Mark Spörrle © Vera Tammen

Guten Morgen,

da sind wir wieder! Die Elbvertiefung meldet sich zurück aus der Sommer-, nein: es war doch die Winterpause. Wir hoffen, Sie hatten einen guten Start ins neue Jahr und gehören nicht zu den Unglücklichen, von denen man in diesen Tagen so viel hört – vielleicht, weil sonst nicht so viel los war. Während die Leute auf Sylt im Badezeug zum Anbaden gingen, stürzte etwa in Hammerbrook ein Mann voll bekleidet ins Hafenbecken. Eine Frau aus Wilhelmsburg steuerte gar ihr Auto in den Kanal.

Wie jedes Jahr schaffte es jemand, seinen Weihnachtsbaum in Flammen aufgehen zu lassen, und das, obwohl nur noch wenige Hamburger echte Kerzen verwenden. Auch diesmal gingen beim Böllern an Silvester Finger verloren. Und wir wissen nicht, wie viele Leute diesmal eine Rakete anzündeten und vergaßen, ihren Kopf aus dem Weg zu nehmen.

"Kein Witz", sagt Axel Zimmermann vom Trittauer Feuerwerkshersteller Nico, "im Eifer des Gefechts passiert das immer wieder." Wenn Sie wissen wollen, was Ihnen rund um Silvester so alles um die Ohren flog: Unsere Kollegin Hanna Grabbe hat für die aktuelle ZEIT:Hamburg mit Zimmermann über "Monsterkings" und "Turbowirbel" gesprochen. Und darüber, warum ausgerechnet die Hamburger in Sachen Feuerwerk abgehen wie eine Rakete: In den letzten Tagen sammelte die Stadtreinigung schon 25 Tonnen Böllermüll ein.

Gut, ein bisschen mehr ist in der Stadt doch passiert.

Scholz holt mehr Geld für Hamburg raus

Jahrelang haben sich die Bundesländer um die Finanzbeziehungen zum Bund gestritten – nun wird es wohl beim Länderfinanzausgleich bis Ende März eine Einigung von Bund und Ländern geben. "Im ersten Quartal 2016 könnten Ergebnisse feststehen", sagt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, der als Verhandlungsführer der Länder am Tisch sitzt. Die ostdeutschen Länder, die noch von dem 2019 auslaufenden "Soli" profitieren, sollen stattdessen künftig eine "Bundesergänzungszuweisung" für unterdurchschnittliche kommunale Finanzkraft erhalten. Auch Saarland und Bremen bekommen weiter finanzielle Hilfen. Darauf haben sich die Länder bereits verständigt. Nun müssen sie den Bund überzeugen, das nötige Geld zur Verfügung zu stellen. "Die Einigung war nur möglich, weil der Bund bereits angekündigt hat, großzügig sein zu wollen", sagte Scholz. Zuletzt habe man über eine Summe von 8,5 Milliarden Euro diskutiert. Obwohl Hamburg weiter zu den Zahlerländern gehören wird, soll die Stadt dadurch jedes Jahr rund 172 Millionen Euro mehr zur Verfügung haben. "Die meisten in der Stadt erhobenen Steuern verbleiben schon jetzt nicht in Hamburg", sagt Scholz. "Deshalb durfte es nicht zu einer weiteren Abschöpfung der hier erhobenen Steuern kommen."

Ziel: Eine Million Kreuzfahrtpassagiere

Für das Kreuzfahrtgeschäft legt sich die Stadt richtig ins Zeug. Neubau hier, Umbau dort – die Terminals werden auf boomende Passagierzahlen ausgerichtet. Die Geschäftsführerin der Hamburger Kreuzfahrtterminals, Sacha Rougier, will 2018 die Marke von einer Million Kreuzfahrtkunden knacken. "2017 werden wir über die Schwelle von 70.000 Passagieren an den Terminals kommen." In diesem Jahr sollen 640.000 an und von Bord gehen, auch das ein Rekord. Dabei erwartet die Stadt weiterhin rund 160 Ankünfte von 33 Kreuzfahrtlinern. Wie das geht? Nicht die Zahl der Schiffe werde sich wesentlich erhöhen, "sondern ihre Kapazität", sagt Rougier. Auf den Kreuzfahrtriesen gibt es immer mehr Kabinen, und sie werden immer größer. Künftig sollen mehr Pötte gebaut werden, die in Richtung "Quantum of the Seas" (Raum für 4905 Passagiere) gehen. Zum Vergleich: Die beiden Cunard-Schiffe "Queen Elizabeth" und "Queen Victoria", die am Freitag am Terminal Altona und in der HafenCity festmachen und die Kreuzfahrtsaison 2016 eröffnen, haben zusammen Platz für rund 4000 Passagiere.

