ZEIT ONLINE: Wann habt Ihr das erste Mal gemerkt, dass Euer Plan funktioniert?

Schmidt: Eines Tages hat sich eine Reporterin vom Hamburger Abendblatt bei uns gemeldet und ein Interview mit uns gemacht. Wir dachten natürlich, dass es irgendwo ganz hinten auf der letzten Seite veröffentlicht wird. Aber es landete auf der Titelseite der Wochenendausgabe.

ZEIT ONLINE: Was bedeutete das für Euch?

Schmidt: Kurz darauf ging's hier ziemlich ab. Nach vier Monaten hatten wir eigentlich alle Kosten gedeckt. Davor haben wir quasi umsonst im Laden gearbeitet und nebenbei noch bei H&M gejobbt. Jetzt konnten wir uns ein eigenes Gehalt ausbezahlen. Der Laden in der Sierichstraße war dann auch sehr bald zu klein für uns, deswegen sind wir 2013 nach Eppendorf umgezogen. Da waren wir zwei Jahre, und jetzt sind wir hier in der Innenstadt. Seit diesem Sommer haben wir auch noch einen Store in Berlin.

ZEIT ONLINE: Der Laden in Hamburg liegt in den Großen Bleichen, eine der nobelsten Adressen der Stadt. Wer kommt bei Euch einkaufen?

Schmidt: Viele Leute denken, dass es nur alte Leute sind. Überwiegend sind es aber Männer zwischen Mitte 20 und Ende 40. Grundsätzlich werden von uns alle gleich bedient, aber wir versuchen durch unsere Einrichtung schon, besonders junge Menschen anzusprechen.

Albert:Manchmal kommen bei uns ältere Herren rein, bei denen wir denken, dass denen unsere Ansprache zu unförmlich ist. Aber gerade die finden unseren lockeren Umgang oft sehr, wie soll ich sagen, interessant.

ZEIT ONLINE: Ein anderes Hamburger Label, das angesagte Maßanzüge anbietet, ist Herr von Eden. Seid Ihr beleidigt, wenn man Euch vorwirft, nur eine Kopie zu sein?

Schmidt: Ich finde Herr von Eden megacool. Er ist eine Hamburger Institution. Deswegen würde ich diesen Vergleich gar nicht als Beleidigung wahrnehmen, eher als Kompliment. Eine Kopie sind wir aber sicher nicht. Als wir angefangen haben, hat Herr von Eden noch überwiegend Anzüge von der Stange verkauft.

ZEIT ONLINE: Gibt es denn modische Unterschiede?

Schmidt: Ja, sogar krasse. Wir sind viel dezenter. Mit Fotos von Models mit lackierten Nägeln und pinken Anzügen würden wir nicht werben. Hinzu kommt, dass Herr von Eden in einem viel höheren Preissegment liegt.

ZEIT ONLINE: Wo liegt Ihr denn?

Schmidt: Wir starten bei 490 Euro für einen Anzug. Bei Herr von Eden geht's, glaube ich, bei 900 Euro los.

ZEIT ONLINE: Warum könnt Ihr so viel günstiger sein?

Schmidt: Unsere Gewinnmarge ist einfach nicht so groß wie bei Herr von Eden, das heißt, wir müssen viel mehr Anzüge verkaufen, um auf den gleichen Gewinn zu kommen. Es ist aber nicht so, dass wir extrem billig produzieren, um billiger als die Konkurrenz zu sein.

ZEIT ONLINE: Wo lasst Ihr die Anzüge denn produzieren?

Schmidt: In Shanghai. Das mag jetzt zunächst wie ein Widerspruch wirken, aber was viele Leute gar nicht wissen, ist, dass die Produktion in Shanghai teurer ist, als sie es zum Beispiel in Portugal wäre.

ZEIT ONLINE: Und warum produziert Ihr dann nicht in Portugal?

Schmidt: Weil die Qualität, die wir aus Shanghai bekommen, wesentlich höher ist. Außerdem geht es schneller. Wir haben es anfangs sogar in Portugal versucht, aber mit unserem jetzigen Partner konnten die Firmen dort nicht mithalten. Uns war ja auch bewusst, dass "Made in China" bei den Konsumenten nicht unbedingt das beste Image hat, aber wie gesagt: Die Qualität spricht für sich.

ZEIT ONLINE: Wie viele Anzüge müsst Ihr verkaufen, um die Miete in den Großen Bleichen bezahlen zu können?

Schmidt: Eine Menge. Die Miete ist schon sehr hoch. Das ist ein gewisses Risiko. Und dann kommen auch noch vier Gehälter dazu. Aber ohne Risiko kein Spaß.