz pragmatisch überlegt, was mit unserem Budget realistisch ist.

ZEIT ONLINE: Wie viel Startkapital hattet Ihr?

Schmidt Nur 10.000 Euro. Das Gute an Maßkollektionen ist, dass nur auf Anfrage produziert wird. Dieses Geschäft erschien uns mit unseren bescheidenen Mitteln Erfolg versprechend. Wir haben einfach gesagt: Geil, das machen wir.

ZEIT ONLINE: Maßgeschneiderte Anzüge zu verkaufen – das ist nicht gerade wahnsinnig innovativ. Wie hat Euer Umfeld auf diesen Plan reagiert?

Albert: Es waren schon sehr viele Skeptiker dabei. Die hatten ganz einfach Sorge, dass unser Konzept nicht angenommen wird. Aber wir haben uns da überhaupt nicht reinreden lassen.

ZEIT ONLINE: Wie genau unterscheidet sich Euer Konzept denn von anderen Anzugsmachern?

   

Schmidt: Na ja, was das Produkt betrifft, nicht so sehr. Ein Maßanzug ist eben ein Maßanzug. Wir versuchen, uns durch unseren Service von den anderen abzusetzen. Bei uns ist alles sehr persönlich. Die Inhaber stehen immer im Laden, zwei hier in Hamburg und einer in Berlin. Dazu kommt, dass alle unsere Angestellten Familienmitglieder sind. Das schafft eine gewisse Atmosphäre.

ZEIT ONLINE: Was hat Euch so optimistisch gestimmt, dass Ihr Euch damit durchsetzt?

Schmidt: Wir haben alle einen ziemlich großen Freundeskreis. Wir haben schon darauf spekuliert, dass einige davon Werbung für unseren Laden machen.

ZEIT ONLINE: Mit Erfolg?

Schmidt: Das kann man so sagen. Eine Freundin hat uns zum Beispiel ein Fotoshooting mit der Band Deichkind organisiert. Die haben das komplett für lau gemacht. Das war natürlich Gold wert. Aber auch unsere Familien haben uns mit Mund-zu-Mund-Propaganda unterstützt. Das hat ziemlich gut funktioniert. 

ZEIT ONLINE: Wann habt Ihr Euer erstes Geschäft eröffnet?

Schmidt: 2012 haben wir uns einen Laden in der Sierichstraße angemietet. Der war megaklein, aber etwas anderes hätten wir uns zu dem Zeitpunkt nicht leisten können. Ein Freund von uns ist Tischler, der hat uns den Laden schön hergerichtet. Und dann haben wir gewartet und gehofft, dass jemand kommt.