Neuer Hochbahn-Chef will hoch hinaus

WLAN in der U-Bahn? Kaum vorstellbar – beim Thema WLAN tut sich schließlich schon die Deutsche Bahn schwer genug. Doch die Hamburger Hochbahn hat einen neuen Chef, der den Ausbau der Digitalisierung nun aber wirklich vorantreiben will. "Wir müssen mit unseren Angeboten näher ran an das digitale Lebensgefühl der Menschen", sagte Henrik Falk dem "Hamburger Abendblatt". Falk kommt von den Berliner Verkehrsbetrieben und übernimmt am 1. Februar im Vorstand der Hamburger Hochbahn AG den Vorsitz. Vorgänger Günter Elste verabschiedet sich nach zwei Jahrzehnten in den Ruhestand. Der neue Hochbahn-Chef hat es mit seinen Plänen auf die jungen Kunden abgesehen. Die müsse man "so von unserem Produkt überzeugen, dass sie mit 18 Jahren – auch wenn sie ihren Führerschein gemacht haben – nicht automatisch auf das Auto umsteigen, sondern weiter überwiegend für ihre Wege Bus und Bahn nutzen". Ein Hinderungsgrund könnten da allerdings die steigenden Preise des HVV sein. Und überhaupt: Würden sich die meisten Kunden nicht eher freuen, wenn die Verbindungen besser wären und mehr Busse und Bahnen führen?

Böse Hacker, gute Hacker

Das öffentliche Bild von Hackern ist im Wandel begriffen, zumindest in Deutschland: Das Klischee der Kriminellen mit dunklem Kapuzenpulli sei hierzulande auf dem Rückzug, befand die Belfaster Sozialwissenschaftlerin Leonie Maria Tanczer auf dem Hackertreffen des Chaos Computer Clubs (CCC); zwischen den Jahren waren im CCH 12.000 Aktivisten zum "Chaos Communication Camp" zusammengekommen. Die Hacker-Kultur habe sich stetig erweitert und trage eine Mitverantwortung für notwendige gesellschaftliche Veränderungen, sagte CCC-Sprecher Frank Rieger. So stellte der Verein Open Knowledge Foundation Deutschland ein neues Internetportal zu den Ansprüchen vor, die Bürger nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) gegenüber Behörden haben. In Ergänzung zur Website "Frag den Staat" startete man die Site "Verklag den Staat". Verbreitet war die Sorge, Terrorangst und Sicherheitsdenken könnten eine freie Entwicklung der digitalen Gesellschaft massiv einschränken. "Für die Regierungen in der Welt war Überwachung noch nie so einfach wie heute", erklärte Kurt Opsahl von der US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation. Seine Organisation werde sich allen Bemühungen widersetzen, der Regierung eine Hintertür zur verschlüsselten privaten Daten zu verschaffen. Es ist absehbar, dass das zu Problemen führen wird. Zumal laut Wissenschaftlerin Tanczer in Großbritannien und den USA nach wie vor das Klischee überwiege, Hacker seien kulturelle Außenseiter oder Soziopathen.

"Friedhof der Nuscheltiere"

Es ist wie ein schlimmer Autounfall – man kann nicht hingucken, wegsehen kann man aber auch nicht. Til Schweiger UND Helene Fischer zusammen im Tatort – es soll Menschen geben, denen allein diese Vorstellung Magenschmerzen bereitet. Und doch hat man ein schlechtes Gewissen, wenn man die intensiv beworbene Doppelfolge "Der große Schmerz" (am letzten Freitag) und "Fegefeuer" (gestern) verpasst hat. Noch einmal kurz zum Plot: Die Sauberfrau des deutschen Schlagers mimt eine wortkarge eiskalte Killerin und ehemalige Zwangsprostituierte, die einen blutigen Tod stirbt. Ein Rollenwechsel, vielleicht etwas zu heftig, um ihr das wirklich abzukaufen. Schweiger als Kommissar Nick Tschiller liefert sich nuschelnd mit Banden-Chef Astan (Erdal Yildiz) einen Kampf auf Leben und Tod, wobei seine Mimik ruhig etwas heftiger sein könnte. Tote? Na klar! In den Sozialen Medien war die Kritik vorwiegend grausam: "Der #Tatort läuft 5 Min. und ich habe sowohl die Fischer als auch Schweiger & seine halbe Familie gesehen"; "Friedhof der Nuscheltiere"; "Kann Helene Fischer nicht öfter schauspielern? ...dann singt sie zumindest nicht"; "Wenn er weint versteht man nichts mehr. Wo ist der Untertitel!"; "Vielleicht erst einmal abwarten. Vielleicht wird doch alles gut". Nun ja.

