Eiffe brach sein Studium ab und fand Arbeit beim Statistischen Landesamt, allerdings nur für kurze Zeit. Denn hier sorgte nicht nur sein Scharfsinn für Aufsehen, sondern auch sein ungebührliches Verhalten: Seinen Arbeitsplatz schmückte ein Bismarckportrait umrahmt von Pin-Up-Postkarten. Reinigungskräfte der Behörde beschimpfte Eiffe, mittlerweile Vater einer Tochter, in französischer Sprache. Eiffe wurde entlassen – und nahm sich Filzstifte und hastete durch Hamburg.  

Eiffes Wortspiele an Häuserputz und U-Bahnhof-Kacheln waren politisch bis dadaistisch. Werbeplakate antworten plötzlich auf ihre eigene Botschaft ("Cinzano hat‘s! Eiffe hat‘s schon lange."). Kundinnen in der Damenstrumpfabteilung des Alsterhauses blickten auf überschriebene Preisschilder ("Auch hier war Eiffe!").  Er verbreitete Ideen zur Verkehrsoptimierung ("Alle Ampeln auf gelb!") und bezog sich oft selbst mit ein: Während der Wahl zur Miss Universitas etwa trat er überraschend auf die Bühne des Audimax und schrieb auf die nackte Schulter der frisch gekürten Gewinnerin "Eiffe auch Mr. Universitas". Eine weitere seiner wenig bescheidenen Botschaften lautete "Eiffe for President! Frühling für Europa!".

Die Filzstiftkampagne fand ein jähes Ende, als Eiffe mit seinem Fiat 600 in die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs fuhr, die "Freie Republik Eiffe" ausrief und begann, die Bahnhofswände mit magischen Dreiecken zu bemalen. Er wurde festgenommen und fand sich kurz darauf in der Nervenheilanstalt Hamburg-Ochsenzoll wieder. "Diese Handlungsweise muss nicht unbedingt krankhaft sein. Vielleicht ist das ganze ein vorbedachter Plan. Im polizeilichen Ermittlungsverfahren sollte man jedoch eine ärztliche Untersuchung einbeziehen", hieß es im Gutachten.

Schwer einzuordnen, sehr ambivalent

Sechs Monate später wird Eiffe aus Ochsenzoll entlassen. Es folgten kurze Anstellungen bei der Sektkellerei Henkell und bei einer Düsseldorfer Werbeagentur. Eiffe aber kam nicht mehr zurecht. Er hatte manische Züge, litt unter einer falsch verabreichten Dosis Lithium, die seine Motorik beeinträchtigte. Seinen letzten Lebensabschnitt verbrachte er in der psychiatrischen Klinik im schleswig-holsteinischen Rickling. 1983, nach einem 15-jährigen Aufenthalt, floh Eiffe von hier und erfror in einem Moor. Sein Leichnam wurde erst Monate später gefunden.

Anfang der Neunziger, rund zehn Jahre nach dem tragischen Ende Eiffes, verteilte Christian Bau gemeinsam mit dem Künstler Artur Diekhoff in Hamburg Postkarten, um für seinen Film mit seinen Weggefährten zu sprechen: "Arthur sucht Eiffe. Bitte melden! Für einen Film suchen wir alle, die ihn kannten."  Und es meldeten sich viele. Der Schauspieler Uwe Friedrichsen etwa oder der damalige Hamburger Dutschke und heutige rechtsextreme Aktivist Reinhold Oberlercher. Auch der Schriftsteller und ehemalige DKP-Politiker Peter Schütt, eine Verkäuferin des Bekleidungsgeschäfts Jäger und Mirow, Pfleger der psychiatrischen Klinik Rickling und Eiffes Tochter antworteten.

All diese Zeitzeugen kommen in Baus' Film Eiffe for President – Alle Ampeln auf Gelb zu Wort. Ihre individuellen Eindrücke führen jedoch nicht dazu, dass man Peter-Ernst Eiffe einordnen kann. Es setzt sich kein Mosaik zusammen, im Gegenteil: Augenscheinlich wird abermals die besondere Ambivalenz des Hamburgers.

Da ist der Eiffe, der schweigend an studentischen Diskussionsabenden teilnahm und unter der Studentenschaft sogar als Spitzel des Verfassungsschutzes galt. Da ist der Eiffe, der während einer Versammlung des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds die Stufen des vollen Hörsaals hinunterschlich und die Zuschauer schwer verunsicherte, weil er ein Wasser-Maschinengewehr bei sich trug und "Ratatatat"-Geräusche von sich gab. Da ist der Eiffe, der sich über die antiquierte Arbeitsweise jener rebellischen Studenten mokierte, welche Parolen noch mit Farbeimer und Pinsel an Wände schrieben.