Mittagstisch

Suppe gegen den Halbwinter

Manchmal muss es zum Mittag einfach eine Pho bo sein. Auch wenn ein Vietnamese diese Reisnudel-Rindfleisch-Suppe eher zum Frühstück essen würde. Im Hamburger Halbwinter aber, für Büromenschen mit knapper Mittagspause, hat die Pho bo ein paar ganz entschiedene Vorteile. Erstens: Sie steht schnell auf dem Tisch. Zweitens: Sie macht schön warm. Oder auch wärmer, je nachdem, wie viele der mitservierten Chilischoten-Stücke man in die Suppe wirft. Und drittens: Sie ist ein leichtes Mittagsmahl, das einen beschwingten Schritts zurückkehren lässt. Zum Beispiel aus dem Levantehaus, in dessen Einkaufspassage das Ngan Tinh Restaurant besonders reelle Portionen einer besonders klassischen Pho bo serviert. Oder prall gefüllte Sommerrollen. Oder panasiatische Klassiker wie Knusprige Ente auf Kokosmilch-Curry. Und die Rechnung gibt’s in einem herzförmigen Körbchen. Mittagsgerichte von 5,90 bis 7,90 Euro, Pho bo für 6,90 Euro. Mönckebergstraße 7 (Levantehaus, Passage, 1. Etage), täglich von 11.30 bis 22.00 Uhr

Wolfgang Lechner

Was geht

Konzert: Halleluja! Es darf geklatscht, geschrien, geweint und mit den Füßen auf den Boden gestampft werden, wenn Reverend Dwight Robson und seine Golden Voices of Gospel den Herrn preisen. Der Chor stand schon mit Michael Jackson bei "Wetten, dass..?" auf der Bühne. Hier gibt es die üblichen Klassiker: von "When The Saints" bis "O Happy Day!". The Golden Voices of Gospel – The New Year’s Gospel Concert, Laeiszhalle, Johannes-Brahms-Platz, 20 Uhr

Vortrag: Wer nur theoretisch die Wahl hat, hat die Qual: "Über Vertrauensverlust am Rand der Gesellschaft" – die europäische Demokratie und ihre Probleme. Institut für Sozialforschung, Mittelweg 36, 20 Uhr

Ausstellung: Eine künstlerische Entdeckungsreise, die die Ozeane der Welt als "sechsten Kontinent" erkundet, als Ort des Welthandels, des Kolonialismus, der Migration und des kulturellen Austauschs. "Streamlines", Deichtorhallen, Deichtorstraße 1, 11–18 Uhr

Was kommt

Seminar: Wer mag, kann gleich seine nigelnagelneuen Vorsätze mitbringen: "Bewusst leben – gesünder und erfolgreicher" zeigt, wie Körper und Seele glücklich werden. Mittwoch, Evangelische Familienbildung Eppendorf, Loogeplatz 14–16, ganztägig

Gala: "The Rat Pack – Live from Las Vegas" die besten Songs der Entertainer aus "Thatʼs Amore!" Mittwoch: Kampnagel, Jarrestraße 20, 20 Uhr

Sport: Die Hamburg Freezers haben das Eishockeyjahr 2015 mit einer Niederlage beendet. Jetzt wird es Zeit, wieder anzugreifen. Am Freitag: Spiel gegen die Düsseldorfer EG, Barclaycard Arena,19.30 Uhr

Hamburger Schnack

Heiligabend zwischen Kaffeetrinken und Bescherung: Die Gastgeber holen Noten und Instrumente und spielen Weihnachtslieder, die Großfamilie singt gerne mit. Schlussapplaus, Stille – dann Augustyn (3) begeistert: "Wie in Panten un Bomen!"

Gehört von Sabine Cohrs

Geht es auch Ihnen so, dass die Zeit zwischen den Jahren so schnell vorbei war, dass Sie gar nicht dazu kamen, über das nachzudenken, worüber man zwischen den Jahren früher üblicherweise so nachdachte?

Falls Sie das nachholen möchten und Inspiration suchen: Die aktuelle Ausgabe von ZEIT Wissen steht unter dem Motto "Der Sinn deines Lebens". Unter anderem geht es um Glauben, um Empathie, um Sex – und um Gemütlichkeit.

Das war sie wieder, die Elbvertiefung. Wollen Sie uns Ihre Meinung sagen, wissen Sie etwas, über das wir unbedingt berichten sollten? Haben Sie tollen Schnack oder Fotos? Schreiben Sie uns: elbvertiefung@zeit.de

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Morgen lesen wir uns wieder, wenn Sie mögen!

Ihr

Mark Spörrle

PS: Gefällt Ihnen unser Letter, leiten Sie ihn gern weiter. Haben Sie ihn weitergeleitet bekommen, melden Sie sich ganz einfach und unverbindlich an unter elbvertiefung@zeit.de. Dann schicken wir Ihnen die neue Elbvertiefung, solange Sie wollen, immer montags bis freitags ab 6 Uhr.